Bob hanning bei der EM in Zagreb (Quelle: Imago/Tilo Wiedensohler)
Audio: Inforadio | 10.01.2019 | Interview mit Bob Hanning | Bild: imago sportfotodienst

Interview | Bob Hanning zur Handball-WM - "Ein 'Team' bedeutet mehr als nur vier Buchstaben"

Das Wintermärchen 2007 möchte die deutsche Handball-Nationalmannschaft gerne bei der Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark wiederholen. Ein Erfolg hängt vor allem am Teamgedanken, sagt Bob Hanning, Vize-Präsident des Deutschen Handballbundes.

rbb|24: Herr Hanning, wie wichtig ist der Heimvorteil bei einer Weltmeisterschaft?

Bob Hanning: Der Heimvorteil spielt natürlich immer eine große Rolle und wenn man große Ziele hat, ist es natürlich gut, wenn das Team von vielen Fans getragen wird. Es ist einfach was anderes, ob man vor 14.000 frenetischen Fans in der eigenen Halle spielt oder in einer fremden Halle spielen muss.

Im Moment zieht jeder Experte oder Nicht-Experte Parallelen zur WM vor zwölf Jahren, als Deutschland im eigenen Land den WM-Titel geholt hat. Wie weit wird es diese heutige deutsche Auswahl schaffen?

Wir haben jetzt erst einmal die Aufgabe, unsere fünf Vorrundenspiele in Berlin ordentlich zu bestreiten. Dann geht man – möglichst ohne Punktverluste - in die Zwischenrunde nach Köln. Dort werden die nächsten drei Heimspiele bestritten, um zum Halbfinale nach Hamburg zu kommen. Dann gebe ich gerne wieder ein Interview, um was Neues dazu zu sagen. Aber erst mal geht es darum, nach Hamburg zu kommen und wir tun wirklich gut daran, die Aufgaben nacheinander abzuarbeiten.

Das heißt, im besten Falle müsste Deutschland nur ein Auswärtsspiel absolvieren, nämlich Ende Januar im dänischen Herning?

Also, ganz ehrlich - wenn es denn bis zum Finale kommen würde. Dann bin ich auch bereit nach Herning zu fahren. Und das wäre sicherlich ein schöner, krönender Abschluss.

Deutschland war immerhin Europameister 2016, spielte aber ein eher durchwachsenes EM-Turnier im vergangenen Jahr. Was braucht es, damit ein Team konstant zu den Top-Mannschaften der Welt zählt?

Wir waren nach einem Umbruch extrem erfolgreich mit dem Europameistertitel und der Bronzemedaille. Und dann kam eine kleine Delle, vermutlich weil wir das Aus im Achtelfinale der Weltmeisterschaft 2017 nicht aufgearbeitet haben und erst 2018 in die Situation gegangen sind zu analysieren, was wir verändern müssen. Jetzt sind dieser Hunger und die Bereitschaft wieder da - und alle haben mehr investiert. Ich glaube, wir müssen den Begriff Team ganzheitlich nutzen. Er bedeutet mehr nur als nur vier Buchstaben nach dem Motto 'Toll, dann macht es eben ein anderer'. Wir brauchen das Engagement aller Mitspieler. Wenn wir das hinkriegen, dann werden wir auch erfolgreich sein.

Beim öffentlichen Training in Hohenschönhausen waren knapp 2.000 Besucher, die fünf deutschen Spiele in Berlin sind beinahe schon alle ausverkauft. Wie erklären Sie sich die Popularität des Handballs im Moment?

Ich glaube, dass wir in der Bundesliga – und auch in Berlin - Woche für Woche Handball auf höchstem Niveau zu sehen kriegen. Handball ist in Deutschland die Ballsportart Nummer eins nach dem Fußball. Das gepaart mit einer WM und einer Nationalmannschaft, da überrascht mich persönlich der Hype nicht so sehr.

Sie haben gesagt, es sei in Ordnung, dass Fußball Nationalsport Nummer eins in Deutschland ist. Warum so bescheiden?

Ich denke, wenn die Menschen gerne zum Fußball gehen, und das tun sie, dann hat das auch seine Berechtigung. Unsere Aufgabe ist es, als eine Alternative da zu sein und uns die Nahbarkeit zu erhalten. Von daher tun wir gut daran, nicht neidvoll auf den Fußball zu gucken. Wir sollten die Situation akzeptieren, aber vielleicht den Weg zu uns verkürzen, um zu einer wirklichen Alternative zu werden.

Das Spiel gegen dieses gemeinsame koreanische Team ist ein schönes politisches Signal, aber wie groß wird die sportliche Herausforderung für Deutschland sein?

In dem Fall sage ich tatsächlich auch mal was Politisches: Ich finde es etwas ganz Besonderes, wenn wir in der ehemals geteilten Stadt Berlin eine gemeinsame koreanische Mannschaft sehen werden. Das zeigt, was der Sport als Ganzes leisten kann und Brücken schlagen kann. Sportlich gesehen muss man sagen, dass wir auf jeder Position besser besetzt sind und deshalb sollten wir dieses Spiel auch für uns gestalten. Aber wir erinnern uns nochmal an das Wintermärchen: 2007 haben wir in der Max-Schmeling-Halle gegen Brasilien gespielt und mit unglaublich viel Glück das Spiel am Ende gewonnen. Weil so ein Auftaktspiel natürlich vieles mit sich bringt: Jetzt geht es wirklich darum, dass wir die PS und die Qualität, die wir haben und uns erarbeitet haben, auch wirklich auf die Straße zu bringen.

Die Handball-WM im Überblick

Das Turnier findet vom 10. bis zum 27. Januar in Deutschland und Dänemark statt. Es ist damit die erste Handball-WM, die von zwei Verbänden gemeinsam organisiert wird. 24 Nationen nehmen teil. Die deutschen Spielorte sind neben Berlin auch Köln, Hamburg und München. In Dänemark wird in Kopenhagen und Herning (Finalort) gespielt. Titelverteidiger ist Frankreich.

Das Interview mit Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handballverbandes und Manager der Füchse Berlin, führte Alexander Schmidt-Hirschfelder für Inforadio.

Dieser Text ist eine redigierte und gekürzte Fassung. Das vollständige Interview können Sie oben im Beitrag im Audio hören.

Sendung: Inforadio, 10.01.2019, 08:05 Uhr

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