Volle Hallen bei der Heim-WM - auch in Berlin. / imago/Jörg Schüler
Audio: Inforadio | 28.01.2019 | 15:15 Uhr | Thorsten vom Wege | Bild: imago/Jörg Schüler

Füchse Berlin spüren Aufwind - Die Handball-WM ist vorbei - was bleibt?

Zwei Wochen lang hat die Handball-WM Deutschland begeistert - ausgehend von Berlin, wo das deutsche Team die Vorrunde bestritt. Die Hallen waren voll. Die TV-Quoten stark. Die Frage bleibt: Wie nachhaltig ist der Boom? Von Johannes Mohren

Genaue Zahlen können sie aktuell noch nicht nennen bei den Füchsen Berlin. Aber sie haben ein gutes Gefühl. Der WM-Boom, so ist der erste Eindruck bei den Berlinern, färbt positiv auf den Handball-Bundesligisten ab. In den vergangenen Tagen seien mehr Karten für die Heimspiele verkauft worden, sagt Holger Heinrich im Gespräch mit rbb|24 - und: "Die Partien gegen Kiel und die Rhein-Neckar Löwen sind bereits Monate vorher fast ausverkauft."

Heinrich ist der Zuständige für das Ticketing bei den Füchsen. Es ist einer der Bereiche, in der Euphorie ein stückweit messbar wird - ganz konkret im Karten-Absatz. Gerade das Interesse an den Top-Spielen sei ein klares Indiz, dass "die Leute nun die Nationalspieler sehen wollen", sagt Heinrich. Ihn freut, dass das vor allem auch auf junge Fans zutrifft. Es ist der Absatz an Kinderkarten, der aktuell "bei uns besonders auffällig nach oben schnellt".

Fast zwölf Millionen TV-Zuschauer

Es nährt die Hoffnung der Füchse aus Berlin und des deutschen Handballs insgesamt, dass der 14-tägige Weltmeisterschafts-Rausch nicht abrupt endet. Die Begeisterung, die das Heim-Turnier ausgelöst hat, soll mit den Alltag genommen werden - und aus dem WM-Boom ein nachhaltiges Wachstum werden. Seinen Status als Sportart Nummer zwei nach dem Fußball will der Handball festigen. So lautet das klar formulierte Ziel.

Die Voraussetzungen scheinen erst einmal gut - das Zahlenwerk ist imposant. Es gab einen Zuschauerrekord in den Hallen. Das, was für die deutsche Nationalmannschaft in Berlin in der Vorrunde so furios begann, setzte sich in den anderen Spielstätten fort. In der Spitze schalteten in der ARD bis zu zwölf Millionen Zuschauer ein. Zum Public Viewing der Füchse beim Halbfinale gegen Norwegen kamen rund 600 Menschen. Auch Füchse-Spieler waren dabei. Malte Semisch etwa, Keeper Nummer zwei. "Ich glaube, das Turnier hat unserem Sport sehr gut getan", sagt er.

Handball in den Schulen "wieder salonfähig machen"

Bei Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handballbundes und Füchse-Manager, klingt das ähnlich. Dem Mann, der mit seiner Pullover-Wahl auch für lustige Momente sorgte. "Der Weltverband hat sicherlich gut daran getan, diese WM Dänemark und Deutschland zu geben", sagte er nach Ende des Turniers dem rbb-Inforadio. Allen Beteiligten, die daran mitgearbeitet hätten, müsse er "eine glatte Eins aussprechen".

Eine Garantie dafür, dass der Handball-Alltag nun ähnlich schillernd wird, ist das nicht. Die Handball-WM 2007 ist da das beste Beispiel: Auch damals fand das Turnier in Deutschland statt. Auch damals war die Euphorie riesig. Deutschland wurde am Ende sogar Weltmeister. Wirklich Kapital konnte der (Vereins-)Handball aber nicht daraus schlagen.

Die Überzeugung, dass sich das nicht wiederholt, ist aber groß. "Ich glaube, dass die Rahmenbedingungen ganz andere sind. Der Verband hat sich eine komplett neue hauptamtliche Struktur gegeben", sagt Hanning. Vierzig Prozent neue Mitglieder habe man seit diesem Turnier vor inzwischen zwölf Jahren. Und auch finanziell sieht es gut aus beim DHB: "Wir haben einen großen Überschuss gemacht", sagt Hanning: "Das Geld kann man jetzt in Schulen und Kindergärten finanzieren, um den Handball dort wieder salonfähig zu machen."

Skepsis bleibt

Sie sollen denen nacheifern, die sie nun im Fernsehen gesehen haben. Einer Mannschaft, die als Team auftrat und gleichzeitig starke Typen hatte: Den scheinbar unerschütterlichen Kreisläufer Patrick Wiencek etwa, den emotionsgeladenen Keeper Andreas Wolff, aber natürlich auch das Füchse-Trio Fabian Wiede, Paul Drux und Silvio Heinevetter. Das Image, es stimmt. "Es ist uns gelungen, dass die Mannschaft begeistert und ihren Mann steht", sagt Hanning.

Eine gewisse Skepsis dürfte aber bleiben, dass sich der Schwung auch im Liga-Alltag hält. Die Lage ist eine grundsätzlich andere als im Fußball. Das Interesse an der Sportart zeigt sich seit jeher eindeutig an der Nationalmannschaft. Das, was die Klubs in der Bundesliga - der vielleicht stärksten der Welt - machen, findet weitaus weniger Aufmerksamkeit. Es müsste sich also einiges wandeln, damit der deutsche Handball nicht erst wieder beim nächsten Großturnier mit einer Party für ein paar Tage in den Fokus rückt. Schon das Finale ohne deutsche Beteiligung sahen bei Eurosport gerade einmal gut 1,5 Millionen Zuschauer. Aber immerhin: Es gibt sie auch, die positiven Signale. Zum Beispiel von Holger Heinrich. Aus dem Füchse-Ticketing.

Sendung: rbb UM6, 28.01.2019, 18 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

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1 Kommentar

  1. 1.

    Danke für die spannenden Handball-TV-Stunden während der WM! Immer wieder gern.

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