Die Poker Assasins Spandau (Foto:rbb|24/Stefan Oberwalleney)
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Video: rbb|24 | Stefan Oberwalleney | 09.01.2019 | Bild: rbb|24/Stefan Oberwalleney

Interview | Poker Assassins Spandau - "An der Halsschlagader sieht man eine ganze Menge"

In Berlin läuft zur Zeit eines der größten Pokerturniere der Welt - die World Poker Tour. Es ist eines der Highlights im internationalen Pokergeschehen, aber in Berlins geht es auch ein bisschen kleiner. Zum Beispiel im Verein "Poker Assassins Spandau".

Poker boomte zwischen 2003 und 2006: Damals gewann der Pokeramateur Chris Moneymaker die World Series of Poker. Schon ein Jahr zuvor startete die World Poker Tour, eines der größten Pokerturniere weltweit, das in diesen Tagen zum zweiten Mal in der Berliner Spielbank ausgetragen wird. Auch gründeten sich Anfang der Nuller Jahre viele keinere Pokervereine, darunter auch 2006 der Verein "Poker Assassins Spandau". Nachdem der Pokerboom wieder abflachte, hat sich dieser Verein gehalten. 25 Mitglieder hat der Verein, einige von ihnen treffen sich immer montags in einem Vereinsheim. Danny Busch ist seit 2006 dabei und stellvertretender Vorsitzender.

rbb|24: Sie haben nur einmal an der World Poker Tour teilgenommen. Ist es denn so, dass dieses Turnier ein wichtiges Event in der Berliner Pokerszene ist?

Das WPT ist ein Highlight für Berliner Pokerspieler. Aber die Startgelder sind nicht für den Ottonormalverbraucher [Anm. der Redaktion: ab 3.500 Dollar], sag ich mal. Denn man rechnet damit, dass nur etwa zehn Prozent der Spieler überhaupt ins Geld kommen [Anm. der Redaktion: Geld gewinnen].

Danny Busch von den Poker Assasins Spandau (Foto: rbb|24/Danny Busch)
Danny Busch spielt seit 2006 bei den Poker Assassins Spandau | Bild: rbb|24/Stefan Oberwalleneny

Glückspiele, bei denen sich richtig Geld gewinnen lässt, sind durch viele Auflagen beschränkt. Wenn sie bei Ihnen im Verein nicht ums große Geld spielen dürfen, worum geht es Ihnen dann?

Da geht’s um Ruhm, Ehre und Punkte.

Wie erlangt man Ruhm, Ehre und Punkte im Vereinsheim der Poker Assassins Spandau?

Wir spielen vor allem Texas Hold‘em, das ist so die bekannteste Poker-Variante. Unser monatliches Highlight ist unser Spiegel-Turnier. Man muss sich das so vorstellen, dass der Gewinner auf einem beleuchteten Spiegel im Vereinsheim eingraviert wird. Da ist der Anreiz, zu gewinnen, sehr groß. Wir haben den Spiegel seit 2011, es passen drei Jahre drauf. Und ich würde sagen, fast jeder hat schon mal ein Turnier gewonnen.

Schön und gut, aber was packt Sie richtig, dass Sie oder andere Woche für Woche und das seit Jahren zum Pokerverein gehen?

Erstmal: Man ist in einer geselligen Runde. Und dann ist es das Ausspielen des Gegners. Ich habe Möglichkeiten, zu beobachten, wie mein Gegner sich verhält. Wie mein Gegner atmet, wie mein Gegner Chips setzt, wie mein Gegner bei bestimmten Sachen reagiert, wenn ich zum Beispiel einen Einsatz mache. Wenn ich zum Beispiel ein schlechtes Blatt habe, dann kann ich durch bestimmte Einsatzhöhen meinen Gegner dazu zwingen, dass er wegschmeißt. Das ist einfach ein Triumphgefühl. Für mich ist es Denksport, auch ein sehr mathematisches Spiel. Ich kann dann auch ausrechnen, wenn die und die Karte aufs Bord kommt, wie sich meine Chancen verbessern. Und wir gehen ja auch auf Turniere.
Der Anreiz ist auch der Gedanke, wenn du auf ein Turnier gehst, dass es doch mal mit dem großen Wurf klappt. Die Chance, da eher was zu gewinnen als im Lotto, ist doch hoch.
Den Reiz macht schließlich auch aus: Jeder versucht sich mit jedem zu messen. Sie würden sich wahrscheinlich nie mit Tiger Woods an die Driving Range stellen und da um Geld spielen. Und beim Poker macht man das. Das würden Sie nicht machen, oder?

Man misst sich mit jedem, auch wenn er noch so prominent ist?

Ja.

Warum?

Man kann ihn schlagen. Allerdings: Wenn ein Gegner wirklich konstant gut spielt, dann wird er einen auf lange Sicht auch immer schlagen. Wie heißt es so schön: Es gibt viele Fische und einige Haie.

Was bedeutet das?

Ein Fisch ist jemand, der im großen Gewässer schwimmt. Also das Gewässer ist der Pokertisch. Die Haie sind die, die einfach nur darauf warten, wenn so ein fetter Fisch kommt, um den zu verspeisen, einfach formuliert. Das heißt, irgendjemand, der neureich ist und meint, jetzt mitspielen zu wollen. Das kann der natürlich machen und gewinnt vielleicht auch ein paar Hände, oder er verliert, und wird trotzdem merken, dass es ihm Spaß gemacht hat und dass er was gelernt hat.

Sie sprechen von Haien, die Fische verspeisen. Und Ihr Verein nennt sich Poker Assassins Spandau. Alles recht martialisch.

Wir wollten eben keinen normalen Poker-Namen wie die meisten anderen Berliner Pokervereine. Wir wollten irgendwas mit Spandau drinnen haben, irgendwas mit Poker und irgendwas anderes, das gut klingt.

Warum spielen so wenige Frauen professionell Poker, auch in Ihrem Verein ist nur eine?

Das finde ich persönlich auch schade. Ich weiß nicht, ob die Frauen sich nicht trauen – oder ob es teilweise dieses Gehabe am Tisch ist und der sogenannte Trash Talk. Den Gegner beeinflussen, indem ich sage nach dem Motto: 'Du hast doch eh nichts, schmeiß doch weg', 'Dann erhöh' doch endlich'. Da versucht man halt, verbal einzuschüchtern. Das ist die psychologische Komponente, die ich damit einbringe. Ich versuche, bei einem Gegner eine Reaktion zu provozieren, das gehört dazu. Um mir einen Vorteil zu verschaffen, darum geht es ja letztendlich.

Spielen in Ihrem Verein eher die Haie oder Fische?

Gewinnen möchte jeder. Aber man kann hyper-aggressiv spielen, das heißt, jede Hand, jedes Blatt spielen, jede Hand erhöhen, fast jede Hand reraisen, und wenn ich dann auf einmal richtig gute Karten habe, geht der Gegner in die Falle. So versucht man, sich ein bestimmtes Image aufzubauen. Ich spiele anders, habe mir zum Credo gesetzt, egal ob ich eine Hand bluffe, also ob ich schlechte Karten habe oder gute Karten habe, ich setze immer in etwa die gleiche Höhe. Das mache ich teilweise auch noch: Immer erst, wenn ich dran bin, in meine Karten zu schauen, so kann ich vorher meine Gegner studieren.

Achtet man da wirklich auf jede Verschiebung des Mundwinkels des Gegners?

Ja, oder man sieht da ein Lachen. Oder auch an der Halsschlagader sieht man eine ganze Menge. Deswegen haben ganz viele Spieler eine Schal um, oder Kopfhörer auf, um sich zu konzentrieren. Bei den großen Turnieren sitzen die teilweise bis zu zwölf Stunden am Tag. Bei der Weltmeisterschaft sind das acht Tage. Dann spielen die sechs Tage gut, sind schon im Geld, und dann machen sie einen blöden Fehler - und auf einmal ist alles weg. Das können im schlechtesten Fall ein paar Hunderttausend Dollar sein. Man sollte auch bei einem Antilauf, also wenn es schlecht läuft, da sollte man eher Luft schnappen, was weiß ich, eine rauchen gehen. Auch wenn das nicht gesund ist.

Welche Fehler machen Anfänger, wenn sie beispielsweise Poker Assassins Spandau beitreten?

Ganz klassisch: Der Anfänger hat nicht unbedingt die Geduld, der will nicht einfach nur dasitzen und sich das anschauen, der spielt jede Hand am Anfang. Das kann mit Anfängerglück gutgehen, aber meistens geht es eben nicht gut. Er wird immer mitspielen, weil er die nächste Karte sehen will, aus Spaß an der Freude, wie auch immer.

Da ist nicht so der Wettbewerbsgedanke da. Das ist eigentlich der größte Anfängerfehler.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Vanessa Klüber

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