Rudolf Molleker jubelt über einen Punkt bei den Australian Open. (Quelle: imago/Gepa Pictures)
Video: rbb aktuell | 14.08.2014 | Jörg Klawitter | Bild: imago/Gepa Pictures

Rudi Molleker qualifiziert sich für Australian Open - Ein Berliner Tennistalent auf dem Weg an die Weltspitze

Er galt schon mit 13 als eins der vielversprechendsten Tennistalente des Landes: Rudi Molleker ist es gewohnt im Fokus zu stehen. Der Berliner hatte es nicht immer einfach in seiner Karriere - jetzt betritt der 18-Jährige die große Tennis-Bühne. Von Uri Zahavi

Rudolf Molleker lässt seinen Schläger fallen, reißt die Arme in den Himmel und schaut Richtung Tribüne. Er ist sichtlich ergriffen. Seine Familie und sein Trainer jubeln ihm zu. Der 18-jährige Berliner hat es - endlich - geschafft. Die Qualifikation für das Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers - zum ersten Mal in seiner Profikarriere. Als er seinem sieben Jahre älteren, ebenfalls deutschen, Kontrahenten Oscar Otte aus Köln am Netz die Hand schüttelt, liegt eine emotionale Achterbahnfahrt hinter dem Tennistalent.

Zwei Matchbälle gegen ihn musste Molleker, der von allen nur "Rudi" genannt wird, im dritten Satz der letzten Qualifikationsrunde abwehren. Er stand kurz vor dem Aus. Doch was dann passiert, ist ein Spiegelbild von Mollekers Stärken - an denen er seit Jugendjahren arbeitet. Immer weiter. Niemals aufgeben. Und nie das Ziel aus den Augen verlieren. Er kämpft sich zurück, bewahrt einen kühlen Kopf und gewinnt letztendlich 4:6, 6:4, 7:5. Es gleicht einer Befreiung. Molleker ist da angekommen, wo er schon immer hinwollte: in der Weltspitze.

"Scheisse, die anderen sitzen jetzt zu Hause und spielen Playstation"

Schon als Teenager stand der in der Ukraine geborene, in Oranienburg aufgewachsene und in Berlin beim LTTC Rot-Weiß trainierende Ausnahmespieler im Fokus. Das ewige Talent. Deutschlands nächste Tennis-Hoffnung. Der kommende deutsche Star in der Tennis-Elite. Die Presse, aber auch die fachkundige Szene, überhäufte den Jungen mit Lobhudeleien. Der Durchbruch - er schien nur eine Frage der Zeit.

"Der ist mir sofort aufgefallen, weil der ein kleiner rotzfrecher 12-Jähriger war", erzählte die deutsche Bundestrainerin Barabara Rittner schon vor fünf Jahren. "Ich wäre mit dreizehn Jahren nicht in der Lage gewesen, so etwas zu machen", ergänzte Wimbledonsieger Michael Stich. Es ist die Zeit, als alles beginnt. Der Rechtshänder Molleker machte sich einen Namen. Er wurde Europameister in seiner Altersklasse, schuftete jeden Tag auf dem Platz. "Ich arbeite wirklich hart", erzählte Molleker damals. "Wenn ich dann irgendwann an körperliche Grenzen gerate, denke ich mir natürlich manchmal: Scheiße, die anderen sitzen jetzt zu Hause und spielen Playstation. Aber ich weiß, was mein Ziel ist, und das möchte ich erreichen."

Die Familie ist sein Rückhalt

Ganz allein hätte Rudi den Weg nach oben nicht geschafft. Seine manchmal extrovertierte, fast arrogant wirkende Art, kommt nicht bei allen an. Insbesondere seine Familie unterstützt ihn - hält ihm den Rücken frei. Vater Roman ist immer dabei, pusht seinen Sohn wo er kann. Auf und natürlich auch neben dem Platz. "Jeder weiß, dass Roman mehr Zeit mit Rudi verbringt als zum Beispiel sogar mit mir", erzählte Mutter Tanja mit einem Augenzwinkern im rbb-Interview vor einigen Jahren.

Auch das Verhältnis zu seinem langjährigen einstigen Trainer und jetzigen Manager Benjamin Thiele ist enorm wichtig. "Vater Roman sagt immer zu mir: Es war kein Zufall, dass wir uns getroffen haben", sagte Thiele einmal. "Insofern ist es schon so, als wäre Rudi mein drittes Kind. Wir haben eine sehr enge Beziehung."

Aber auch Rudi Molleker ist nicht gefeit vor Selbstzweifeln. Trotz überragender Erfolge in der Jugend stellt er sich die Sinnfrage. "Mit diesen Momenten musst du zurecht kommen", gibt er im "Tennismagazin" zu Protokoll. Seit Anfang Januar arbeitet Molleker fest mit einem neuen Coach zusammen: Kim Tiilikainen ist ehemaliger finnischer Davis-Cup-Kapitän und startet mit Rudi Molleker in die neue Saison. Die Zusammenarbeit scheint zu fruchten.

"Ich will die Nummer eins der Welt werden"

Natürlich sind die Vergleiche zu Deutschlands momentan bestem Tennisspieler Alexander Zverev (21) nicht weit. 2018 gewann Molleker als jüngster Spieler seit Zverev ein Challenger-Turnier -  quasi der zweiten Liga des Profitennis. Natürlich erhöht das Druck und Erwartungen. Mit dem Einzug in das Hauptfeld der Australian Open ist dem emotionalen Jungspund mit der intensiven Mimik auf dem Court ein weiterer Meilenstein gelungen. "Es bedarf nicht vieler Worte: Wir sind dabei", schrieb Molleker auf seiner Facebook-Seite. Sein Markenzeichen, die Jubelfaust nach fast jedem gewonnen Punkt, wird über die deutschen Grenzen hinaus wahrgenommen werden.

Der Weltranglisten-207. ist der siebte deutsche Spieler im Männerfeld. Am Montag trifft er auf den an Position 18 gesetzten Diego Schwartzman aus Argentinien. Eine riesige Hürde. Aber, wer Tennis-Schwergewichte wie den Spanier David Ferrer niederringt, den sollte man nie abschreiben. "Ich will auf jeden Fall die Nummer eins der Welt werden", hatte Molleker in einem Interview selbstbewusst gesagt. In Australien kann er sich erstmals auf der ganz großen Tennis-Bühne präsentieren. 

Sendung: Inforadio, 11.01.2018, 12:15 Uhr

Beitrag von Uri Zahavi

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