Das Stadion der Freundschaft in Cottbus (Quelle: imago/Steffen Beyer)
Bild: imago/Steffen Beyer

Energie-Präsident Werner Fahle zu rechten Fans in Cottbus - "Wir sind ein Fußballverein und keine politische Vereinigung"

Vor zwei Wochen hatten Recherchen des rbb aufgedeckt, dass die aufgelöste Fangruppierung "Inferno Cottbus 1999" weiterhin im Stadion des FC Energie und auch in der Stadt aktiv ist. Nun spricht Präsident Werner Fahle erstmals über die Vorwürfe.

Seit zwei Jahren ist Werner Fahle schon im Präsidium vom FC Energie Cottbus aktiv, seit dem 1. Januar 2019 darf er sich Präsident nennen. In diesem Ehrenamt gehe es dem gelernten Bauingenieur um Ausgleich - das betrifft auch die Fanszene des abstiegsbedrohten Drittligisten. Recherchen des rbb hatten vor zwei Wochen aufgedeckt, dass sich ein rechtes Netzwerk unter der Führung der verbotenen Gruppierung "Inferno Cottbus 1999" im Stadion und in der Stadt etabliert hat.

Werner Fahle (Quelle: rbb)
Energie-Cottbus-Präsident Werner Fahle | Bild: rbb

Auf die Frage, was der Verein dagegen unternehme, antwortet der neue Präsident im exklusiven Interview mit dem rbb knapp mit den Worten, dass sich sein Verein klar gegen Extremismus abgegrenzt habe und für Vielfalt und Toleranz stehe: "Wir haben Fans, die ein Spiegelbild unserer Gesellschaft sind und wir sind in aller erster Linie ein Fußballverein."

Kaum Einfluss auf eigene Fans

Fahle kritisierte außerdem die Praxis des Deutschen Fußball-Bundes, eher mit Strafzahlungen statt mit Fanhilfen gewalttätige Fans bekämpfen zu wollen. "Wenn dieses Geld gerade im Fanbereich eingesetzt werden würde, dann wäre das sicher hilfreich, im Augenblick sehe ich das aber nicht", sagt Fahle. Auf einzelne Fangruppierungen habe der Verein wenig bis gar keinen Einfluss, schließlich sei man ein Fußballverein und keine politische Vereinigung.

"Wir haben einen Maßnahmenplan, den wir seit einem Jahr konzentriert abarbeiten und werden eine Stelle für Vielfalt und Toleranz einrichten", so der Energie-Präsident. Die Fördermittel dafür seien jetzt bewilligt worden. Allerdings bezweifelte er, ob "wir damit die Fans in ihrem Verhalten beeinflussen können." Zu konkreten Plänen gegen das rechte Netzwerk unter der Federführung von Inferno Cottbus äußerte sich Werner Fahle nicht. "Ich kann nicht für Verfassungsschutz, Polizei oder andere Organe sprechen."

Der Verein sah kein Problem

Vor zwei Wochen zeigte sich der Vereinsvorstand noch völlig ahnungslos. Man arbeite doch mit diversen Bildungseinrichungen und Projekten zusammen, die sich gegen Fremdenfeindlichkeit engagieren. Das Bündnis "Cottbus ist bunt" hänge sogar mit einer riesigen Fahne auf der unbesetzten Südtribüne, gleich gegenüber des Ultrablockes. Dass die einheitliche und politisch neutral wirkende Fanszene durch teilweise gewalttätige Maßnahmen mehr oder weniger erzwungen wurde, schien in der Vereinsführung bisher niemand zu bemerken.

Seit dem 10. Okotber 2018 fällt im Erscheinungsbild der Nordtribüne, also dort, wo die organisierte Cottbuser Fanszene steht, vor allem das Riesenbanner mit der Aufschrift "Betriebssportgemeinschaft Energie Cottbus seit 1966" auf. Hingen an den Zäunen sonst diverse Fahnen und Banner verschiedener Fangruppierungen, so dominiert jetzt das Einheitsbanner die Kurve. Eine sichtbare Machtdemonstration der angeblich aufgelösten rechtsextremistischen Ultra-Gruppierung "Inferno Cottbus 1999".

Rechtes Netzwerk in Cottbus und Umgebung

Um einer möglichen Strafvefolgung zuvorzukommen, hatte sich Inferno 2017 aufgelöst, doch deren Anführer ziehen weiter die Fäden und übernahmen die Macht in der Fankurve. Anonyme Quellen aus der Fanszene berichteten von Backpfeifen, Hausbesuchen und offenen Drohungen. Mittlerweile sei jeder auf Linie gebracht und jeder Widerstand eingeschüchtert.

Die Inferno-Clique bestimmt auch das Fanprofil "Fanszene Energie Cottbus" auf Facebook und pflegt enge Kontakte in die rechtsextremistische Szene in und um Cottbus. Gerade in der heimischen Kampfsportszene mischt Inferno mit und kooperiert mit dem Unternehmen "Boxing Security". Diese Sicherheitsfirma hatte in der Saison 2017/18 für mehrere Cottbus-Spiele den Ordnungsdienst gestellt. Weder Verein noch Unternehmen äußerten sich auf Anfragen, wie intensiv ihre Zusammenarbeit gewesen ist.

Aufhebung des Stadionverbotes war eine Einmaligkeit

Außerdem stellt Inferno einen von drei Fansprechern bei Energie Cottbus. Dessen Wahl drückte die Gruppierung einfach durch. Fansprecher beraten den Verein bei der Erteilung oder Aufhebung von Stadionverboten. Der Inferno-Mann soll zwar nie daran beteiligt gewesen sein, trotzdem wurde dessen Stadionverbot kurz vor dem Relegationsspiel gegen Flensburg am 27. Mai 2018 aufgehoben. "Diese einmalige Geschichte haben wir gemacht, um mal zu testen, ob man so etwas machen kann", erläuterte Präsident Fahle.

Es gäbe erneut einen Antrag auf Aufhebung eines Stadionverbotes, doch das sehe der Verein generell anders. "Die einen sagen, wir sind da viel zu hart an dieser Stelle, die anderen, wir sind viel zu weich." Werner Fahle empfiehlt jedem, in die Satzung vom FC Energie Cottbus zu schauen, denn dort stehe geschrieben, wofür der Verein stehe. Für einige "sogenannte Fans" scheint diese Satzung nicht bindend zu sein.

Sendung: Inforadio, 14.02.2019, 16:15 Uhr  

Kommentar

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11 Kommentare

  1. 11.

    Na dann lachen sie mal Christian, sei ihnen gegönnt. Gibt ja in Potsdam fußballtechnisch nicht all zu viel zu lachen.
    Das erste mal übrigens was Sachliches bezüglich des FCE im zweiten Absatz. Klar, keiner weiß wohin die Reise geht. Das Problem haben wir in Cottbus aber nicht allein gepachtet. Da geht es wohl fast jedem halbwegs höherklassig spielenden Verein im Osten so. Jede Saison ist letztlich ein Ritt auf der Rasierklinge.Leider.

  2. 10.

    Zitat: ,,als die große arrogante Potsdamer.“

    Ich schmeiß mich weg. Lach...

    Man wird sehen wie es mit dem FCE weitergeht. Abstieg und die Insolvenz, oder Klassenerhalt und bei den Kosten in Liga3 auch weiterhin eine prekäre Finanzlage.

  3. 9.

    Das rbb sollte eher mal aufdecken und erklären, wie Energie Cottbus sportlich und wirtschaftlich die 3. Liga halten könnte.
    Auch Lösungsvorschläge wären wünschenswert! Jede Woche die gleiche Sose mit Artikeln über Rechtsextreme bei Energie,
    bla, bla... Sollte Energie absteigen, freue ich mich insbesondere auf die Spielel gegen die Unschuldslämmer aus Babelsberg.

    FCE Fan aus Görlitz

  4. 8.

    Lieber eine kleine Ostdeutsche Welt die funktioniert, als die große arrogante Potsdamer. Im übrigen lass ich mir von niemandem vorschreiben wo ich zu bleiben habe!

  5. 6.

    ...er tut das richtige ; es tut mir weh; der Verein tut was in seiner Macht steht... jetzt müssen sie mir mal erklären was sie meinen. Wahrscheinlich aber haben sie den Beitrag gar nicht wirklich gelesen. Und das 03 kein linksradikales Problem hat ist ja auch ne Lüge. Bei Besuchen von Spielen in Potsdam hab ich diese sogar kennen lernen dürfen.
    Das letzte Pokalendspiel spricht diesbezüglich Bände.

  6. 5.

    Leider sehr dünn von Herrn Fahle, noch dünner und fast lächerlich, auf die "Satzung" zu verweisen, an die sich Fans halten sollen. Er verweist nur auf Papier und formalen Kram, statt aktiv zu handeln.
    Ach ja, einen Sicherheitsdienst aus dem "Milieu" zu verpflichten, ist ja aktives Handeln.
    Das, zusammen mit der immer dürftigeren sportlichen Leistung, wird nicht dazu führen, Herr Fahle, dass die gewüschten 7500 Zuschauer pro Spiel ins Stadion kommen, um schwarze Zahlen zu schreiben.....

  7. 4.

    Deutsche Sprache, schwere Sprache..

    ,,tut das“ ...lach...

    Im übrigen sind die Babelsberger Fans KEINE Linksradikalen!

    Achtung, extra für sie: Babelsberger/Potsdamer im allgemeinen sind weltoffene und tolerante Menschen.

    Ergo: erst informieren

  8. 3.

    ...dann kannst du sicher besser schlafen. Und im übrigen, Energie tut das gegen Rechtsradikale was in ihrer Macht steht. Die Babelsberger Bemühungen gegen Linksradikalismus würden mich mal brennend interessieren,@rbb!!!

  9. 2.

    Einfach so die Verantwortung abzustreiten und so zu tun als ginge Energie Neonazis auf der Tribüne nichts an... (oder jeden anderen Verein) Stadionverbote. Das muss man machen.

  10. 1.

    Wie die drei Affen...nichts sehen, nichts sagen, nichts hören.

    Aber vielleicht hat sich Energie Cottbus eh bald von selbst erledigt. Wegen den Finanzen und so... :)

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