Bequem machen zur Abfahrt: Die Hertha-Profis auf dem Golfcart. / imago/Nordphoto
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Hertha BSC hofft auf Sensation in München - Keine unnötigen Laufwege vor dem Bayern-Spiel

Die letzten vier Ligaspiele hat Hertha BSC gegen Bayern München nicht verloren. Im Hinspiel gab es gar einen 2:0-Sieg im Olympiastadion. In München jedoch gewannen die Berliner zuletzt 1977. Das soll sich ändern - mit der richtigen Balance. Von Dennis Wiese

Salomon Kalou hatte es sich bequem gemacht. Herthas ebenso treffsicherer wie betagter Stürmer hatte nach dem Training am Dienstagnachmittag auf dem wendigen Golfcart Platz genommen. Neuerdings steht das Gefährt auf Herthas Übungsplatz bereit - offenbar auch, um den Profis die dreihundert Meter Laufweg zur Kabine abzunehmen. 

Noch können sich Sturm-Senior Kalou und seine Kollegen zurücklehnen. Am Sonnabend (15.30 Uhr) wird das bei Rekordmeister Bayern München dann nicht mehr möglich sein. Dort wird Hertha BSC wieder viele Kilometer zurücklegen: "Wir müssen die Räume zumachen, damit die Bayern ihre Schnelligkeit und all ihre Fähigkeiten gar nicht erst entfalten können", sagte Trainer Dardai auf der Pressekonferenz am Donnerstag.

Mehr offensiver Mut gefordert

Mit Laufstärke und Kampf hat sich Hertha in der jüngeren Vergangenheit eine ansehnliche Bilanz gegen die Bayern erspielt. Vier Ligaspiele ohne Niederlage sind ein Bestwert. Gegen keinen anderen Bundeligisten warten die Münchener länger auf einen Sieg. "Auch wenn sie uns technisch und spielerisch überlegen sind: Wir haben immer alles an Herz und Leidenschaft reingeworfen. Wir haben gezeigt, dass wir mithalten können. Wenn wir uns spielerisch mehr zutrauen, kann eine Sensation gelingen", glaubt Rechtsverteidiger Valentino Lazaro.  

Mehr zutrauen will sich Hertha vor allen Dingen im Vergleich zum DFB-Pokal Achtelfinale vor gut zwei Wochen. Auch wenn der K.O. gegen die Bayern da erst in der Verlängerung kam. "Wir sind im Pokal nicht gut mit unserem Offensivspiel umgegangen. Mit zwanzig Prozent Ballbesitz wirst du jetzt in München keine Punkte holen", glaubt Trainer Dardai.

Umbaumaßnahmen erforderlich

Dardai wird in München personell etwas umbauen müssen. Jordan Torunarigha, zuletzt als linker Verteidiger gesetzt, fehlt mit Problemen an der Achillessehne. Nachrücker Nummer eins, WM-Fahrer Marvin Plattenhardt, ist ebenfalls verletzt. Eine Lösung des Abwehrproblems sah im Trainingsspiel wie folgt aus: Karim Rekik, Niklas Stark und Fabian Lustenberger gaben die Innenverteidiger, Maximilian Mittelstädt spielte in der linken Abwehr, Valentino Lazaro rechts. Hertha spielte schon öfter mit dieser Fünferkette, auch wenn Trainer Dardai in den zwei Duellen mit den Bayern eigentlich eine Vierer-Abwehrreihe bevorzugte.

Im Angriff fehlt Kapitän Vedad Ibisevic gelb gesperrt. Dafür steht Jungstar Arne Maier wieder im zentralen Mittelfeld zur Verfügung. "Er hat zwei Spiele gefehlt, man merkt ihm an, dass er im Zweikampfverhalten noch Defizite hat", urteilte Trainer Dardai am Donnerstag. Auf ein Startelfcomeback für Maier wollte Dardai sich noch nicht festlegen.

Wiederholt Hertha die Gladbach-Gala?

Es gab durchaus Jahre, in denen Hertha ehrfürchtiger nach München reiste. Vor allem die makellose Bilanz gegen die Top-Drei der Liga macht Mut. Hertha gewann nicht nur das Hinspiel gegen die Bayern. Bei Spitzenreiter Dortmund gab es ein starkes 2:2-Unentschieden, gegen Mönchengladbach gewann Hertha gleich beide Vergleiche. Das 3:0 in Gladbach vor zwei Wochen war der wohl stärkste Auswärtsauftritt seit Jahren. "Wir wissen, dass die Trauben in München hochhängen, aber wir reisen mit Selbstvertrauen dort hin", so Manager Michael Preetz.  

Vielleicht gelingt den Berlinern der nächste Coup. Und nach dem sicher kräfteraubenden Kampf in München ist ja auch wieder etwas Zeit für Entspannung. Das Golfcart steht in jedem Fall auf dem Trainingsplatz bereit. Um den Profis jeden unnötigen Meter Laufweg abzunehmen.

Sendung:  rbb UM6, 21.02.2019, 18 Uhr

Beitrag von Dennis Wiese

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