Trainer im Nebel: Hertha-Coach Pal Dardai. / Bild: rbb
Audio: Inforadio | Jakob Rüger | 03.02.2019 | 08:15 Uhr | Bild: rbb

Nach dem Wolfsburg-Spiel - Hertha im dichten Nebel

Es war wieder einmal die Chance für Hertha BSC, den Anschluss nach oben zu schaffen. Druck zu machen, im Kampf um die internationalen Plätze. Doch wie so oft in diesen Situationen folgte die Niederlage: Das 0:1 ließ einen nachdenklichen Trainer zurück.

Viel zu sehen war zunächst nicht am Tag nach der 0:1-Heimniederlage. Dichter Nebel hing über dem Hertha-Trainingsgelände. Der Trainer Pal Dardai war allenfalls schemenhaft zu erkennen, als er dick eingepackt mit Mütze und Handschuhen über den Rasen schlenderte und die Hütchen für die Einheit verteilte. Die Hände hielt er verschränkt auf dem Rücken, den Kopf leicht Richtung Boden gesenkt. In sich gekehrt wirkte er - ja: sichtlich nachdenklich.

Kein Schlaf bei Dardai

Es mag auch ein wenig Müdigkeit dabei gewesen sein. Denn geschlafen hatte Dardai die ganze Nacht lang nicht, das zumindest erzählte er den Journalisten. Und er erläuterte, woran das lag: "Wir schaffen einfach nicht den Schritt nach vorne, das ärgert mich", sagte er - und: "Wenn wir ehrlich sind und auf die vergangenen Jahre schauen: Wir waren mal Sechster und konnten Fünfter werden. Waren Siebter und konnten Sechster werden. Aber jedes Mal, wenn es die Chance gibt, vorne mitzuspielen, dann kriegen wir das nicht hin."

Statt seines Teams sprang Wolfsburg auf Platz sechs, während Berlin vorerst auf Platz neun abrutschte. Ins triste Mittelfeld. "Ich werde jetzt hier aber nicht verrückt sein und alles negativ reden", sagte Dardai. Immerhin sei die Mannschaft in der Schlussphase kurz davor gewesen, Tore zu machen. Allen voran Davie Selke, der kurz vor Schluss dem 1:1 ganz nahe war. "Er hat eine wunderschöne Aktion gemacht. Eine gute Entscheidung getroffen, nicht gezögert und sehr gut geschossen. Der Torwart hat einfach gut gehalten. Da muss man ihn loben."

Der Erfolg als Blockade

Doch die Frage bleibt und Dardai stellte sie sich gleich selbst - allerdings, ohne eine Antwort zu geben: "Was machen wir falsch, dass wir blockiert sind vom Erfolg?". Wenn seinem Team das Wasser bis zum Hals stehe, würde die Lage ganz anders aussehen. "Das ist meine Aufgabe und die vom Trainerstab und vom Manager, Hertha BSC die Mittel zu geben, damit wir solche Spiele gewinnen", sagte er: "Ich bin der Vorturner." Ein Vorturner für ein Team, dessen wichtigste Spieler fast allesamt noch jung sind. Auch deshalb lautet Dardais Plan: Viel mit den Profis reden, einiges probieren.

Für den Fall, dass das gelingt, entwirft der Coach ein Szenario, das jedem Fan der Berliner gefallen dürfte: "Dann kann Hertha BSC auch irgendwann regelmäßig oben mitspielen. Wenn du solche Spiele gewinnst, kannst du sagen: 'Du bist in Deutschland sicher unter den ersten Sechs.'" In naher Zukunft scheint es zumindest schwer, wieder in diese Top-Regionen vorzustoßen. Nach dem Pokal-Spiel gegen Bayern heißen die nächsten Gegner Gladbach und Bremen - ehe auch in der Liga das Spiel gegen München ansteht, dann auswärts.

"Nicht wie bei der Olympiade"

Zunächst aber richten die Berliner ihre volle Konzentration auf den Pokal-Kracher gegen die Bayern im heimischen Olympiastadion (Mittwoch, 20.30 Uhr). Auch weil es die schnelle - wenn auch schwere - Möglichkeit ist, das Wolfsburg-Spiel ganz schnell ad acta zu legen. "Das ist das Schöne an dem Job: Es ist nicht wie bei der Olympiade, wir müssen nicht vier Jahre warten. Mittwoch und danach hast du die Möglichkeit, einiges auszubügeln", sagte Dardai.

Sendung: rbb UM6, 03.02.2019, 18:00 Uhr

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Zutreffende Analyse vom Trainer! Konsequenzen???? Es gab keine Laufbereitschaft, der Vfl ist ein Drittel mehr gerannt. Unser Nationalspieler M.P. hat ordentliche Standards, ein Abwehrspieler (Kerngeschäft)wird er nie!Jordan T., der talentierteste Abwehrspieler, kann auch Spielaufbau , bleibt auf der Bank !? Und unser Valentino beginnt Flanken aus dem Halbfeld zu schlagen! Bislang ist er immer in Richtung Grundlinie marschiert! Also : AUFWACHEN HaHoHe

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