30 Jahre beim Hertha-Echo am Mikrofon: Manfred "Manne" Sangel. / rbb
Audio: Inforadio | 15.02.2019 | 16:15 Uhr | Jakob Rüger | Bild: rbb

Hertha-Echo endet nach 30 Jahren - Ein letztes Mal "bäääääärenstark"

652 Sendungen gab es in 30 Jahren Hertha-Echo. Eine kommt am Samstag noch hinzu. Dann ist Schluss beim Radio von Fans für Fans. Es ist das letzte Mal, dass Manfred Sangel on Air geht. Seine Sendung ist auch der Spiegel großer Veränderungen - nicht nur im Fußball. Von Johannes Mohren

Der 16. Februar 1989, er ist Manfred Sangel genau im Gedächtnis geblieben. "Es war mega aufregend", sagt der Mann, den eigentlich alle, die ihn kennen, nur Manne nennen. Inzwischen sind seine Haare grau geworden, an jenem Donnerstag vor drei Jahrzehnten war gerade einmal 29 Jahre alt. Früher Abend war es, als er vors Mikrofon trat - und eine Ära begann. Es war die erste Aufzeichnung des Hertha-Echos, die er im Offenen Kanal Berlin startete.

Die Gästeliste kann er noch mit einer Selbstverständlichkeit aufzählen, als sei es gestern gewesen. Horst Wolter war zu Gast, der damalige Manager des Klubs. Oder Dirk Kurtenbach, ein neuverpflichteter Stürmer, "den kennt heute auch keen Mensch mehr". Na ja, Manne natürlich ausgenommen. Nach den ersten eineinhalb Stunden auf Sendung, erzählt er, sei er ganz schön kaputt gewesen, "aber auch bereits voller Vorfreude auf die nächste."

"Kein Mensch hat sich für den Verein interessiert"

Inzwischen sind es 652 Sendungen geworden. Immer und immer wieder ertönte der Anfangsjingle mit dem markanten, langgezogenen "bäääääärenstark" - jeden zweiten Donnerstag live gesendet aus dem Studio an der Oberbaumbrücke. Eine Ausgabe kommt nun noch hinzu. Wenn das Hertha-Echo am Samstag um 11 Uhr on Air geht, ist es die Abschiedsvorstellung. Warum? Da macht's Manne ganz trocken: "Guckt mich an, ich bin älter geworden", sagt der Mann in seinem blauen T-Shirt mit dem Hertha-Schriftzug: "Die Spieler sind zwanzig, ich werde bald sechzig - das sind vierzig Jahre Unterschied."

Doch es ist mehr als das. "Podcast ist jetzt in - und wir machen Radio. Das ist zwar oldschool, aber der Aufwand doch groß", sagt der 59-Jährige. 30 Jahre sei da ein guter Zeitpunkt, um aufzuhören. Auch wenn er ahnt, dass die Wehmut groß sein wird, wenn die letzte Sendung endet. "Das wird kribbeln", sagt Manne: "Ich werde nicht nur ein Taschentuch mitnehmen, sondern eher zwei oder drei." 100, vielleicht 120 Gäste, haben sich angekündigt. "Wenn die wirklich alle kommen, ist Hertha hier. Das, was den Verein ausmacht."

Stammplatz in Block acht des Olympiastadions

Ein Verein, der sich in 30 Jahren Hertha-Echo enorm entwickelt hat. Als Manne 1987/88 die Idee hatte, die Sendung von Fans für Fans zu machen, waren es gänzlich andere Zeiten - in so mancher Hinsicht. Hertha BSC spielte in den Niederungen des Fußballs in der Oberliga. "Kein Mensch hat sich für den Verein interessiert", sagt er, "die Medien genauso wenig wie die Berliner." Manne - auch in dieser schweren Phase Herthaner durch und durch - wollte das ändern, ein Angebot rund um den Verein schaffen. "Wenn's blau-weißes Blut geben würde, würde ich blau-weißes Blut haben", sagt der Mann mit dem Stammplatz in Block acht im Olympiastadion.

Beim Offenen Kanal war er schon zuvor aktiv gewesen. Er liebte das Radio wie die Hertha. Die Kombination der beiden Leidenschaften - in gewisser Weise eine logische Konsequenz. Er schrieb eine Seite Konzept und ging damit zum Verein. "Es folgte der Klassiker", sagt er und muss schmunzeln. Denn Manager Horst Wolter - später Gast der ersten Sendung - interessierte vor allem eines: "Was kostet dit den Verein?". Als Manne antwortete: "Nüscht!", war das Hertha-Echo geboren. Seitdem zeugt das Gästebuch von unzähligen Hertha-Spielern und -Verantwortlichen, die ins Studio kamen. Zuletzt Fabian Lustenberger.

Viele Jahre, viele Anekdoten

Schöne Momente hat die Stimme des Hertha-Echos in der Zeit viele erlebt - und auch verrückte. Wenn er einmal beginnt zu erzählen, ist Manne kaum zu stoppen. Kein Wunder: Anekdoten gibt es in drei Jahrzehnten zuhauf. Die von Ex-Hertha-Stürmer Artur Wichniarek etwa, der zum Interviewtermin zu Mannes Privatadresse fuhr statt zum Radio-Studio - und vergeblich und laut hupend vor der Haustüre stand. "Ihn dann spontan zu einem Telefoninterview zu überreden, war nicht so einfach", sagt Manne lachend. Oder die Geschichte rund um die Hertha-Hymne "Nur nach Hause" von Frank Zander. Da herrschte einmal die große Suche nach dem Original-Tape. Hertha hatte es nicht, Zander hatte es nicht, aber Manne. "Er selbst hatte es mir mal gegeben", erzählt der 59-Jährige. Immer noch liegt es bei ihm zuhause. Dort ist es gut aufgehoben: ein Stück Hertha-Geschichte bei jemandem, der selbst ein wichtiger Teil von ihr ist.

Sendung: rbb24, 15.02.2019, 16 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

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