Archivbild: Werner Fahle, Präsident des FC Energie Cottbus (Quelle: imago/Steffen Beyer)
Audio: Antenne Brandenburg | 14.02.2019 | Andreas Friebel | Bild: imago/Steffen Beyer

Interview | Energie-Cottbus-Präsident Werner Fahle - "Ich bin Cottbuser mit Leib und Seele"

Der Kampf um den Klassenerhalt und gegen rechte Fangruppierungen - es sind keine leichten Aufgaben, die der neue Präsident Werner Fahle bei Energie Cottbus meistern muss. Doch der Cottbuser sieht sich in der Verantwortung, nicht nur für seinen Verein. 

rbb|24: Herr Fahle, Sie sind seit sechs Wochen Präsident des FC Energie Cottbus. Das ist eine nicht ganz einfache Aufgabe, die Sie übernommen haben – sportlich wie wirtschaftlich. Trotzdem stellen Sie sich dieser Aufgabe. Warum?

Werner Fahle: Meine Motivation war ganz einfach: Ich stelle mich der Herausforderung für den Verein und für die Fans. Der Verein steht für die Region, ich stehe auch für die Region, und das war meine Motivation, diese Aufgabe anzutreten. Sie wissen vielleicht nicht - oder viele wissen nicht -, dass das ein Ehrenamt ist. Ich mache den Präsidentenjob im Ehrenamt und ich mache das aus dieser Verantwortung heraus.

Sie waren vorher schon zwei Jahre im Präsidium des FC Energie tätig. Ihr Vorgänger Michael Wahlich war ein Kumpeltyp. Wie sind Sie selbst als Mensch einzuordnen?

Ich bin sicher auch jemand, der auf die Leute zugeht, den man anfassen und ansprechen kann. Ich wohne nicht irgendwo in einem Turm, sondern hier in Cottbus. Ich bin Cottbuser mit Leib und Seele, und jeder, der das Bedürfnis hat, mit mir zu sprechen, kann das gerne tun. Ich werde auf die Fans zugehen. Und ich nehme an, dass die Fans auch auf mich zugehen.

Die Ausgliederung des Spielbetriebs der Profi-Mannschaft ist ein Schritt, den andere Vereine schon gemacht haben, Energie Cottbus noch nicht. Warum sollten Sie dieses Thema angehen?

Das ist eine rechtliche Frage. Wir haben auf der einen Seite den eingetragenen Verein als Sportverein, auf der anderen Seite den Profibetrieb als wirtschaftlichen Betrieb. Und das sind Dinge, die rechtlich schwer zueinander zu bringen sind. Deshalb ist die Frage, den Profibereich extra zu stellen, aus dieser rechtlichen Sicht eine substanzielle. Im Augenblick sehe ich das nicht, dass wir das nun forcieren. Aber es ist ein Thema, mit dem wir uns beschäftigen. Wir haben mit Karsten Sachs einen neuen Geschäftsführer seit 1. Februar. Der muss erst einmal die Fäden in der Geschäftsstelle in die Hand bekommen. Und wenn er das geschafft hat, dann schauen wir uns dieses Thema auch nochmal an.

Energie Cottbus ist einer von wenigen Klubs, die ihre Stadien selbst betreiben. Gibt es da Gedanken, eine Art Stadion Betriebs GmbH zu gründen, um das Risiko ein bisschen aus dem Verein herauszunehmen, der sich in erster Linie um Sport kümmern soll?

Das hängt mit dem Thema, das wir gerade hatten, zusammen: den Profibereich extra zu stellen. Wenn wir das tun, überlegen wir das natürlich mit den Stadien, wir haben zwei. Das ist ein Thema, das da auch hineingehört. Von der wirtschaftlichen Situation her ändert das natürlich für den Stadionbetrieb nichts. Am Ende kosten der Unterhalt und die Erhaltung des Stadions Geld.

Ein Problem, dass Energie Cottbus schon seit Monaten oder vielleicht sogar schon Jahren beschäftigt, sind die Fangruppierungen und Teile der Fans, die der rechten Szene zuzuordnen sind. Vor 14 Tagen hatte der rbb ausführlich berichtet, dass "Inferno", die angeblich aufgelöste Gruppierung, weiter aus dem Untergrund heraus agiert und zum Teil auch gewaltbereit gegen andere Fans. Wie weit ist Energie mit der Aufarbeitung der Vorgänge? Welchen Fahrplan gibt es, um der Sache ansatzweise Herr zu werden?

Das ist ein schwieriges Thema. Wir haben Fans, die Spiegelbild unserer Gesellschaft sind. Und wir sind in allererster Linie ein Fußballverein. Wir sind von den Medien gefragt worden, was wir da tun. Wir haben uns klar abgegrenzt gegen Extremismus. Wir sind für Vielfalt und Toleranz. Dafür stehen wir. Wir sind in allen möglichen Gremien in der Stadt und in der Region, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Für uns wäre hilfreich, wenn zum Beispiel der DFB hier nochmal Position beziehen würde und uns nicht nur mit Strafen belegt für Fans oder Nicht-Fans, die in Stadien irgendetwas anstellen. Wenn das Geld gerade in diesem Bereich eingesetzt werden würde, das wäre sicher sehr hilfreich. Im Augenblick sehe ich das aber nicht.

Gab es Gespräche im Präsidium über die Gruppierung "Inferno"? Hat man da weitere Schritte auf den Weg gebracht, um nochmal irgendwie anzusetzen?

Wir stehen mit den Fans im Kontakt. Es gibt Fansprecher - von drei gewählten ist leider nur einer aktiv. Das ist unsere Ebene, wo wir auf die Fans zugehen, wo wir die Dinge besprechen. Auf einzelne Fangruppierungen haben wir wenig bis gar keinen Einfluss.

Ich würde zum Abschluss gern auf die sportliche Situation zu sprechen kommen: Energie Cottbus ist in großer Abstiegsgefahr. Wie kann man das lösen, um am Saisonende tatsächlich in der dritten Liga zu bleiben? Sie sind nicht der Trainer, aber Sie können im Rahmen Ihrer Möglichkeiten ein bisschen dazu beitragen.

Die Möglichkeit, die wir hatten, war vor allen Dingen, in der Transferperiode noch einmal nach neuen Spielern zu suchen. Das heißt, wir haben den Rahmen geschaffen, gesucht haben natürlich der Trainer und Sportdirektor. Wir haben vier Verstärkungen geholt. Wenn Sie das letzte Spiel gesehen haben, dann sind alle vier Spieler im ersten Spiel gut aufgetreten. Das Problem ist jetzt, diese neuen Spieler in die Mannschaft zu integrieren. Ich nehme an, das gelingt - das muss auch gelingen. Und selbst wenn es gelingt, dann wird es knapp am Jahresende - aber es sollte und es muss gelingen.

Und wenn es nicht klappt: Hat Cottbus noch einmal die Kraft, dann wieder zurückzukehren aus der Regionalliga? Und auch die wirtschaftlichen Voraussetzungen?

Das Saisonziel ist der Klassenerhalt. Über alles andere reden wir dann, wenn es so weit ist. Wir werden uns da sicher Gedanken machen, aber es ist jetzt nicht der Zeitpunkt, darüber zu philosophieren.

Herr Fahle, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Gespräch führte Andreas Friebel. Dieser Text ist eine gekürzte und redigierte Fassung. Das komplette Interview können Sie oben im Beitrag hören, wenn sie auf das Bild klicken.

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