Union-Torwart Rafael Gikiewicz jubelt (Quelle: imago/Bernd König)
Bild: imago/Bernd König

Union Berlin empfängt den SV Sandhausen - Auf zur Ekelprüfung

Ein Sieg, eine Niederlage - die Ausbeute des 1. FC Union aus den Spitzenspielen gegen Köln und St. Pauli ist punktemäßig okay, vom Auftreten her sogar mehr als das. Mit dem SV Sandhausen aber kommt am Samstag ein Gegner der Marke 'ziemlich fies'. Von Stephanie Baczyk

Spektakel und Emotionen beim Fußball sind etwas Feines. Der gemeine Fan auf der Tribüne im Stadion oder vor dem Fernseher hat diesen angestrengten Gesichtsausdruck, tippelt von einem Fuß auf den anderen und wiegt den Körper im Takt des Spiels hin und her, ohne es zu merken - bei jedem halbwegs gefährlichen Pass auf dem Platz. Und das solange, bis ein Tor fällt, bis das Adrenalin rauscht.

Die Anhänger des 1. FC Union sind es mittlerweile gewohnt, erst spät in einem Spiel ihren Kick zu bekommen. Wie am Montag in der Partie beim FC St. Pauli, als die Eisernen innerhalb von zwei Minuten kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit zwei Tore erzielten, danach sogar noch eins nachlegen wollten - nur, um in der vierten Minute der Nachspielzeit doch noch das 2:3 per Foulelfmeter zu kassieren.

Das Hinspiel? "Eines unserer schwächeren Spiele."

Urs Fischer muss lachen. "Leider geht das im Fußball nicht", sagt der Trainer des 1. FC Union auf die Frage, ob er nicht von Zeit zu Zeit mit ein bisschen weniger Spektakel in der Schlussphase glücklicher wäre. "Am Schluss ist wichtig, dass du als Sieger vom Platz gehst." Gegen St. Pauli mussten sich die Köpenicker in einem temporeichen, spannenden Spiel knapp geschlagen geben - gegen Sandhausen soll es am Samstag (13 Uhr) anders laufen. Nur, Unions Coach hat nicht die besten Erinnerungen an das torlose Remis aus dem September 2018.

"Das war sicherlich eines unserer schwächeren Spiele, wo wir unheimlich Mühe hatten, ins Spiel zu kommen", weiß Fischer. "Es wird eklig." Sandhausen ist Tabellensechzehnter, kämpft gegen den Abstieg. Aus Sicht von SVS-Trainer Uwe Koschinat "muss es eklig sein, gegen uns zu spielen." Die Baden-Württemberger haben in der Winterpause mit Ex-HSV-Profi Dennis Diekmeier zudem einen bundesligaerfahrenen Mann für die rechte Abwehrseite verpflichtet - der 29-Jährige war sowohl beim 1:2 gegen Hamburg, als auch beim 3:0-Erfolg über den VfL Bochum gesetzt.

Wer ersetzt Manuel Schmiedebach?

"Die Jungs werden laufen, beißen, kämpfen", glaubt Urs Fischer. "Das gilt es anzunehmen. Und dann müssen wir immer wieder versuchen, spielerische Lösungen zu finden - gegen einen Gegner, der sehr organisiert auf dem Feld steht, kaum Räume zulässt." Der Österreicher Robert Zulj wäre einer für die kreativen Ansätze, aber auch Felix Kroos, der gegen den 1. FC Köln und in Hamburg jeweils eine starke Partie gezeigt hat.

Fakt ist: Mit Manuel Schmiedebach ist ein wichtiger Mann im defensiven Mittelfeld der Eisernen gelbgesperrt. Für ihn könnte Michael Parensen in die Startelf rücken, "auch Nicolai Rapp ist noch eine Möglichkeit", so Fischer. Rapp, im Winter vom FC Erzgebirge Aue nach Köpenick gewechselt, wartet noch auf sein Pflichtspieldebüt im Dress des 1. FC Union. Im Testspiel gegen Basel hatte sich der 22-Jährige am Fuß verletzt, war gegen St. Pauli zum ersten Mal im Aufgebot.

Polter und die mentale Stärke

Einer, der definitv länger ausfallen wird, ist Fünf-Tore-Stürmer Sebastian Polter. "Leider muss die Maschine noch einmal gewartet werden", postete der Publikumsliebling Anfang der Woche auf seinem Instagram-Account. Die Verletzung am Mittelfuß: Gerade deshalb bitter, weil Polter nach seinem Achillessehnenriss zu Beginn des Jahres 2018 sechs Monate pausieren musste - und jetzt wieder Geduld haben muss.

Urs Fischer weiß um die mentale Stärke seines Angreifers, macht sich gerade deshalb keine Sorgen. "Er bekommt unsere Unterstützung", so der Coach. "Ich glaube aber nicht, dass wir ihm da wirklich groß helfen müssen. Er nimmt das Ganze positiv, das ist mein Eindruck. Er hat das akzeptiert und hat im Kopf, so schnell wie möglich wieder auf's Feld zu kommen - die richtige Einstellung." Wielange Polter wirklich ausfällt, müsse man sehen.

Fischers Zwischenfazit: Läuft!

Die 'Ekelprüfung' gegen Sandhausen müssen andere bestehen - und nach dem, was Urs Fischer in den ersten beiden Partien des Pflichtspieljahres 2019 beobachtet hat, sieht er sein Team in einer guten Verfassung. "Ich bin zufrieden", sagt der 52-Jährige mit einem Lächeln und ein wenig Stolz in der Stimme. "Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie bereit ist für die Rückrunde - vom Physischen wie auch vom Spielerischen." 

Sendung: rbbum6, 07.02.2019, 18 Uhr

Beitrag von Stephanie Baczyk

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