Die Spieler von Union Berlin feiern den Sieg gegen Köln (Quelle: imago/Contrast)
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Union Berlin vor der Partie beim FC St. Pauli - Von Flutlichtromantik und Personalsorgen

Den wichtigen und hart erkämpften 2:0-Erfolg gegen Aufstiegskandidat Köln im Hinterkopf, steht am Montag für den 1. FC Union gleich das nächste Spitzenduell an. Auf St. Pauli muss Trainer Fischer allerdings auf gleich drei Stammspieler verzichten. Von Stephanie Baczyk

Manchmal, wenn etwas total Verrücktes, Unerwartetes passiert, muss man lachen. Urs Fischer lachte nicht, jedenfalls nicht direkt. Als Unions Marcel Hartel am Donnerstagabend im Sechzehner des 1. FC Köln abhob und den Ball 25 Sekunden nach Anpfiff per Fallrückzieher artistisch über Kölns Keeper Timo Horn hinweg im Tor versenkte, war der Trainer des 1. FC Union einfach nur perplex. Erst schaute er ungläubig, dann entglitt ihm ein aufrichtiges "Boah". Irgendwo zwischen Begeisterung und Verblüffung.

Zwei Tage später ist Fischer immer noch stolz. Auf das 2:0 seiner Mannschaft gegen den Effzeh, auf eine geschlossene Mannschaftsleistung - und auf Hartel. "Ich muss schon sagen, das Tor von Cello", fängt er an, "also besser kannst du das eigentlich nicht machen. Vom Ablauf, vom Timing her. Es hat mich für ihn einfach unglaublich gefreut, weil er sich das schon seit mehreren Spielen erarbeitet hat." Der Sieg gegen die aufstiegsfavorisierten Kölner, das merkt man, hat gut getan. Aber er hat auch einige Stammspieler gekostet.

Ohne Trimmel, Reichel und Polter

Mit Kapitän Christopher Trimmel und Ken Reichel fehlen die beiden etatmäßigen Außenverteidiger - Trimmel hat seine fünfte gelbe Karte gesehen, Reichel ist mit Gelb-Rot vom Platz geflogen. Dazu kommt: Stürmer Sebastian Polter, der gegen Köln kurz vor der Pause verletzt raus musste, reist nicht mit nach Hamburg, muss für das Spitzenduell beim FC St. Pauli passen. "Mit Ausfällen musst du immer rechnen", so Fischer. "Ich glaube, unser Kader ist groß genug, um solche Ausfälle auch zu kompensieren. Und ich bin überzeugt, dass Christopher Lenz und Julian Ryerson auf ihren Einsatz brennen."

Dass sich die in der Konstellation zusammengestellte Viererkette gegen Pauli schwer tun könnte, glaubt Florian Hübner nicht. Aber er will zusammen mit Marvin Friedrich in der Innenverteidigung Verantwortung übernehmen, Lenz und Ryerson unterstützen. "Wenn wir wieder als Mannschaft auftreten, kann das was Gutes werden", so der 27-Jährige. "Wir müssen in jedes Spiel reingehen wie in das gegen Köln. Fighten über 90 Minuten." Von der Bank aus helfen kann Neuzugang Nicolai Rapp, er hat seine Fußverletzung auskuriert.

Mehr Ballbesitz erwünscht

Der FC St. Pauli hat genau wie Union 34 Zähler auf dem Konto, ist eines der Teams, die in dieser Saison gute Chancen auf den Aufstieg haben. In der Winterpause ist dem Klub ein emotionaler Transfercoup gelungen - die Hamburger haben den Ex-Frankfurter und einstigen Paulianer Alex Meier, von den Fans liebevoll 'Fußballgott' genannt, verpflichtet. Beim 1:2 gegen Darmstadt hat Meier sein Debüt gegeben, wurde sechs Minuten vor dem Ende eingewechselt. Trainer Markus Kauczinski will ihn erst einmal "fit kriegen".

Die Truppe vom Millerntor kommt, ähnlich wie Union über eine geschlossene Mannschaftsleistung. "Es wird Phasen geben, in denen St. Pauli drücken wird", so Urs Fischer. "Dann musst du auch mal versuchen, den Ball in den eigenen Reihen zu halten. Das gibt dir Luft, da kannst du dich erholen." Der 52-Jährige hatte den mangelnden Ballbesitz gegen Köln moniert. "Aber es war wichtig für die Mannschaft", sagt Fischer. "Dass, wenn du Köln zuhause schlagen kannst, dass du auch mit einem gewissen Selbstvertrauen ins nächste Spiel gehen kannst."

Fischer und die Flutlichtromantik

Dass die nächste Partie nicht nur aufgrund der tabellarischen Situation eine besondere ist, dessen ist sich der Schweizer bewusst. "Ich habe die Bundesliga schon verfolgt, da war St. Pauli noch im Oberhaus, noch im alten Stadion", sagt Fischer und lacht. Und dann gerät der Trainer des 1. FC Union ins Schwärmen. "Für uns, abends um halb neun, die optimale Fußballzeit", so der Coach. "Flutlicht, was willst du mehr? Das war immer für mich das Größte, wenn ich am Abend spielen konnte bei Flutlicht." Fehlt nur noch das passende Ergebnis aus Berliner Sicht.

Sendung:  rbb Inforadio, 03.02.2019, 08:15 Uhr

Beitrag von Stephanie Baczyk

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