Wohin geht die Reise? Union vor dem Auswärtsspiel in Duisburg. / imago/Jan Huebner
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Union Berlin vor Spiel in Duisburg - Auswärts! Aufwärts?

Zuhause ist der 1. FC Union stark wie kein anderes Team in der zweiten Liga, auf fremden Plätzen allerdings stottert der Motor. Vor dem Tabellenletzten, dem MSV Duisburg, ist die Mannschaft gewarnt - und setzt auf Mentalität. Von Stephanie Baczyk

Wirklich alt fühlt sich Ken Reichel ja nicht. "Also nicht wie ein 32-Jähriger in dieser Mannschaft", sagt der Linksverteidiger des 1. FC Union, lacht und schiebt ein: "Wir sind eine lockere Truppe, da spielt das Alter keine Rolle" hinterher. Dass der Abwehrspieler mit den hellbraunen Haaren einer der erfahrensten Profis im Kader ist - unumstritten. Beim 2:0-Erfolg gegen den SV Sandhausen hat Reichel sein 200. Zweitligaspiel gemacht, er kennt die Liga und ihre Spleens wie einen alten Kumpel. Und er weiß, was es braucht, um ganz oben mitzuspielen.

Nur zehn Punkte auf fremden Plätzen

2013 hat der gebürtige Berliner den Bundesliga-Aufstieg mit Eintracht Braunschweig gepackt, 2017 ist er mit den Niedersachsen in der Relegation nur knapp am VfL Wolfsburg gescheitert. Und mit Union? Ist aus seiner Sicht in dieser Saison einiges möglich. "Man sieht, dass die Mentalität stimmt", so Reichel selbstbewusst. "Wir geben uns nie auf, haben viele Spiele in den letzten Minuten gedreht." Beim 2:3 gegen den FC St. Pauli beispielsweise, da lagen die Köpenicker mit 0:2 hinten und haben innerhalb von zwei Minuten kurz vor Ende der regulären Spielzeit zwei Tore erzielt (um dann in der Nachspielzeit allerdings doch noch zu verlieren). Buden für's Selbstbewusstsein. Das Problem sind allerdings die fehlenden Punkte.

Auf fremden Plätzen tut sich das Team von Trainer Urs Fischer schwer. Während die "Eisernen" im Stadion An der Alten Försterei in schöner Regelmäßigkeit die Gegner rasieren, hat man auswärts gerade mal zehn Punkte geholt. "Da sehen die Mannschaften, dass wir nicht so eine gute Bilanz haben und treten halt selbstbewusster auf", sagt Ken Reichel. "Leidenschaft und Einsatz stimmen bei uns. Jetzt müssen wir noch dazu kommen, über die 90 Minuten dann wirklich auch dominant aufzutreten und keine Schwächephasen in unserem Spiel zu haben." 

In Braunschweiger Tagen: Torsten Lieberknecht und Ken Reichel. / imago/ZinkZu Braunschweiger Zeiten: Ken Reichel und Torsten Lieberknecht

Ken Reichel und das Wiedersehen mit Torsten Lieberknecht

Mit dem MSV Duisburg wartet am Samstag (13.00 Uhr) ein unangenehmer Gegner. Die Zebras sind Tabellenletzter, aktuell das heimschwächste Team der Liga - und sie sorgen mit diesen Fakten dafür, dass bei Urs Fischer die Alarmlämpchen angehen. "Es bedarf einer sehr guten Leistung, um Punkte mitzunehmen", so der Schweizer. "Wenn ich die letzten Spiele im Kopf habe von Duisburg - das ist Warnung genug." Im Heimspiel gegen Darmstadt 98 rettete der MSV ein 3:2 über die Zeit, mit Blick auf den Duisburger Auftritt im Pokal-Achtelfinale gegen Paderborn lobt Fischer "die spielerischen Lösungen" des kommenden Gegners.

Für Ken Reichel wird der Trip nach Duisburg zudem emotional, ein Wiedersehen. Er trifft zum ersten Mal als Spieler auf Torsten Lieberknecht, den Mann, unter dem er zehn Jahre lang in Braunschweig kickte. Mit dem er ausgelassen den Aufstieg in die Bundesliga feierte - und mit dem er im Mai 2018 auf dem grünen Rasen im Kieler Stadion weinte, als die Niedersachsen am letzten Spieltag der Saison nach einem 2:6 bei Holstein den Gang in die dritte Liga antreten mussten. 

Mit Schmiedebach nach Duisburg

Die Vergangenheit ist am Samstag in Duisburg aber kein Thema. "Ich bin da guter Dinge, dass wir wieder eine Serie starten können", sagt Reichel mit einem Grinsen, angesprochen auf die Stärken des 1. FC Union im Vergleich zu Holstein Kiel oder zum FC St. Pauli, den anderen Anwärtern auf Relegationsrang drei. "Wir stecken nie auf, geben immer Vollgas und werfen mannschaftlich geschlossen alles rein."

Trainer Urs Fischer hat den Plan, gegen den MSV "mit spielerischen Lösungen Torchancen zu erarbeiten". Personell hat er bei der Umsetzung die Qual der Wahl. Stürmer Sebastian Polter ist nach seiner Verletzung am Mittelfuß weiter keine Option, dafür kehrt der zuletzt gelbsperrte Manuel Schmiedebach in den Kader zurück. Er dürfte auch wieder in die Startelf rücken. Dort ist Ken Reichel, der Oldie, gesetzt.

Sendung: rbbUM6, 14.02.2019, 18.00 Uhr

Beitrag von Stephanie Baczyk

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