Michaela Geißler bei einem Wurf (Quelle: rbb)
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Video: rbb UM6 | 12.02.2019 | 18 Uhr | Martin Zimmermann | Bild: rbb

Berlinerin mit Handicap fährt zu Special Olympics - Zum Bowling nach Abu Dhabi

Einfach nur dabei sein? Das reicht Bowlerin Michaela Geißler nicht. Die gehandicapte Berlinerin fährt mit großen Ambitionen zu den Special Olympics nach Abu Dhabi. Und 2023 könnte ihre Anreise deutlich kürzer sein.

Michaela Geißler ist stolz auf sich. Die junge Frau mit den dunkelblonden Haaren und der schwarzen Brille steigt auf das Siegerpodest und jubelt. Gerade hat sie mit ihrer Mannschaft ein Bowlingturnier gewonnen. Das Besondere: Es ist ein inklusives Team, bestehend aus Profibowlern und Menschen mit Handicap.

Als Vorbereitung auf die Special Olympics vom 14. bis 21. März in Abu Dhabi, bei der geistig und mehrfach Behinderte antreten, haben die Sportler gemeinsam trainiert - und konnten sich viel voneinander abschauen. "Die Erfahrung, wie sie spielen", sagt Michaela Geißler, "das ist sehr interessant."

"Es geht schon um den Sieg"

Sie selbst hat den Sport 2007 für sich entdeckt. In der Behindertenwerkstatt, in der sie arbeitet, hat sich aus dem Hobby eine Leidenschaft entwickelt. Mittlerweile trainiert die Berlinerin zwei Mal pro Woche - und reist mit hohen Erwartungen nach Abu Dhabi. "Es geht schon um den Sieg", sagt sie und lächelt dabei.

Dass sie sich durchsetzen kann, hat die Bowlerin bereits bewiesen: im Leben und im Sport. Bei ihrer Arbeit in einer Wäscherei hat sie einen gewöhnlichen Arbeitsvertrag - wie ihre nichtbehinderten Kollegen. Und auch sportlich überzeugt sie durch gute Leistungen. Bei einem Qualifikationswettkampf in Kiel setzte sie sich gegen 150 andere Sportler durch und steht jetzt im zehnköpfigen Aufgebot für die Special Olympics.

"Keine Schwierigkeiten, aufeinander zuzugehen"

Auch Bowlerin Sandra Matz, die sowohl in der Bundesliga als auch in der Nationalmannschaft aktiv ist, zeigte sich beeindruckt von ihrer Begegnung mit Michaela und den anderen Sportlern. "Sie sind sehr aufgeschlossen und es gab überhaupt keine Schwierigkeiten, aufeinander zuzugehen", erzählte die mehrfache deutsche Meisterin.

Bowlerin Michaela Geißler (Quelle: rbb)Bowling ist ihre Leidenschaft: Michaela Geißler.

Special Olympics 2023 in Berlin - Abu Dhabi als Vorbild

Ein noch besseres Miteinander zwischen Menschen mit und ohne Handicap - darauf hofft auch Sven Albrecht. Der Bundesgeschäftsführer von Special Olympics Deutschland e.V. sieht Abu Dhabi in einer Vorbildrolle. "Sie haben es schon geschafft, dass das Thema Behinderung überhaupt in die Gesellschaft gebracht worden ist und eine große öffentliche Wahrnehmung entstanden ist", erklärt er. "Das ist auch das, was wir uns für Berlin 2023 erhoffen." Dann nämlich finden die Special Olympics in der Bundeshauptstadt statt.

Über 7.000 Athletinnen und Athleten aus 180 Nationen werden erwartet, die Organisation für das weltweit größte inklusive Sportevent für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung läuft bereits. In vier Jahren wäre auch Michaela Geißler gerne wieder dabei. Doch vor ihrem Heimspiel freut sie sich erstmal auf die Wettkämpfe in Abu Dhabi - und vielleicht kann sie auch dort wieder jubeln.

Die Geschichte der Special Olympics

1968 wurde die weltweit größte Bewegung für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung von John F. Kennedys Schwester Eunice Kennedy-Shriver gegründet. Die Schwester der beiden, Rosemary Kennedy, war nach einer Operation behindert.

Seit 1975 finden die Weltspiele im Zweijahresabstand in der Sommer- und Wintervariante statt.

Sie unterscheiden sich von den Paralympics dadurch, dass bei diesen auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen an den Start gehen.

Die letzten Sommerspiele lockten 2015 6.500 Athleten nach Los Angeles/USA. Die nächste Auflage findet 2019 in Abu Dhabi statt.

Mehr als 25.000 Sportlerinnen und Sportler sind in Deutschland registriert. Weltweit ist Special Olympics mit mehr als fünf Millionen Atheleten in 174 Ländern vertreten.

Sendung: rbb UM6, 13.02.2019, 18 Uhr

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