Andreas Petersen, sportlicher Leiter Halberstadt (Quelle: imago/Beyer)
Video: rbb UM6 | 11.02.2019 | Alexander Küpper | Bild: imago/Beyer

Partie zwischen Babelsberg und Halberstadt im Fokus - Weitere Manipulationsvorwürfe in der Regionalliga

Die Manipulationsvorwürfe rund um die Regionalliga-Partie zwischen Babelsberg und Halberstadt ziehen größere Kreise. Es laufen strafrechtliche Ermittlungen - und Recherchen rücken einen deutsch-chinesischen Vermarkter in den Fokus.

Der Verdacht besteht bereits seit Anfang Dezember - nun weitet sich der Fall aus: Nach den Manipulationsvorwürfen rund um die Regionalliga-Partie zwischen dem SV Babelsberg und Germania Halberstadt laufen mittlerweile strafrechtliche Ermittlungen. Es gibt aber auch Hinweise, dass die Partie nur ein Teil einer größer angelegten Serie von Manipulationsversuchen in der Regionalliga Nordost gewesen sein könnte.

Man führe ein Verfahren wegen des Verdachts auf Manipulation berufssportlicher Wettbewerbe, bestätigte Oberstaatsanwalt Frank Winter am Montag der Deutschen Presse-Agentur mit Verweis auf die Babelsberger Partie. Gegen wen sich der Verdacht konkret richtet, wollte er unter Verweis auf das laufende Verfahren nicht sagen.

"Hinreichender Tatverdacht"

Er habe bei seinen Kollegen der Staatsanwaltschaft Magdeburg beantragt, die Ermittlungen an sie abgeben zu können, sagte Winter weiter. Die Magdeburger Behörde teilte am Montag mit, dass derzeit geprüft werde, ob eine Zuständigkeit bestehe. Zunächst hatte die "Magdeburger Volksstimme" berichtet. Bisher waren lediglich Ermittlungen durch den für die Liga zuständigen Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) bekannt. Diese waren unmittelbar nach dem Spiel gegen den sportlichen Leiter von Germania Halberstadt, Andreas Petersen, eingeleitet worden. Der 58-Jährige ist Vater des deutschen Nationalspielers Nils Petersen vom SC Freiburg.

In dem Sportgerichtsverfahren gab es nach Bericht der Deutschen Presse-Agentur Anfang Februar auch bereits eine erste Verhandlung. Die Beweisaufnahme und die Verhandlung sollen fortgesetzt werden. Ein Termin steht noch nicht fest. "Vorermittlungen ergaben den hinreichenden Tatverdacht auf eine mögliche Einflussnahme auf das Spielergebnis", sagte NOVF-Geschäftsführer Holger Fuchs. Es geht um unsportliches Verhalten, da die Rechts- und Verfahrensordnung des NOFV Spielmanipulationen und versuchte Einflussnahme als solches strafbares Vergehen einordnet (Paragraf 2, Ziffer 3).

Petersen: "An den Haaren herbeigezogen"

Andreas Petersen soll vor dem Ligaspiel in Babelsberg Ende November 2018 zwei Spieler des Gegners mit der Absicht kontaktiert haben, "ihr Engagement zurückzunehmen", wie NOFV-Präsident Rainer Milkoreit es bezeichnet hatte. Babelsberg meldete den Vorfall dem Verband, der umgehend Ermittlungen aufnahm. Petersen hatte nicht bestritten, mit den Spielern Kontakt aufgenommen zu haben, die eine Halberstädter Vergangenheit haben. Die Manipulations-Vorwürfe hatte er jedoch scharf zurückgewiesen. Gegenüber den "Potsdamer Neusten Nachrichten" hatte er sie als "Riesen-Blödsinn und an den Haaren herbeigezogen" bezeichnet. Er sprach stattdessen von einem "Jux".

Wenig später hatte er den Vorwurf der Spielmanipulation gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) erneut heftig zurückgewiesen und Konsequenzen angekündigt: "Ich war 31 Jahre im Fußballgeschäft sauber und werde immer sauber bleiben. Ich werde mit einem Anwalt gegen die Schmutzkampagne des SV Babelsberg vorgehen." Babelsberg wiederum hatte an seinem Vorwurf festgehalten.

Im Fokus: ein deutsch-chinesischer Vermarkter

Nun stellt sich heraus, dass das Spiel der Halberstädter in Babelsberg womöglich nur ein kleiner Teil eines Manipulationsversuchs im großen Stil sein könnte: Ein deutsch-chinesischer Sport-Vermarkter mit Dependance in Wernigerode soll nach Recherchen der "Volksstimme" ebenfalls im November 2018 den Versuch unternommen haben, den Regionalliga-Spitzenreiter Chemnitzer FC für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Demnach sollten dauerhaft Spiele manipuliert und Spieler bestochen werden.

Laut Berichten der Bild-Zeitung wurden vom Vermarkter Prämien von bis zu 60.000 Euro in bar pro gewonnenem Spiel in Aussicht gestellt. Das Pikante: Der Vermarkter kooperiert laut "Volksstimme" offiziell mit Halberstadt - seit dem 30. November 2018. Genau dem Tag also, an dem auch das Spiel zwischen Babelsberg und Halberstadt stattfand.

Chemnitz meldete den Fall dem NOFV sowie die Staatsanwaltschaft in Chemnitz. Laut "Volksstimme" sollen weitere Regionalliga-Vereine angesprochen worden sein. NOFV-Geschäftsführer Holger Fuchs sagte dem MDR: "Wir haben Kenntnis, dass eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Chemnitz eingegangen ist. Und auch Babelsberg ist an uns herangetreten. Von weiteren Vereinen ist mir nichts bekannt." Er betonte aber gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, es gebe derzeit seitens des NOFV keinen hinreichenden Tatverdacht auf weitere versuchte Spielmanipulationen. Der Deutsche Fußball-Bund wollte sich nicht äußern. Stattdessen verwies er in der Angelegenheit am Wochenende auf die Zuständigkeit des NOFV.

Auch der Sportvermarkter sowie Petersens Anwalt Horst Kletke wollten sich zu den neuen Vorwürfen bislang nicht äußern.

Sendung:  rbbUM6, 09.02.2019, 18 Uhr

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Kann man diesen deutsch-chinesischer Sport-Vermarkter eine Geldstrafe aufbrummen? Wird man die irgendwie wieder los?

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