In Aktion: Eisspeedway-Serienmeister Max Niedermaier. / imago/Camera 4
Mittagsmagazin | 01.03.19 | 13:00 Uhr | Philipp Büchner | Bild: imago/Camera 4

46. Eisspeedway in Berlin - "Manchmal denke ich: Warum mache ich das?"

Max Niedermaier ist deutscher Serienmeister im Eisspeedway. Bis Sonntag wird der Bayer - im normalen Leben Landwirt bei München - wieder für seinen Berliner Verein mit dem Motorrad über das Eis jagen. In Schräglage und mit bis zu 140 Sachen.

Eisspeedway-Fahrer brauchen viel Sitzfleisch. Seit Mitte Dezember läuft die aktuelle Weltcup-Saison, und zu den Wettkämpfen in der ganzen Welt reisen die Fahrer mit dem eigenen Transporter an: "Wir saßen seit Dezember schon 20.000 Kilometer im Auto", sagt Max Niedermaier, Deutscher Eisspeedway-Meister der vergangenen beiden Jahre.

Schweden, Finnland, Kasachstan, Russland - der Mann kommt rum, vor allem dort, wo es Eis gibt. Trotzdem ist Eisspeedway fahren nicht sein Hauptberuf. Eigentlich ist Niedermeier Landwirt in der Nähe von München, ein handfester Typ und das muss er auch oft sein auf seinen Touren. Bei einem der letzten Roadtrips ist er mit seinem Transporter und den Motorrädern im Anhänger liegengeblieben. Ein Teamkollege hat Niedermaier eingesammelt - bis sie wieder liegengeblieben sind. "Zum Glück ist uns das kurz hinter München passiert und nicht irgendwo in der Pampa in Osteuropa."

Keine Motorräder von der Stange

Improvisationstalent ist wichtig für die Fahrer in diesem Sport. Denn ihre Rennmaschinen kann man nicht an jeder Ecke kaufen, da müssen sie schon einiges selbst zusammenschrauben. Damit sich die Motorräder auf dem Eis halten, sind an den Rädern knapp drei Zentimeter lange Nägel befestigt - 120 am Vorderrad und bis zu 130 am Hinterrad. Auch die Verkleidung der Motorräder ist oft Marke Eigenbau - insgesamt 10.000 Euro kann so eine Maschine dann kosten. Was die selbstgebauten Motorräder gemeinsam haben: Sie besitzen keine Bremsen.

Plump gesagt gibt es in einem Speedway-Rennen nur die Auswahl zwischen schnell und schneller. Mit bis zu 140 km/h geht es über die ovale Eisbahn. "Das ist halt der Kick, den ich möchte", sagt Stefan Pletschacher, auch ein deutscher Speedway-Fahrer aus Bayern. "Der eine macht Fallschirmspringen, das würde ich nicht machen. Aber ich setze mich eben auf ein Motorrad ohne Bremsen." Max Niedermaier nennt es nur "Nervenkitzel", aber er gibt auch zu: "Manchmal denke ich, warum mache ich das?" Pletschacher und Niedermaier sind Exoten. Nur zwölf deutsche Eisspeedway-Fahrer gibt es derzeit. Zu wenig um den Sport systematisch voranzutreiben, auch deshalb kostet Eisspeedway so viel Geld für die Fahrer. 

Als Junge fuhr Niedermaier auf Seen

In Berlin und Brandenburg gibt es zum Beispiel kaum eine Chance Eisspeedway regelmäßig zu trainieren. Nur einmal im Jahr, wenn die Eisbahn in Berlin-Wilmersdorf ihre Schlittschuh-Saison beendet hat, wird eine 400 Meter Bahn präpariert. Ansonsten sind Eisspeedway-Fahrer auf die Natur angewiesen. Minus 20 Grad, ein dick gefrorener See, auf so etwas ließe sich trainieren, aber das gibt es eben öfter in Russland oder Skandinavien, als in Deutschland. 

Max Niedermaier ist mit diesen Problemen aufgewachsen, sein Vater Max Niedermaier Senior war ebenfalls Eisspeedway-Fahrer, ein sehr erfolgreicher sogar: 1983 gewann er die Teamweltmeisterschaft. Damals war Eisspeedway in Deutschland noch ein bisschen größer als heute, schließlich gab es auch die gefrorenen Seen noch ein bisschen öfter. Max Niedermaier (der Junior) erinnert sich an seine erste Speedway-Erfahrung: "Das war bei uns in Bayern auf einem kleinen See. Eine richtig dicke Eisschicht und darunter konnte ich Fische sehen, das vergesse ich nie", berichtet der heute 30-Jährige. 

Der Deutsche Meister Markus Jell. Bild: ThorstenHorn
Der neue Deutsche Meister: Markus JellBild: ThorstenHorn

Am Wochenende geht es um Weltmeisterschaftspunkte

Auch Max Niedermaier junior ist für deutsche Verhältnisse erfolgreich im Speedway. Im vergangenen Jahr gewann er bei den deutschen Meisterschaften. Die Titelverteidigung am Donnerstag in Berlin gelang ihm aber nicht, nur Vierter wurde er. Stattdessen gewann Markus Jell, auch er kommt aus Bayern.

In Deutschland ist der Freistaat die Eisspeedway-Hochburg, mit dem internationalen Eisspeedway-Mekka Russland kann Bayern aber lange nicht mithalten. Über 1.000 Fahrer gibt es in Russland, dort können viele fast ganzjährig trainieren. Und so sind die russischen Fahrer bei den Weltmeisterschaftsrennen an diesem Wochenende auf der Wilmersdorfer Eisbahn die Favoriten. 

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