Marco Baldi zufrieden auf der Bank. Bild: imago/Nordphoto
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Interview | Alba-Manager Baldi spricht über das Eurocup-Finale - Talentschmiede mit Titelambitionen

Alba Berlin hat es geschafft: Zum ersten Mal seit neun Jahren stehen die Albatrosse in einem europäischen Finale. Manager Marco Baldi spricht im Interview mit rbb|24 über die Entwicklung der Mannschaft und das Finale gegen Valencia.

rbb|24: Herr Baldi, Glückwunsch zum Einzug ins Eurocup-Finale. Und zu einem Sieg in Andorra, das war bisher noch keinem Team in dieser Eurocup-Saison gelungen. Wie hat Ihre Mannschaft das geschafft?

Marco Baldi: Wir wussten, wer ins Finale kommen will muss sein Bestes im entscheidenden Moment abrufen, und dazu waren wir in der Lage. Da geht es vor allem um mentale Stärke, dass man sich durch nichts durcheinander bringen lässt und nie den Kopf verliert. Wir haben gesehen: Wir kommen weiter, die Niederlagen, die man manchmal einsteckt, und die auch sehr, sehr weh tun, haben dann eben auch ihren Sinn, wenn man daraus lernt.

Hat es eine Rolle gespielt, dass Alba mit dem Pokalfinale gegen Bamberg in dieser Saison schon in einem Alles-oder-nichts Spiel gestanden hat?

Wenn man das dann einmal durchlebt hat, dann hat man wahrscheinlich einfach eine andere Ruhe. Man wird dann nicht so schnell nervös, hält den Kopf oben und ändert den Spielstil nicht, wenn es mal ein paar schlechte Situationen gibt. All diese Dinge sind wichtig. Erfahrene Spieler, die seit Jahren auf Spitzenniveau spielen, kennen das eher. Wofür das am Ende reicht, werden wir sehen, jetzt sind wir aber erstmal im zweiten Finale der Saison, mehr können wir nicht machen.

Was bedeutet dieser Finaleinzug für Alba Berlin und für den deutschen Basketball?

Sehr viel! Mich freut es wahnsinnig, weil wir nicht vergessen dürfen, dass wir nicht nur in der Bundesliga, sondern auch im Eurocup das jüngste Team haben. Es ist sehr ungewöhnlich, dass ein Verein, der sich zwar auch in der Spitze sieht und Spiele gewinnen möchte, sich aber auch der Entwicklung von Spielern verschrieben hat, diese Ergebnisse bringt. Wir waren im Pokalfinale und wir sind im Finale des Eurocups - was sicher noch einen Zacken schärfer ist, weil es deutlich schwerer zu erreichen ist. Das ist schon wahnsinnig hoch zu bewerten, denn Spielerentwicklung und Ergebnis unter einen Hut zu bringen, ist sehr außergewöhnlich und sehr schwierig.

Im Finale geht es dann gegen Valencia, die Spanier haben den Heimvorteil in der Best-of-three Serie. Auch bei der letzten Finalteilnahme vor neun Jahren hieß der Gegner Valencia. Alba verlor.

Valencia hat schon drei Mal den Eurocup gewonnen, ein herausragendes Team. Sie haben jetzt gegen Kasan, auch ein herausragendes Team, in zwei Spielen das Finale erreicht. Das ist ein Top-Gegner, der alles hat: Tiefe, Qualität, Erfahrung. Der ganze Club ist eine erstklassige Organisation im europäischen Basketball. Einen schwereren Gegner kann man nicht bekommen, aber so ist das halt im Finale. Genau da wollen wir sein, daran wollen wir uns auch weiterentwickeln und sehen, ob wir etwas mitnehmen können. Aber ich glaube, Valencia freut sich auch nicht gerade auf uns.

Jetzt haben die Spieler acht Tage Spielpause und können endlich mal durchschnaufen. Tut das der Mannschaft gut?

Das ist extrem wichtig. Wir spielen [nächste Woche - die Redaktion] am Sonntag in Bamberg und am Dienstag drauf direkt wieder zu Hause gegen Ulm. Und wir werden einen ganz dichten Kalender bis zum Ende der Saison haben. Da ist es sehr wichtig, dass man jetzt mit einem Glücksgefühl ein paar Tage hat, an denen man zwar trainiert, aber eben nichts mit dem Spielrhythmus zu tun hat. Die letzten Wochen waren schon Kraft zehrend. Die mentale Anstrengung, sich jedes mal wieder zu pushen, ist ganz schön schwer. Und deswegen tut uns das sehr gut, sich mit einem guten Gefühl ein paar Tage nur aufs Training konzentrieren zu können.

Das Interview führte Jakob Rüger.

Sendung: rbb Inforadio, 23.03.2019, 7.15 Uhr

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