Salomon Kalou im Kopfball-Duell mit Manuel Akanji. / imago/Jan Huebner
Audio: Inforadio | 16.03.2019 | 22:15 Uhr | Lars Becker | Bild: imago/Jan Huebner

2:3 gegen Borussia Dortmund - Hertha BSC verliert Fußball-Spektakel in der Nachspielzeit

Es war ein rasantes Spiel mit Torchancen en masse - und einem bitteren Ende für Hertha BSC: Im ausverkauften Olympiastadion verloren die Berliner mit 2:3 gegen Borussia Dortmund. Das entscheidende Tor fiel erst in der Nachspielzeit.

Am Ende musste Pal Dardai über eine bittere Niederlage sprechen. Und das ausgerechnet an seinem 43. Geburtstag. "Das Schicksal ist nicht bei uns", haderte der Coach von Hertha BSC, um dann - in einem Anflug von Tapferkeit - hinzuzufügen: "Wir müssen trotzdem fleißig bleiben." Einen packenden Schlagabtausch hatte sein Team Borussia Dortmund am Samstagabend im ausverkauften Olympiastadion geliefert, wurde aber für seinen Mut und seine Risikofreude nicht belohnt: Mit 2:3 (2:1) verloren die Berliner gegen den Meisteranwärter.

Marco Reus sorgte mit seinem Treffer für späten BVB-Jubel - es lief bereits die zweite Minute der Nachspielzeit, als der deutsche Nationalspieler die Partie entschied. Bei den Herthanern hinterließ das ein Gefühl tiefer Enttäuschung: "Wir sind sehr traurig, da wir gerne den Punkt mitgenommen hätten. Jetzt stehen wir wieder mit Nichts da. Das ist ärgerlich, weil wir ein gutes Spiel gemacht und alles gegeben haben", sagte Mittelfeldspieler Maximilian Mittelstädt. Der europäische Wettbewerb dürfte damit endgültig in unerreichbare Ferne gerückt sein.

Salomon Kalou, der Dortmund-Schreck

Dabei hatte das Spiel für die Berliner perfekt begonnen. Gerade einmal vier Minuten waren gespielt, da tobte das Olympiastadion in Blau-Weiß. Im Zentrum der Berliner Feierlichkeiten stand der Mann, der Dortmund schon im Hinspiel mit zwei Treffern die Laune vermiest hatte: Salomon Kalou. Große Mühe hatte der 33-Jährige freilich nicht, die  1:0-Führung zu erzielen - ja, es war gewissermaßen ein unfreiwilliges Geschenk von Roman Bürki. Der BVB-Keeper hatte einen Distanzschuss von Maximilian Mittelstädt in die Mitte abprallen lassen und Kalou musste den Ball aus drei Metern nur noch ins leere Tor schieben.

Es war der Auftakt zu einer Partie, die alles tat, um die Zuschauer für ihren Stadionbesuch bei Usselwetter zu belohnen. Prädikat: Fußball-Spektakel. Dazu trug zunehmend auch der Tabellen-Zweite bei, der nach verhaltenem Start bald ebenso wie die Berliner nur eine Richtung kannte: nach vorne. Das zahlte sich für den BVB schnell aus. In der 13. Minute konnte Hertha-Keeper Rune Jarstein noch gegen Jacob Bruun Larsen klären, war kurz darauf dann aber gegen Thomas Delaney ohne Chance. Der Däne kam nach einem Fehlpass von Valentino Lazaro im Mittelfeld an den Ball, marschierte im Eiltempo durch die gesamte Berliner Hälfte, schloss ab - und der Schuss landete auch deshalb im Tor, weil Karim Rekik ihn unhaltbar für Jarstein abfälschte (14.).

"Direkt vorne draufgehen"

Verunsichern ließ sich Hertha davon nicht. Im Gegenteil. Sie blieben unbequem: Aufmerksam in der Defensive - und immer wieder mit Tempo auf dem Weg in die Spitze. "Wir wollten von vornherein direkt vorne draufgehen. Und das haben wir auch gemacht. Wir haben sie früh unter Druck gesetzt", sagte Mittelstädt. Der starke Auftritt wurde mit der erneuten Führung belohnt. Wieder war es Kalou, der traf. Diesmal verwandelte er sicher vom Elfmeterpunkt aus - Julian Weigl hatte zuvor einen Schuss von Ondrej Duda an den Arm bekommen. Es war das fünfte Saisontor für den Ivorer. Vier davon erzielte er gegen den BVB.

Eine Niederlage im Meisterrennen? Es wäre für den BVB ein herber Rückschlag gewesen. Und so kam die Mannschaft von Lucien Favre mit viel Wut und Wucht aus der Pause. Und sie kopierten den Berliner Blitzstart aus der ersten Hälfte. Gerade einmal zwei Minuten waren gespielt, da erzielte Dan-Axel Zagadou nach einer Ecke von Jadon Sancho den Ausgleich für die Dortmunder (47.). Danach ging es hin und her. Ein Highlight, das fast mit der erneuten Hertha-Führung gekrönt worden wäre: Ein Schuss von Marko Grujic, der gegen den Pfosten klatschte (57.).

Elfmeter? Der Schiedsrichter sagt: Nein!

Zwei Minuten später folgte die Szene, über die nach Schlusspfiff noch heftig diskutiert werden sollte. Duda tauchte im Strafraum auf, wurde von Abdou Diallo gestoßen - und die Berliner forderten vehement einen Elfmeter. Jedoch vergeblich, die Proteste blieben vom Schiedsrichter unerhört. Für Dardai eine Schlüsselszene: "Den musst du geben. Dann läuft das Spiel wahrscheinlich anders und wir verlieren nicht mehr. Vielleicht heißt es am Ende 3:3", sagte der Hertha-Coach - auch wenn er ebenso zugab: "Dortmund war in der zweiten Hälfte besser."

Und die Dominanz wurde in der Schlussphase immer drückender. Der BVB erarbeitete sich nun Chance um Chance. Es war zeitweise ein wahrer Sturmlauf. Doch lange sah es so aus, als könnten die Berliner ihm - mit etwas Glück - standhalten. Sancho (60.), Christian Pulisic (71. und 74.) sowie Achraf Hakimi (79.) vergaben beste Gelegenheiten. Als Delaney schließlich die Latte traf, war Hertha schon nur noch zu zehnt (88.). Jordan Torunarigha hatte kurz zuvor die Gelb-Rote Karte gesehen.

Auch Ibisevic fliegt vom Platz

Als es schließlich so schien, als hätten sich die Hausherren in Unterzahl ins Ziel gerettet, kam Marco Reus. Und das 2:3 (90.+2). Ein bitterer Schlusspunkt, dem eine Minute später noch die Krone aufgesetzt wurde: Vedad Ibisevic sah die Rote Karte, weil er Dortmunds Torwart Roman Bürki den Ball an den Kopf warf. So endete eine irre Partie für Hertha mit neun Spielern und ohne Punkte. In der Länderspielpause ist nun Aufbauarbeit gefragt, ehe es danach für die Berliner mit dem nächsten Topspiel in Leipzig weitergeht (30.3, 18:30 Uhr).

 

Sendung: rbb24, 16.03.2019, 21:45 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

1 Kommentar

  1. 1.

    Am Ende fehlte auch die Kraft, was ich nun gar nicht verstehen kann, da sie ja weder Pokal noch Europacup dabei sind.
    Stadion ist leider auch nicht das wahre für so einen heißen Tanz, in einem richtigen Fussballstadion hätte der Schiri nicht so krumme und teils groteske Entscheidungen pro Dortmund gemacht.
    Und dann sind 2 Tore durch das immer wieder leidliche Zurückspielen des Balles entstanden, war wirklich schade am Ende...

Das könnte Sie auch interessieren

Hans-Joachim Stuck (Quelle: Imago/ Martin Huber)
Imago/Martin Huber

Interview | Hans-Joachim Stuck - "Formel E ist eine gute Alternative"

Auf dem Tempelhofer Feld kämpfen die Rennfahrer der Formel E wieder um den Sieg beim "E-Prix 2019". Allerdings: So bekannt und beliebt wie die Formel 1 sind die leisen Flitzer noch lange nicht. Doch sie haben viele Vorteile, sagt Hans-Joachim "Striezel" Stuck.