Sieht in Leipzig vor allem die Defensive gefordert: Pal Dardai. / imago/Metodi Popow
Audio: Inforadio | 30.03.2019 | 09:15 Uhr | Astrid Kretschmer | Bild: imago/Metodi Popow

Hertha BSC im Liga-Endspurt in Leipzig - Mit Mut und ohne Illusionen

Das nächste Topspiel unter Flutlicht - und die nächste Chance, die Bilanz aufzubessern: Am Samstagabend tritt Hertha BSC in Leipzig an. Europapokal-Illusionen geben sich die Berliner nicht mehr hin, einen Großen ärgern wollen sie dennoch. Von Astrid Kretschmer

Einmal blitzte der dardaische Schalk auf. Er habe "nichts dagegen, wenn Timo ein Tor macht", sagte Pal Dardai auf die Frage nach einer Sonderbewachung von Hertha-Schreck Timo Werner, "wenn wir zwei Mal treffen und dann gewinnen", sagte der Hertha-Trainer. Gegen die Berliner schoss der Nationalspieler zuletzt fünf Tore in sechs Spielen.

Dardai betonte, dass das Spiel in Leipzig (Samstag, 18:30 Uhr) in der Defensive entschieden werde. "Wir können die Leipziger mit ihren schnellen Spielern nur als Mannschaft ausschalten. Nach Ballverlusten müssen wir tierisch konzentriert sein, denn solche Chaosmomente nutzen sie gut aus. Nicht der offensive Gedanke wird das Spiel entscheiden, sondern die defensive Ordnung", ist sich der 43-Jährige der Schwere der Aufgabe bewusst.

Dortmund-Spiel als Vorbild

Dardai weiß aber auch, dass seine Schützlinge in dieser Saison schon unter Beweis gestellt haben, dass sie die Topteams der Liga bezwingen können oder zumindest groß aufgespielt haben. "Beim 0:3 im Hinspiel sind wir zu ängstlich aufgetreten und haben zu tief verteidigt. Das wollen wir jetzt besser machen. Wir wollen so mutig wie gegen Dortmund agieren, mit Vertrauen und schnellem Spiel", so Dardai. 

Keine Fehler machen, mutig spielen, das gilt auch für die dann noch folgenden sieben Spiele, will Hertha tatsächlich noch einmal in den Kampf um die internationalen Plätze eingreifen. Sieben Punkte beträgt der Rückstand des Tabellenzehnten auf Rang sechs. Um die Teilnahme an der Europa League doch noch zu erreichen, "musst du sechs, sieben Spiele gewinnen", sagte Dardai.

Europa League: Hertha müsste Historisches leisten

Wohlgemerkt: Sechs oder sieben der letzten acht Partien der Saison. Das aber gelang Hertha in der Bundesliga noch nie. Fünf Siege aus den letzten acht Spielen einer Saison, das war bislang das höchste der Gefühle. Letztmals erreichte Hertha dies in den Spielzeiten 1998/99 und 2001/02 - noch mit Pal Dardai als Spieler. Mit dem Ungarn als Hertha-Coach gelang maximal eine Mini-Serie von drei gewonnenen Spielen in Folge. Und das in der Hinrunde. Michael Preetz relativierte die Ausgangslage. Saisonziel sei ein einstelliger Tabellenplatz gewesen und es blieben noch "acht Spiele und 24 Punkte, die im Topf sind", so der Manager, "und davon wollen wir noch so viel wie möglich einsammeln."

Wollen die Berliner, die zum nächsten Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf in gut einer Woche einen neuen Rasen spendiert bekommen, vielleicht doch noch um die Europapokalplätze mitspielen, wäre ein Sieg in Leipzig hilfreich. Außerdem würde der Europapokal es dem Hauptstadt-Klub, der verstärkt auf den Nachwuchs setzt, erleichtern, talentierte Spieler zu verpflichten und zu halten. "Ein internationaler Wettbewerb ist nicht schädlich, das ist klar", sagte Preetz, aber das würde nicht heißen, "dass es sich nicht lohnen würde, nach Berlin zu kommen oder hier zu bleiben."

Selke im Fokus

Arne Maier, Maximilian Mittelstädt, Lukas Klünter und Rune Jarstein, die am Dienstagabend noch für die deutsche U21 beziehungsweise Norwegen im Einsatz waren, sind fit. Innenverteidiger Jordan Torunarigha und Mittelfelspieler Vladimir Darida kamen verletzt von ihren Länderspieleinsätzen zurück. Kapitän Vedad Ibisevic ist gesperrt. 

Offensiv muss auch Pascal Köpke passen, so dass dem Ex-Leipziger Davie Selke (bislang drei Liga-Tore) eine besondere Bedeutung zufällt. "Ich will ihn nicht unter Druck setzen", sagte Pal Dardai schmunzelnd, "aber er muss noch ein paar Tore machen, das ist seine Aufgabe." Da war er wieder, der dardaische Schalk im Nacken.

Stadion-Neubau: Haben alle Fragen beantwortet

In der heißen Diskussion um die Pläne von Hertha BSC , eine neue, reine Fußball-Arena zu bauen, nahm Michael Preetz Stellung. Seiner Ansicht nach habe der Verein alle Fragen beantwortet. "Wir sind gut vorbereitet und brauchen letztlich eine Entscheidung der Politik in Berlin," so der Manager. "Es wäre nicht glücklich, wenn der Eindruck erweckt wird, dass, wenn wir den ersten Block der Fragen beantwortet haben, wir immer neue Aufgaben gestellt bekommen", sagte Preetz am Donnerstag und reagierte damit auf Vorwürfe, nicht ausreichend zu kommunizieren und eine Hinhaltetaktik zu fahren.  

Für den avisierten Neubau einer Arena auf dem Olympiagelände müssten Anwohner weichen, hierfür sollen Ersatzwohnungen geschaffen werden. "Wir wissen, dass es Gespräche mit der Wohnungsbaugesellschaft gibt", so Preetz, "denen diese Wohnungen gehören - mit dem Ziel natürlich, adäquaten Ersatz anzubieten." Es ändere sich nichts am Wunsch, "dass wir auf dem Gelände des Olympiaparks ein neues Stadion für Hertha BSC bauen, das wir gerne 2025 in Betrieb nehmen würden". Bei einer Diskusionsrunde am Mittwochabend, zu der mehr als 150 Menschen kamen, hatten Anwohner erklärt, nicht wegziehen zu wollen. Hertha sei bei der Veranstaltung nicht eingeladen gewesen, betonte Preetz.

Sendung: rbb UM6, 28.03.2019, 18 Uhr

Beitrag von Astrid Kretschmer

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

1 Kommentar

  1. 1.

    Irgendwie bleibt der letzte Satz der Anmoderation bei mir hängen: "einen Großen ärgern wollen sie dennoch." - Es ist diese pure Selbstverständlichkeit, mit der dieser Satz ausgesprochen und geschrieben wird, was ein beredtes Licht auf die Verhältnisse in diesem Land wirft. Ohne einen hervorgehobenen Bezug zur Nation zu haben und ohne "Zentralist" zu sein, ist es dennoch merkwürdig:

    In keinem anderen europ. Land spielt ein Hauptstadt-Club so selbstverständlich nur Mittelmaß wie in Deutschland - nicht in Großbritannien, wo zumindest Arsenal und Chelsea London Chancen haben, auf die ersten vier Plätze zu kommen, in Paris ist es St. Germain, Real und Athletico Madrid mischen immer mit, Benfica Lissabon ist immer Aspirant und auch der AS Rom ist weiter als Hertha BSC.

    Woran liegt´s?
    Weil, so meine persönl. Wahrnehmung, Berlin immer noch empfunden umgeben von "Neufünfland" liegt. Eine Insel weit weg von jenen Gebieten, die allg. für wichtig gehalten werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Bayern München, Pokalsieger 2019 (Quelle: imago/Sonntag)
www.imago-images.de/Sonntag

DFB-Pokalfinale - Berliner Fußball-Fest endet mit 19. Bayern-Triumph

Wieder einmal waren es die Bayern, die am Ende den Pokal in die Höhe recken durften: Mit 3:0 gewannen die Münchner das DFB-Pokalfinale im Olympiastadion gegen RB Leipzig. Fans beider Mannschaften hatten zuvor bereits friedlich in der Innenstadt gefeiert.