Das Banner der Cottbus-Fans im Stadion (Quelle: rbb)
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Video: rbb UM6 | 11.03.2019 | Philipp Büchner | Bild: rbb

Verein distanziert sich - Auch Cottbus-Fans gedenken des toten Chemnitzer Neonazis

Eine im Chemnitzer Stadion inszenierte Gedenk-Aktion für einen verstorbenen Fan aus der rechtsextremen Szene führt zu Empörung. Jetzt wurde bekannt: Auch Fans von Energie Cottbus gedachten des Anhängers vor der Partie gegen Münster. Der Verein distanziert sich.

Neben der umstrittenen Trauerbekundung für einen toten rechtsextremen Fan im Stadion des Regionalligisten Chemnitzer FC hat es auch beim Fußball-Drittligisten FC Energie Cottbus Beileidsbekundungen für den Neonazi aus Chemnitz gegeben. Beim Drittliga-Spiel am vergangenen Samstag gegen Preußen Münster hing im Innenraum ein Banner mit der Aufschrift "Ruhe in Frieden Thommy".

Gemeint ist der verstorbene Thomas H., der als Mitbegründer einer ehemaligen
rechtsextremen Organisation in Chemnitz galt. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) forderte den FC Energie am Montag zu einer Stellungnahme auf.

Cottbuser OB Kelch kritisiert Verein

Stefan Scharfenberg-Hecht, Pressesprecher des FC Energie Cottbus, sagte im rbb am Montag, dass das Banner erst kurz vor dem Spiel angemeldet und zugelassen worden sei. "Mit dem Wissen, was im Nachgang und an Informationen jetzt zu Tage geführt wurde, hätten wir die Präsentation nicht zugelassen", sagte er. "Den Verantwortlichen und handelnden Personen war nicht bekannt, um welche Person es sich handelt", so Scharfenberg-Hecht weiter. Künftige Banner sollten in Zukunft intensiver geprüft werden.

Der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch sieht dagegen ein Fehlverhalten des Vereins. Er hätte mehr Sensibilität und eine klare Haltung erwartet. "Eine solche Aktion ist Wasser auf die Mühlen der rechtsextremen Szene, aber auch derer, die unsere Stadt pauschal in die rechte Ecke stellen", sagte Kelch am Montag.

Chemnitzer FC erstattet Anzeige gegen unbekannt

Vor der Partie des Chemnitzer FC gegen die VSG Altglienicke am Samstag wurde auf der Video-Leinwand im Stadion ein Porträt von H. gezeigt, dazu eine Rede gehalten, in der seine Verdienste für den CFC gewürdigt wurden - es gab sogar eine Schweigeminute. Ein schwarzes Kreuz wurde präsentiert, ein Transparent ausgerollt. Und das nicht auf Initiative des Chemnitzer FC. Der Verein hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Klaus Siemon, Insolvenzverwalter des Chemnitzer FC, erklärte, dass der Ablauf soweit vom Standard abgewichen sei, "dass es zu klären gilt, wie dies geschehen konnte". Es habe möglicherweise strafbare Handlungen gegeben. "Nach Aussagen der zuständigen Mitarbeiter drohten massive Ausschreitungen", so Siemon weiter. "Dieser Umstand begründet den Anfangsverdacht für eine schwerwiegende Nötigung, der von den zuständigen Ermittlungsbehörden aufzuklären ist."

Sportgericht des NOFV schaltet sich ein

Laut Vereinsangaben war ebenso "die Verwendung der sonst üblichen Fahnen von bis zu 99 Fanclubs unterbunden" worden, um die außerordentliche Choreografie zu ermöglichen. Wie der Chemnitzer FC erklärte, sei in Erfahrung gebracht worden, "dass einschlägig bekannte Personen aus der rechtsextremen Szene für diesen Tag aus anderen Städten nach Chemnitz und Sachsen gereist" seien.

Mittlerweile hat sich das Sportgericht des Nordostdeutschen Fußballverbandes eingeschaltet. Der NOFV trete "rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen sowie menschenverachtenden Verhaltensweisen entschieden entgegen", heißt es in einer Stellungnahme. Auch der DFB hat sich geäußert. Man vertraue darauf, "dass unsere für die Regionalliga zuständigen Kollegen im NOFV die richtigen Maßnahmen einleiten und konsequent umsetzen", sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch.

Chemnitz-Profi Daniel Frahn hält das schwarze T-Shirt mit der Aufschrift "Support your local Hool" beim Torjubel in die Höhe. (Quelle: Imago/Harry Haertel)Chemnitz-Spieler Daniel Frahn hält ein T-Shirt mit der Aufschrift "Support your local Hools" hoch.

Chemnitz-Profi Frahn jubelte mit Hooligan-Shirt

Sachsens Innenstaatssekretär Günther Schneider forderte den Chemnitzer FC auf, sich mit seiner Rolle und seinem Selbstverständnis kritisch auseinanderzusetzen. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die Hooliganszene, die es in der Stadt gebe. Es werde geprüft, ob es dabei strafrechtlich relevante Vorfälle gegeben habe. Sollte das der Fall sein, werde der Vorfall der Justiz übergeben.

Auch Chemnitz-Stürmer Daniel Frahn ist in den Skandal verwickelt. Der ehemalige Spieler des FC Energie Cottbus und des SV Babelsberg hatte nach seinem Treffer zum 3:2 gegen Altglienicke mit einem schwarzen T-Shirt in den Händen gejubelt, darauf zu lesen war der Spruch "Support your local Hools". Frahn wusste nach eigener Aussage nicht, dass der verstorbene CFC-Fan, dessen er mit dieser Geste gedachte, der rechten Szene angehörte. Wie am Dienstag bekannt wurde, sperrte der Nordostdeutsche Fußballverband Frahn bis zu einer Entscheidung seines Sportgerichts. Wann diese Entscheidung fallen wird, ist bislang nicht bekannt. Fest steht, dass der 31-Jährige an diesem Mittwoch im Spiel gegen den BFC Dynamo (13.03. 19:00 Uhr) nicht eingesetzt werden darf.

Mehrere Mitarbeiter des CFC freigestellt

"Dass dieses T-Shirt so tief in der Nazi-Szene verbreitet ist, war mir nicht bewusst", entschuldigte sich Frahn am Montagabend auf seiner Facebookseite. Dort schrieb er außerdem: "Ich möchte klarstellen, dass ich kein Sympathisant eines Neo-Nazis bin! Auch teile ich diese politische Einstellung nicht und trage auch keine rechten Gedanken in mir", so der gebürtige Potsdamer.  

Frahn war vom Verein zuvor mit einer Geldstrafe belegt worden, andere kamen nicht so glimpflich davon. Der Chemnitzer FC hat sich am Montag von seiner Fanbeauftragten Peggy Schellenberger getrennt, die SPD-Stadträtin hatte in einem später gelöschten Post bei Facebook den Tod von H. betrauert. Auch ein Mitarbeiter der Kommunikationsabteilung und der bisherige Stadionsprecher wurden freigestellt. Bereits am Sonntag hatte der kaufmännische Geschäftsführer Thomas Uhlig, "um weiteren Schaden vom Chemnitzer FC fernzuhalten", alle seine Ämter beim Verein niedergelegt.

Seehofer: "Es darf keinen Raum für Rechtsextremismus geben."

Innenminister Horst Seehofer (CSU) sagte am Montag, er begrüße die geplante Aufarbeitung: "Ich halte es für richtig und absolut notwendig, dass die Verantwortlichen beim Chemnitzer FC und beim Nordostdeutschen Fußballverband die erforderlichen Konsequenzen ziehen", sagte Seehofer, der auch Sportminister ist.

"Sport soll eine integrierende Wirkung haben und Menschen miteinander verbinden. Hier darf es keinen Raum für Rechtsextremismus und Rassismus geben", sagte Seehofer. Deswegen fördere sein Ministerium Projekte, die sich gegen Diskriminierung und jede Form von Extremismus richteten.

Sendung: rbb UM6, 11.03.2019, 18 Uhr

Kommentar

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22 Kommentare

  1. 22.

    "Diese Entscheidung sei dem Verein aber schon zwei Tage vor den Ereignissen im Stadion mitgeteilt worden."
    Vom mdr. Also bitte kein falsches Lob.

  2. 21.

    Der Sponsor (Sparkasse) hat dem FC Chemnitz zum Juni gekündigt....
    will mit dem Nazi-Mob im Verein nichts mehr zu tun haben....gut so....

  3. 20.

    Immer wieder erstaunlich,welch mediale Aufmerksamkeit ein Banner oder auch ein Tweet bekommen können.
    Wenn das mal bei Zwangsräumungen oder Kältetoten auch so wär..

  4. 19.

    Hallo, hier meldet sich ein Energie Fan. Das letzte Spiel gegen Münster war Balsam für die Seele. Was wir brauchen sind weitere Punkte und mich interessiert der ganze Plakatequark nicht die Bohne. Außerdem werde ich auch als Minisponsor Energie weiterhin finanziell unterstützen. Morgen geht's in Halle weiter. Viel Spass noch bei der weiteren Bannerdiskussion.
    Thomas aus Görlitz

  5. 18.

    Wer politisiert denn? Die Vereine, die zulassen dass ihre "Fan"kurven mit rechtsextremistischen Bannern voll sind oder die, die darüber berichten?

  6. 17.

    "Damit tut man nur denen einen Gefallen, die Cottbus in eine rechte Stadt verwandeln wollen. Das ist sie nicht und wird es nie sein!"

    Tut mir leid aber da mußte ich doch bitter lachen. Warum holen sich die Verantwortlichen keine Hilfe von Experten, die wissen wie man mit Rechtsextremisten umgeht? Wo ist der Protest der Bürger von Cottbus wenn sich mal wieder Rechtsextreme in ihrer Stadt zusammenrotten? Warum hat die rechtsextreme AfD in Cottbus einen solchen Zuspruch?

  7. 16.

    Wir wollen ja keinen was unterstellen, aber als Beispiele müssen dann nur die Brandenburger Vereine herhalten!

  8. 15.

    Kai Sie sagen es. Seit Jahren gilt nur noch schwarz weiss Malerei. SV03 = gut und FC Energie = schlecht. Ich glaube selbst, wenn der FCE in die Bundesliga aufsteigen würde, gäbe es Zeitgenossen, die daran wieder was zu mäkeln haben. So kann sich Sport einfach nicht entwickeln. So entsteht dann eben Dritt- bzw. Viertklassigkeit :-( Nur mal zur Erinnerung: Der FCE spielte mal Bundesliga und der SV 03 zweite Liga. Davon sind beide heute meilenweit entfernt.

  9. 14.

    Bestimmt gibt es nur wenige Menschen, die mit dem Namen viel anzufangen wussten und nun mit dieser Information konfrontiert worden sind. Das ist kein gutes Gefühl und nun sorgt die Berichterstattung nicht nur für Empörung, sondern führt auch dazu, dass diesem Mann posthum
    eine Aufmerksamkeit zuteil wird, die er zu seinen Lebzeiten nie erreicht hätte. Das verletzt viele
    Menschen und schadet Spielern wie Daniel Frahn, der sich auch öffentlich entschuldigt hat. Die Vereine selbst ziehen ebenso ihre Konsequenzen und verwehren sich damit gegen den Rechtsextremismus, was sehr wichtig ist und auch immer wieder passieren muss. Ich denke, dass
    wird auch in Zukunft leider immer wieder nötig sein und Schuldzuweisungen helfen niemandem,
    weil Extremismus, auch weltweit, auf dem Vormarsch ist. Jeder muss sich diesem immer wieder
    entgegenstellen.

  10. 13.

    Wenn Sie uns das vorwerfen oder unterstellen wollen, auch wenn wir deutlich betonen, diese Verbindung nicht herstellen zu wollen, macht einen weiteren Austausch schwierig.

    Und Ihre Hinweise auf den Umgang von anderen mit iranischen oder kubanischen Regierungen passt hier irgendwie nicht zu Inhalt und Thema des Beitrags.

  11. 11.

    @rbb, ich unterstelle es Ihnen trotzdem! Im Bezug auf den FC Energie spielt immer etwas Gehässigkeit beim rbb mit! Bei etwas mehr Recherche wäre Ihnen leicht aufgefallen das Frahn nennenswerte Spiele lediglich im Nachwuchsbereich oder der zweiten Mannschaft hatte. Deutlich mehr Einsätze hatte er für 03 oder RB im Männerbereich.

    Im übrigen, worum geht es denn eigentlich in diesem Bericht. Das einige Idioten einem verstorbenen Neonazi gedenken. Das kann man finden wie man will, ich würde mich für den auch nicht von meinem Platz erheben. Aber was wird denn in der Gesellschaft vorgemacht, da gratuliert der Bundespräsident der Iranischen Regierung zum Staatsjubiläum, und die Linke hat es sich auch nicht nehmen lassen Fidel Castro zum Geburtstag zu gratulieren! Alles lupenreine Demokraten, oder?

  12. 10.

    „Kondolieren“ kann man nicht für etwas (Akkusativ) oder für jemanden (es sei den man nutzt das „für“ als Synonym für „anstelle von“), sondern...
    … man kondoliert jemandem (Dativ-Objekt – meist der Familie/den Familien oder den Hinterbliebenen oder dem … Volk) über etwas oder zu etwas (meist zum Tod von...)
    Oder:
    … man kondoliert (intransitiv)
    Die Überschrift müsste also lauten: „Auch Cottbus-Fans kondolieren zum Tod des Chemnitzer Neonazis“ oder um einen Anschlag verkürzt „Auch Cottbus-Fans kondolieren zum Tod von Chemnitzer Neonazi“ oder (zumindest theoretisch) „Auch Cottbus-Fans kondolieren über den Tod des Chemnitzer Neonazis / von Chemnitzer Neonazi“. (Aber das hört sich an, als hätte es der Lateinlehrer geschrieben.)
    Und hier noch mein Vorschlag „Cottbus-Fans von Chemnitzer Neonazi kondolieren sich zu Tode“. Oder habe ich Euch so falsch verstanden?
    Viele Grüße von ein' escht'n Fen (Jeder kann sich ja selbst denken von wem.)

  13. 9.

    Dieser Verein macht sich doch selbst zum Buhmann! Als Fussballverein ist man doch nicht Sammelbecken für Extremisten. Man muss darauf reagieren, in einer Weise die klare Standpunkte aufweist! Wie das geht hat gerade der 1. FCU gezeigt. Außerdem hat doch kein Verein etwas davon wenn die Sponsoren abspringen.

  14. 8.

    "dass das Banner erst kurz vor dem Spiel angemeldet und zugelassen worden sei.".......
    Wenn man schon nicht fähig ist zu kontrollieren was man da zu lässt hätte das Spiel abgebrochen werden müssen.
    Eher sieht es danach aus das die FCE Leitung vor den Nazis kuscht.

  15. 7.

    Wir wollten diesen Zusammenhang nicht herstellen, aber zumindest erwähnen, dass er u.a. bei Energie, aber eben auch in Babelsberg spielte.

  16. 6.

    Lieber RBB,
    die permanente Politisierung des Sports nervt nur noch. Noch nervender ist, dass dabei immer der FC Energie der Buhmann ist.

  17. 5.

    Korrekt, es verbietet sich hier ein gleiches Fehlverhalten (eine nette Umschreibung für das was im Stadion von CFC passiert ist) zu unterstellen. Muss man nicht wissen wer diese Person war. Hoffen man zieht jetzt die richtigen Konsequenzen. Zu aller erst was den "Antragssteller" betrifft.

    Aber der Verein steht nun mal in der rechten Ecke (im Vergleich zu vielen anderen Vereinen). Und auch die Stadt ist rechts. Man schaue nur auf das Wahlergebniss bei der Bundestagswahl.

    Ich weiß, es ist verdammt schwer dieses Problem zu lösen. Aber man löst es nicht, wenn man krampfhaft versucht das Image - als Verein oder Stadt - zu retten. Das Problem sind die Rechten, nicht das (schlechte) Image!

  18. 4.

    Hat denn irgendjemand etwas anderes erwartet?

  19. 3.

    Die Verantwortlichen von Energie hätten ja vorher bei Ihnen nachfragen können, wer Tommy ist. Dann wäre das nicht passiert.
    Hier ein gleiches Fehlverhalten wie beim CFC zu unterstellen, verbietet sich. Klar hätte man diese Provokation vielleicht auch erkennen können, aber trotzdem ist es dumm oder gewollt, den Verein in die rechte Ecke zu stellen. Damit tut man nur denen einen Gefallen, die Cottbus in eine rechte Stadt verwandeln wollen. Das ist sie nicht und wird es nie sein!

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