Erstes Spiel im Eurocup-Finale: Johannes Thiemann (re.) von Alba Berlin im Zweikampf gegen Antoine Diot von Valencia, links im Bild: Tim Schneider von Alba Berlin (Quelle: dpa/Francesc Juan/AFP7)
Audio: Inforadio | 10.04.2019 | 06:15 Uhr | Nikolaus Hillmann | Bild: dpa/Francesc Juan/AFP7

Alba Berlin verliert erstes Eurocup-Finalspiel - Aus dem Takt

Dass Alba am Dienstag in Valencia mit einem Sieg ins Eurocup-Finale starten würde, war nicht zu erwarten. Dass die Berliner aber an den Brettern so unterlegen waren, überraschte. Nach dem 75:89 müssen sie am Freitag in Friedrichshain gewinnen. Von Sebastian Schneider

So eine Geschichte kann sich ja keiner ausdenken: Sohn einer NBA-Legende wird in seinem Heimatland verkannt, ackert sich über unterklassige Teams in Spanien zum wertvollsten Basketballer des Europapokals hoch, tritt mit seinem neuen Klub dann im Finale bei seinem alten an (bei dem er noch so viele Freunde hat), gewinnt ausgerechnet in dieser Halle und dominiert...ok, reicht. Bis auf den Schluss stimmt zwar alles, aber der war halt entscheidend.

Alba Berlin hat das erste Eurocup-Finalspiel in Valencia am Dienstagabend mit 75:89 verloren und Luke Sikma hat daran nichts ändern können. Damit liegen die Berliner in der "Best of Three"-Serie mit 0:1 zurück und müssen das zweite Spiel am Freitag in ihrer eigenen Halle gewinnen. Albas Hauptdarsteller waren Peyton Siva mit 17 und Martin Hermannsson mit 16 Punkten. Sikma gelangen sieben Zähler, der "Most Valuable Player" dieses Eurocup-Wettbewerbs war diesmal kaum zu sehen.

Archivfoto: 14.11.2018, Berlin ,Mercedes Benz Arena, Basketball, EuroCup 7. Spieltag , ALBA Berlin - Cedevita Zagreb. Luke Sikma (ALBA Berlin) freut sich (Quelle: dpa / Andreas Gora).
Luke Sikma hätte seinen alten Fans gerne bestätigt, warum sie in in Valencia heute vermissen: Aber der wertvollste Spieler der Bundesliga und des Eurocups war diesmal nur Nebendarsteller. | Bild: Andreas Gora

Sikma bekommt Applaus - der Rest wird ausgepfiffen

An den gegnerischen Fans lags nicht: Alle anderen Berliner pfiffen sie aus, so laut sie konnten – ihrem alten Bekannten Sikma aber spendierten die gut 8.000 Aficionados freundlichen Applaus. Der Oberansager, ein vornehm schwitzender Anzugträger mittleren Alters, brüllte wie ein Bierkutscher dem die Pferde durchgegangen waren. Die Berliner versuchten, sich zu sammeln, aber der stampfende Kirmespop aus den Lautsprechern machte das unmöglich.

Zum Tip-Off ließen Tausende auf den Rängen dann noch Luftballons zerplatzen. Der Klub hatte sie ihnen rücksichtsvoll auf die Sitze legen lassen. Nun folgten Pfiffe, Tröten, Paukenschläge. Die ersten drei Punkte gehörten Alba, Rokas Giedraitis von der Grundlinie. Die Berliner fingen nervös an, aber sie konnten zunächst ein bisschen freidrehen.

Bald aber zeigte sich, was ihnen am meisten fehlte: Konzentration, Zentimeter und Muckis. Valencia schmiss ordentlich daneben, aber fast jeder Abpraller landeten in den Pranken eines der Riesen in den orangefarbenen Trikots. Diese vielen Offensivrebounds erlaubten Valencias Topscorer Will Thomas (22 Zähler) Chancen, die er mühelos zu nutzen wusste. Die Gastgeber führten.

Es war unser ganzer Fokus für diese Serie, großartige Verteidigung gegen sie zu spielen. Wir wissen: Wenn wir das tun, können wir leichte Körbe auf der anderen Seite kriegen."

Will Thomas, Valencias bester Schütze im ersten Spiel

Albas Speed wird zerstört

Es entwickelte sich ein Raumgeschiebe, ein Lückengelauere, und für die sprintverliebten Berliner war das nicht gut. Valencia pflückte weiter fleißig Rebounds runter und spielte dann nach dem uralten Gebot: Der Ball ist immer schneller als die Beine. Fix ein Block, Raketenpass rüber und rein das Ding. Die Favoriten wackelten nicht, weil sie auf den Druck besser klarkamen.

Albas Power Forward Johannes Thiemann versuchte, den ihm zugewiesenen Brocken Mike Tobey (2,13 Meter) fernzuhalten, kassierte aber einen Ellenbogen und musste trotzdem foulen. Er schnappte nach Luft. Valencias Plan, Albas Speed zu zerstören, ging auf. Das erste Viertel war vorbei und die Berliner lagen mit 13:20 hinten. 

Luke Sikma setzte sich jetzt mal durch, er klatschte, um die Kollegen aufzumuntern. Der Stress stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Die Tanzkapelle oben auf den Rängen spielte wieder fröhliche Trompetenmusik. Aber dann kam Peyton Siva, Albas beständigster Scharfschütze dieses Wettbewerbs.

Der kleine Siva erkannte, dass aus all dem Herumgewiesel eh kein Platz entstehen würde. Also warf er einfach Millimeter über die Fingerspitzen seines Verteidigers hinweg in den Korb - von ganz weit draußen. Der drahtige Hermannsson glich für Berlin zweimal aus, irgendwo schlängelt er sich immer durch. Zur Halbzeit lag sein Team mit 38:41 zurück.

18 Zähler Rückstand vor dem letzten Viertel

In der zweiten Hälfte hielten Sivas nächste Dreier das Team zunächst im Geschehen. Aber dann war erstmal Sense. Valencias Spieler fanden viele Wege zum Korb: Entweder sie rammten sich den Weg frei und ließen den Ball einhändig ins Ziel fliegen. Oder sie tänzelten auf den Fußspitzen wie Boxer, um ihre Gegner aus dem Takt zu bringen: Der Linkshänder Will Thomas brauchte weder Raum, noch Zeit für seine Kunst. Sein Shuffle war nicht zu stoppen. Schon führte Valencia mit elf Punkten.

Unter dem Korb sah Alba keinen Stich, was auch am bescheiden aufgelegten Landry Nnoko lag. Die Gastgeber verteidigten so ekelhaft, wie das in einem Finale nun mal nötig ist und Berlin beeindruckten sie damit zutiefst. Als die Dreier nicht mehr fielen wie in der ersten Hälfte, wovon mit zunehmender Spieldauer in diesem Krachpalast auszugehen war, steckte Berlin in Schwierigkeiten. Die Trompeter kriegten sich gar nicht mehr ein. Vor dem vierten Viertel war der Rückstand auf 18 Zähler angeschwollen.

Erstens: Wir müssen uns bei den Rebounds verbessern. Zweitens: Wir müssen uns behaupten - und wir haben die Möglichkeit, das im nächsten Spiel in Berlin wieder zu tun. Ich hoffe wir können es."

Aito Garcia Reneses, Trainer von Alba Berlin

Siva trifft fünf von sechs Dreiern

In diesen letzten Minuten zeigten die Berliner wenigstens phasenweise, dass sie sich hier nicht herspielen lassen wollten. Wenn das Ganze schon verloren gehen würde, dann ging es wenigstens darum, sich Mumm für die Revanche zu holen. Profis sind auch nicht anders als Freiplatz-Zocker: Es geht drum, das Gesicht zu wahren. 

Näher als auf zehn aber kam Alba trotzdem nicht mehr ran. Der gute Thiemann wurde aus rätselhaften Gründen ausgewechselt. Hermannsson durfte sich nochmal beim Punkten auf die Nase hauen lassen, ohne dass es einen Schiri interessiert hätte. Der Wurfautomat Siva hellte das Ergebnis schließlich mit seinem fünften und diesmal wirklich letzten Dreier ein wenig auf. Aber an der Eindeutigkeit dieser 75:89-Niederlage lässt sich nicht herumdeuteln.

Alba muss am Freitag gewinnen

Die Sieger hatten ein paar nachlässigere Minuten, das schon. Aber um ihre Härte und ihre Energie 40 Minuten lang zu brechen, werden die Berliner am Freitag jedes Fitzelchen Talent aus sich herausholen müssen. Falls das reicht. "Wenn wir als noch junges Team gegen diesen Gegner auf Augenhöhe mitspielen können, würde mich das schon sehr froh machen", hatte Albas Coach Aito Garcia Reneses gesagt. 

Gewinnt seine Mannschaft nicht, wird die Serie vorbei sein. Hinterher wird sich keiner nachsagen lassen wollen, er sei nicht tough genug für die wirklich großen Spiele. Ob Blechbläser zum Einsatz kommen, ist noch nicht verbürgt. Aber die Pauken werden rausgeholt: Die Arena am Ostbahnhof ist voraussichtlich ausverkauft.

Sendung: rbb24, 09.04.2019, 21.45 Uhr

Beitrag von Sebastian Schneider, rbb|24

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Gewohnt rassige, bildhafte, spritzige Schneider-Ware. Macht Bock auf Spiel 2.

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