Ein Team, ein Traum: Alba Berlin will in Valencia den ersten internationalen Titel set 24 Jahren holen. / imago/Camera 4
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Audio: Inforadio | 15.04.2019 | 15:15 Uhr | Jakob Rüger | Bild: imago/Camera 4

Alba Berlin vor Spiel drei im Eurocup-Finale - Nur ein Sieg bis zum großen Traum

Es ist der Showdown. Es geht um Alles oder Nichts. Im dritten Spiel der Eurocup-Finalserie in Valencia kann Alba den ersten europäischen Titel seit 24 Jahren holen. Der Gegner ist Favorit, doch das Selbstvertrauen der Berliner groß. Und das nicht ohne Grund.

Als der Teambus von Alba Berlin am Sonntagnachmittag am Trainingszentrum Richtung Flughafen losrollt, liegt der magische Basketball-Abend nicht einmal 48 Stunden zurück. Die ganzen Emotionen sind noch frisch in Erinnerung: Die 14.500 Zuschauer in der Arena am Ostbahnhof. Das frenetische Klatschpappen-Orchester. Der packende Krimi auf dem Feld. Und der umjubelte Sieg nach Verlängerung gegen Valencia Basket, der den Albatrossen das 1:1 in der Eurocup-Finalserie - und damit das Ticket zum Entscheidungsspiel brachte.

Am Montag (20:30 Uhr/live im rbb Inforadio) geht es nun um Alles oder Nichts. Es ist der große Showdown. Auf das erste rauschende Fest zuhause soll dann auswärts das zweite folgen. Es ist für Alba die Chance auf einen Triumph, den man ohne jede Übertreibung historisch nennen kann. Sie wollen den ersten internationalen Titel seit dem Korac Cup holen. 24 Jahre liegt dieser zurück. Um das zu schaffen, muss an der Mittelmeerküste, in Valencias Heimstätte Pabellón Fuente de San Luis, ein Sieg her. Anders als noch zum Start der Serie, als die Berliner dort mit 75:89 verloren. Gelingt das, wäre es der größte Erfolg eines deutschen Vereins in Europa.

"Fast wie eine Mission Impossible"

Dass es schwer wird, wissen sie bei Alba. Sehr schwer sogar. "Valencia hat so viele Waffen. Wenn sie ihr Spiel etablieren können, wird es sehr schwer für uns. Fast wie eine Mission Impossible", sagte Manager Marco Baldi der Deutschen Presse-Agentur. Um zu erahnen, vor welcher Hürde die Berliner stehen, reicht ein Blick auf die Heim-Statistik des Fünften der spanischen Liga. Elf Siege stehen da in dieser Saison aus elf Heimspielen im Eurocup zu Buche. Einmal bekam auch Alba die Wucht der Valencianer in dieser Atmosphäre bereits zu spüren. Und die Fans der Spanier werden alles tun, um ihre Halle zum zweiten Mal in eine Hölle für die Albatrosse verwandeln.

Angst haben diese vor dem Hexenkessel in Valencia-Orange jedoch nicht. Ganz im Gegenteil. Der Heimsieg vom Freitagabend hat Rückenwind gegeben. Emotional und sportlich. Er hat schwarz auf weiß gezeigt, dass die Spanier für Alba aller herausragenden Qualitäten zum Trotz ein schlagbarer Gegner sind - zumindest dann, wenn alles passt. So war es ein selbstbewusster Außenseiter, der sich aus dem Berliner Usselwetter auf gen Süden machte. "Wir haben alle eine positive Anspannung. Aber wir freuen uns alle, auf dem Level messen zu können", beschrieb Joshiko Saibou - tief in seiner Kapuze versteckt - kurz vor der Abreise die Alba-Gefühlswelt gegenüber dem rbb.

Gegner unter Druck

Helfen könnte den Berlinern, dass die Favoritenrolle beim Gegner liegt. Alba will gewinnen und sich endlich in einem Finale auch einmal wieder mit einem Titel belohnen. Valencia muss hingegen siegen. Es ist eine Situation, die - je nach Verlauf des Spiels - zum psychologischen Vorteil für Alba werden könnte. "Sie haben den Druck, zuhause gewinnen zu müssen", sagte auch Kapitän Niels Giffey. Einmal zerbrachen sie bereits daran. Vor zwei Jahren war das.

Damals startete Valencia auch mit einem Sieg in die Finalserie. Der Gegner? Malaga. Doch dann setzte es in den folgenden zwei Spielen zwei Niederlagen. Die entscheidende Partie ging in eigener Halle verloren. Valencia und seine Fans mussten dem spanischen Konkurrenten beim Feiern zusehen. Einige Spieler von damals sind auch dieses Mal wieder dabei. "Die haben da echt ein Trauma", sagte Baldi der dpa. Ziel muss es deshalb sein, "in ihre Köpfe zu kommen". "Wir müssen sie zum Nachdenken bringen", sagte der Manager.

Euroleague als Belohnung

Dafür gilt es, sich noch einmal zu steigern - sprich: die bereits fulminante Heimspiel-Leistung zu krönen. Die Albatrosse brauchen im Pabellón Fuente de San Luis nicht weniger als das perfekte Spiel. Potenzial zur Steigerung sehen sie bei Alba. Die Leistungsgrenzen seien noch nicht ausgereizt. "Es gibt noch vieles, was wir besser machen müssen", sagte Guard Martin Hermannsson. Vor allem die vermeintlich leichten Würfe sollten im dritten Finale sitzen, um Valencia ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Und vielleicht am Ende tatsächlich Historisches zu schaffen.

Der Titelgewinn würde einen beeindruckenden Weg belohnen, den die Berliner unter Trainer Aito Garcia Reneses gegangen sind. Ja, er würde ihn zu einem (Etappen-)Ziel führen. Und das Meisterstück des jungen Alba-Teams mit seinem 72-jährigen Coach hätte auch Strahlkraft für die Zukunft. Mit einem Erfolg wäre Alba ein Startplatz in der Euroleague sicher, der Eurocupsieger ist in der kommenden Saison in der Königsklasse automatisch gesetzt. "Die Mannschaft und der ganze Verein wollen dahin", kündigte Baldi an.

Sendung: rbb UM6, 14.04.2019, 18 Uhr

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