Pal Dardai (Trainer Hertha BSC) hebt die Schultern enttäuscht am Spielfeldrand beim Spiel Hertha BSC Berlin gegen Fortuna Düsseldorf am 06.04.2019 (Bild: imago/Bernd König)
Audio: Inforadio | 14.04.2019 | Julia Metzner | Bild: www.imago-images.de

Fünfte Hertha-Pleite in Folge - Der Druck auf Dardai wächst

Hertha BSC hat in Hoffenheim die fünfte Niederlage in Folge kassiert. Die sportliche Krise unter Trainer Pal Dardai spitzt sich zu - die Zeichen verdichten sich, dass Hertha-Rekordspieler Dardai nicht auch Rekordtrainer wird.

Immer wieder schaffte es die Sonne über dem Hoffenheimer Stadion durch die ansonsten dichte Wolkendecke zu brechen. Sie sorgte am Sonntagmittag dafür, dass zumindest in der Baden-Württembergischen Fußball-Provinz ein wenig Frühlingsatmosphäre aufkam.

Bei Hertha BSC war die Stimmung nach vier Niederlagen in Folge zuletzt hingegen abgekühlt. Coach Pal Dardai setzte nach dem Spiel gegen Düsseldorf (1:2) zur umfassenden Medienschelte an und auch das Verhältnis zwischen dem Trainer und der sportlichen Führung scheint zum ersten Mal leichte Risse zu erfahren. Zu unterschiedlich sind die Erwartungen - an die aktuelle Saison und die perspektivische Ausrichtung des Vereins. Die Lage wird sich nach der neuerlichen Niederlage bei der TSG Hoffenheim kaum entspannen.

Hoffenheim startet druckvoll

Angespannt ist auch die Personallage bei den Herthanern. So musste Dardai neben den ohnehin verletzten Marko Grujic, Arne Maier, Vladimir Darida, Jordan Torunarigha und Fabian Lustenberger kurzfristig auch auf Niklas Stark verzichten, der zwar auf der Bank saß, mit einem leichten Infekt aber keine Option für die Startelf war. Die dezimierte Hertha-Elf erlebte einen druckvollen Start der Hoffenheimer Gastgeber. Die Mannschaft von Julian Nagelsmann kam in den ersten acht Minuten zu drei guten Chancen, zwei Mal rettete das Aluminium für Hertha.

Die neu formierte Hintermannschaft hatte große Schwierigkeiten, dem Hoffenheimer Druck stand zu halten. Die Berliner ließen den Gastgebern zu viel Platz, gerade im Strafraum kamen die Hoffenheimer immer wieder zu gefährlichen Abschlüssen. Einzig die schlechte Chancenverwertung sorgte dafür, dass Hertha nicht bereits früh im Spiel zurück lag.

Zwar schaffte es Hertha sich ab der 15. Minute ein wenig zu befreien, die Kraichgauer blieben allerdings trotzdem die überlegene Mannschaft. Sie erspielten sich weitere Chancen und kamen in der 29. Minute zur hochverdienten Führung. Nadiem Amiri wurde knapp 20 Meter vor dem Tor nur halbherzig angegriffen und traf zum 1:0 für seine Mannschaft. Anschließend schaltete Hoffenheim einen Gang zurück, hatte aber auch weiterhin die Kontrolle über das Spiel. Hertha wurde nur durch einen Freistoß von Marvin Plattenhardt in der 35. Minute gefährlich.

    

Hertha wird besser - Hoffenheim erhöht

In der zweiten Halbzeit zeigte sich ein ähnliches Bild: Hoffenheim war weiter überlegen, verpasste es allerdings die Führung auszubauen. Die beste Chance vergab Kerem Demirbay in der 54. Minute. Und so lebte zumindest die Hoffnung weiter bei den knapp 1.100 mitgereisten Hertha-Fans.

So richtig kam ihre Mannschaft aber weiterhin nicht ins Spiel. Hertha hatte zwar mehr Ballbesitz als in der ersten Halbzeit, konnte sich aber kaum gute Torchancen herausspielen. "Wir haben gut dagegen gehalten, aber natürlich hat eine richtige Torchance gefehlt", erkannte auch Plattenhardt. Einzig durch einen Distanzschuss von Maximilian Mittelstädt strahlten die Berliner im zweiten Durchgang Torgefahr aus (69.). Am Ende sollten es 30 Hoffenheimer Torschüsse sein, die fünf Berliner Versuchen gegenüber standen.

Zwar spielten auch die Gastgeber im zweiten Durchgang deutlich zurückhaltender als in der ersten Halbzeit, nutzten aber nun eine ihrer Chancen. Der eingewechselte Reiss Nelson erzielte in der 76. Minute das 2:0. Schiedsrichter Martin Petersen überprüfte den Treffer nochmal, entschied aber nicht wie zunächst vermutet auf Abseits, und gab den Treffer, der gleichbedeutend mit der Vorentscheidung war.

Spekulationen um Dardai-Zukunft

Hertha BSC verliert so auch das fünfte Spiel in Serie. Damit spitzt sich die Krise bei den Berlinern zu - was die Spekulationen zur Zukunft von Pal Dardai weiter anheizt. Zumindest medial. So berichtet der "Kicker" am Sonntagabend, dass beim Hauptstadt-Klub bereits vor der fünften Niederlage in Serie die Suche nach einem Dardai-Nachfolger begonnen hatte, der zur neuen Saison das Team übernehmen soll.

Dardai, mit 286 Bundesliga-Einsätzen aktueller Rekordspieler von Hertha BSC, rangiert bei den Trainern bereits auf Platz drei: mit seit Sonntag 146 Partien nur noch hinter Jürgen Röber (157) und Helmut Kronsbein (212). Der angezählte Trainer wiederholte nach dem Spiel im Interview mit dem TV-Sender "Sky", was er schon unter der Woche betont hatte: "Ich habe schon hundert Mal gesagt: Wenn ich die Weiterentwicklung hier blockiere, dann muss man es mir sagen."

Auch von Michael Preetz gab es in Sinsheim keine Neuigkeiten in der Trainer-Frage. Wie die "Morgenpost" berichtet, habe der Manager jedoch signalisiert, dass der Verbleib von Dardai als Cheftrainer bis zum Saisonende sicher sei - was darüber hinaus geschehe, hingegen noch offen. Das sei das Ergebnis einer Präsidiumssitzung, die unter der Woche stattgefunden habe.

Noch Anfang des Jahres hatte der Verein bekanntgegeben, dass Dardai die Profimannschaft auch in der Saison 2019/20 betreuen werde. Sicher ist in Zeiten der Unsicherheit eines: Am kommenden Sonntag (18 Uhr) geht es weiter gegen Hannover. Und alles andere als ein Sieg gegen das abgeschlagene Tabellenschlusslicht würde den Druck wohl weiter wachsen lassen.

Sendung: rbb24, 14.04.19, 21:45 Uhr

Kommentar

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15 Kommentare

  1. 15.

    Nur den Trainer kritisieren bringt rein garnicht.Die Manschaft muss im Team spielen und das ist leider nicht immer der Fall, wie man als Vereinsmitglied im Stadion sieht.

  2. 14.

    Das Problem ist doch, dass die Hertha für blutleere Auftritte wie in Stuttgart, in Düsseldorf, in Leipzig, zuletzt zu Hause (!) gegen Düsseldorf und gestern bei der TSG keine Härte seitens des Trainers und der Führungsriege erfährt und dem Saisonende gleichgültig entgegentaumelt, im Gegenteil, die Spieler werden gelobt, weil Sie wie gestern eine Position mehr links (Lukas Klünter) oder eine mehr rechts (Maxi Mittelstädt) akzeptabel bekleidet haben, das sind Profis ! In der PK vor dem Spiel (gerade mal insg. 5 Min lang!) traut sich kein Journalist auch nur eine kritische Frage zu stellen, nur um einem dummen, eingeschnappten Kommentar des Trainers zu entgehen! Pal Dardai ist fachlich ein großartiger Trainer, doch anscheinend psychologisch nicht, das hat die ausgebliebene Reaktion im Heimspiel gegen Düsseldorf gezeigt, da wurde jeglicher Kredit vollends verspielt, das eben gilt es nicht, wie Herr Dardai stets nach Niederlagen zu sagen pflegt, mal wieder einfach nur zu akzeptieren!

  3. 13.

    Der Richtige Zeitpunkt !!!!
    Dann aber auch gleich Herrn Dardai und Preetz entlassen.

  4. 12.

    Trainerwechsel jetzt. Der Herr Dardai gibt der Mannschaft keine Impulse mehr.

  5. 11.

    Eine Frage an die Leitung von Hertha, warum muss immer der Trainer die Verantwortung übernehmen. Wäre es nicht mal besser die Spieler zur Verantwortung zu ziehen, wer steht auf dem Spielfeld und spielt eine so schlechte zweite Saison. Der Trainer kann ja nicht die Tore schießen.

  6. 10.

    Manchmal ist frischer Wind gar nicht so schlecht. Bei allem Verdienst eine langjährigen Trainers, wenn der Mannschaft regelmäßig in der 2 Saisonhälfte die Luft ausgeht, sollte es der sportlichen Führung auch erlaubt sein, den Trainer in Frage zu stellen.
    Wenn die Hauptstadt nicht mal einen erstklassigen 1. Liga Verein bieten kann, muss sich aber auch die sportliche Leitung fragen, was sie falsch macht. Professionelle ist anders!

  7. 9.

    Es ist traurig, dass die größte deutsche Stadt und Hauptstadt, im Fußball nur Mittelmaß ist. Sponsoren müsste man doch wohl finden können, wenn man denn wollte, um auch mal Fußballspieler zu verpflichten, die die " Alte Dame Hertha " mal eine Meisterschaft bescheren. Verdient hätten es die Fans mal !

    Es scheinen einige Verantwortliche im Verein zu sein, die diese gar nicht möchten. So zumindest kommt es mir in den letzten ca. 30 Jahre vor. Einst sagte ein guter Freund zu mir: …." Hertha ist eine " tote " Mannschaft…."


    Vielleicht müsste man mal die komplette Führungsmannschaft auswechseln, ein Versuch wäre es wert.

  8. 8.

    Seit fast 50 Jahren Herthaner und wieder grüßt das Murmeltier... Wieso ist da keine Konstanz in der Saison? Die Rückrunde zeigt wieder mal: Dardai ist ein guter, aber kein hervorragender Trainer! Wenn es mal weiter nach oben gehen soll, brauchen wir einen besseren und konsequenteren Trainer. Sorry, Pal!

  9. 7.

    Das sehe ich ähnlich. Ich denke, dass Dardai alles für die Hertha gibt.

    Die Frage ist halt, was der Kader hergibt und wo man sich als Verein von den Erwartungen her verortet.

    Klar kann man es mal mit einem neuen Trainer versuchen. Aber zum einen finde ich es wichtig, dass man dann Pal Dardai mit allen ihm gebührenden Ehren verabschiedet bzw. wieder an anderer Stelle im Verein einbindet.
    Und zum andereren möge man sich dann bitte innerhalb des Anhangs nicht darüber beklagen, falls ein solcher Schuss nach hinten losgehen sollte und die Hertha sich eventuell in der Zweiten Liga wiederfindet.
    Schon manch anderer Verein hat sein Potential völlig überschätzt und sich, vielleicht auch durch Medien und (virtuellem) Fan-Stammtisch befeuert, Ziele ausgerufen, welche überhaupt nicht den realen Gegebenheiten entsprachen.

  10. 6.

    Dardai ist der einzige in der sportlichen Führung, der es verdient hat für diesen Verein zu arbeiten. Was kann Dardai für die Zusammenstellung des Kaders und die vielen unglücklichen Verletzungen. Geht Dardai kann Herr Preetz sofort seine Sachen packen. Die wahren Fans werden das nicht verzeihen. HA HO HE

  11. 5.

    Ich denke und wenn ich das richtig verstanden habe ist diesmal nicht die sportliche Leistung der Spieler und deren nicht vorhandener Ehrgeiz zum Gewinnen, sondern wieder die Presse schuld an dieser Niederlage :-)
    Vielleicht sollte man den Stadion- Neubau ( so wie beim BER ) einfach mal nach hinten verschieben und die eine oder andere Million in den Kader stecken, denn Konkurrenz belebt das Spiel ;-)
    Mir tun alle Dauerkartenbesitzer leid, denn die werden leider keine Rückerstattung für verkorkste spielerische Leistungen und der Mannschaft erhalten im Gegensatz zu den Gratifikationen der Spieler.

  12. 4.

    ...das sehe ich auch so! Das liegt nicht an der Größe des Stadions. Das ist einfach Quatsch! Hertha ist und bleibt Mittelmaß und gibt sich damit leider auch immer wieder zufrieden. :-( Beschämend!!! Ich erinnere mich an die Hinrunde, als sie mal kurz auf Platz 1 standen und träumten, sie gewinnen jetzt alles... Ich dachte nur, wartet mal die Rückrunde ab, dann seid ihr - wie in jeder Saisson - wieder nur Mittelmaß und genaus so ist es gekommen... Der wenig kämpferisch wirkende Trainer wird vom ebenso auftretenden Manager gespiegelt... Typisch Berlin! Nix gebacken bekommen... Das arme Eisbärenmädchen bekommt jetzt schon graue Haare...

  13. 3.

    Und wöchentlich grüßt das Murmeltier. 30:5 Torschüsse.
    Peinlich nur noch peinlich. Und Herr Dardai wird es wieder schön reden. Handeln Sie endlich Herr Preetz oder sind sie auch ein Teil des Problems??

  14. 2.

    Das sind die versprochenen 10% vom Trainer? Die fünfte Klatsche hintereinander für die Hertha?
    Dafür MUSS unbedingt ein neues Stadion her.

  15. 1.

    Andere Vereine können im Oympiastadion gewinnen und bei sich zuhause. Hertha weder zuhause noch auswärts. Ein Schelm , wer denkt, dass sich das für Hertha mit einem kleinen eigenen Fußballstadion ändert. Spielerfolg sollte nicht vom Stadion sondern vom Können abhängen.

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