Symbolbild: Ein Billardtisch mit Kugeln (Quelle: Billardmagazin Touch)
Video: rbb24 | 24.04.2019 | Simon Wenzel | Bild: Billardmagazin Touch

Europameisterschaft in sieben Disziplinen - Billard-Mekka Brandenburg an der Havel

Zum vierten Mal in Folge finden in Brandenburg die Billard-Europameisterschaften statt. In den kommenden elf Tagen blicken Fans der Sportart auf die Stadt an der Havel. Zu verdanken ist das einer unermüdlichen Frau.

Helga Blawid ist in ihrem Element. Im Stahlpalast in Brandenburg an der Havel gibt die 71-Jährige letzte Anweisungen: Werbebanden aufstellen, Abläufe durchsprechen. Denn am Donnerstag starten die Billard-Europameisterschaften. Bereits zum vierten Mal in Folge ist die Stadt Austragungsort der kontinentalen Wettkämpfe.

Helga Blawid (Quelle: rbb)
Helga Blawid holte die EM 2013 nach Brandenburg an der Havel. | Bild: rbb

Der Nachwuchs fehlt

Eingefädelt hat das Helga Blawid. Seit fast 50 Jahren spielt, unterrichtet und lebt die kleine Frau mit den kurzen, leicht verwuschelten Haaren ihren Sport. Billard ist zu ihrer Lebensaufgabe geworden. "Die Faszination ist: Die Bälle machen nicht immer das, was man will", erklärt sie, "aber überwiegend", und lacht. Meist spielt sie Kegelbillard. Mit dem Ball müssen dabei kleine, wenige Zentimeter große Perlmutt-Kegel umgestoßen werden. Diese Variante wird auch bei den Europameisterschaften gespielt, eine von insgesamt sieben Disziplinen.

Konzentration und Ausdauer brauche man für den Sport. "Und man muss natürlich auch Talent mitbringen." Davon gab es früher reichlich, in der DDR war Billard vor allem in Brandenburg groß. Inzwischen muss die 71-Jährige viel investieren, um junge Mitglieder für ihren Verein Stahl Brandenburg zu gewinnen.

"Da kann man schon stolz sein"

Anders ist das mit den Zuschauern. "Die Stadt hat sich langsam zum Billard-Mekka entwickelt", berichtet Blawid stolz. Kostenlos können Sportbegeisterte an allen elf Wettkampftagen die Spiele verfolgen. Per Livestream werden die Partien außerdem in die ganze Welt übertragen. Die deutschen Starter hoffen natürlich auf eine Medaille. Die Spitzenreiter aber sind andere. "Die Favoriten sind eigentlich die Italiener. Diese Sportart ist in Italien Volkssport wie in England der Fußball. Die haben ein paar Millionen Mitglieder, das kann man nicht vergleichen", erklärt die Organisationschefin.

Apropos Italien: Da werden bei Helga Blawid Erinnerungen wach. Sie hält einen großen internationalen Pokal in der Hand, ein Ehrengeschenk. "2006 konnte Italien die Pool-Meisterschaft nicht stattfinden lassen", berichtet sie. "Wir haben dann die Europameisterschaft innerhalb von genau vier Monaten auf die Beine gestellt. Da kann man schon stolz drauf sein."

Der Stahlpalast während der Billard-EM 2017 (Quelle: Billardmagazin Touch)Spannung an allen Tischen: Zeitgleich werden mehrere Spiele in verschiedenen Disziplinen ausgetragen.

Anspannung bis zur Eröffnungsfeier

An Erfahrung mangelt es der unermüdlichen Brandenburgerin nicht. Und dennoch: Bis zur offiziellen Eröffnungsfeier steht sie voll unter Anspannung. "Wenn die vorbei ist, macht es erst 'plumps'", sagt sie. 

Ob sich die 71-Jährige auch nach der EM weiterhin um die Organisation der Wettbewerbe kümmern will, soll im Anschluss entschieden werden. "Schauen wir mal, was die Zukunft bringt." Mehr sagt sie noch nicht. Doch im Moment, so scheint es, geht nichts ohne Helga Blawid.

Sendung: rbb24, 24.04.2019, 21:45 Uhr

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