Jugendbowler aus Premnitz (Quelle: rbb/ Siegemund)
Audio: Antenne Brandenburg | 13.04.2019 | Johanna Siegemund | Bild: rbb/ Siegemund

Brandenburger Jugendliche trainieren für EM - "Bowling ist mehr als nur ein Kneipensport"

Für die Brandenburger Jugendlichen Pauline Krause und Paul Purps ist Bowling mehr als eine Abendbeschäftigung. Sie trainieren gerade für die Jugend-Europameisterschaft. Die Aussichten sind aber schwierig. Von Johanna Siegemund

Der Ball klebt fast in seinem Gesicht, den Blick hat Paul fest auf die glänzende Bahn fokussiert. Dann setzt er die schwarze Kugel ab, nimmt Anlauf und wirft sie mit sichtbar viel Kraft auf sein Ziel: die Pins, die kegelartigen Figuren, die am Ende der Bowlingbahn stehen. Wenn der 15-Jährige einen Strike hat, also alle Pins gleichzeitig umwirft, freut er sich - aber so richtig zählen für ihn eigentlich nur mehrere Strikes hintereinander.

Seit zehn Jahren spielt Paul Purps Bowling - aber eigentlich war er schon immer auf der Bahn. Eine gehörte seinem Opa, der heute Pauls Trainer ist. Paul sagt: "Bowling ist mein Leben."

Nachwuchsschmiede im Havelland

Dieses Leben verbringt er zu einem großen Teil auf der Bahn im havelländischen Premnitz. Hier trainieren selbst Deutsche Meister. Vor knapp zwei Jahren wurde die 9.000-Einwohner-Stadt zum alleinigen deutschen Bundesstützpunkt für den Sport Bowling, bei dem die Kugel tatsächlich Ball genannt wird, auserkoren. Die unzähligen Pokale und Medaillen zeigen: Viele Karrieren haben in dieser Halle begonnen. Aber viele kommen auch nur zum Spaß vorbei - oder zum Schulsportunterricht.

Die Brandenburger Pauline Krause und Paul Purps trainieren für die Jugend-Europameisterschaft im Bowling (Quelle: rbb/Siegemund)
Pauline Krause und Paul Purps beim Training | Bild: rbb/Siegemund

Training für Jugend-Europameisterschaft

So steht auf der einen Seite der Bahn eine Gruppe jüngerer Schüler. Sie werfen immer mal wieder einen Ball auf die Bahn, treffen ein paar Pins und lachen. Auf der anderen Seite feuern Paul und seine Kollegin Pauline Krause die Kugeln konzentriert im Sekundentakt in Richtung Ziel. Selten bleiben mehr als ein bis zwei Pins stehen. 

Die 17-jährige Pauline trägt ein "Team Germany"-Shirt und rennt mit einem lilafarbenen Ball auf die Linie zu – es sieht ein Stück schwebender aus als bei Paul. Pauline ist durch ihre Mutter, die hier arbeitet, zum Bowling gekommen. In Premnitz gebe es eben nicht so viele Möglichkeiten, was man sonst machen könnte, sagt sie. Als sie bei ihrem ersten richtigen Wettkampf 2012 den zweiten Platz belegte, trainierte sie noch mehr - mit Erfolg: Bei der Deutschen Meisterschaft holte sie die Silbermedaille.

Jetzt bereitet sie sich mit Paul auf die Jugend-Europameisterschaft in Wien vor. Gemeinsam mit sechs anderen Jugendlichen haben es die beiden Brandenburger in den Kader geschafft. Das liege aber nicht nur an ihrem Talent, sagt der Bundestrainer Peter Lorenz: "Sie sind sehr ehrgeizig und haben sich das alles hart erarbeitet."

Das Klubhaus der Jugendbowler aus Premnitz (Quelle: rbb/ Siegemund)
Willkommen im Bundesstützpunkt: Das Klubhaus der Premnitzer Bowler. | Bild: rbb/ Siegemund

Dritter Platz bei der Jugend-WM in Paris

Wirklich aufgeregt wirken die beiden ein paar Tage vor dem sportlichen Höhepunkt aber nicht. Nach jedem Wurf wird abgeklatscht, denn in Wien werden sie nicht nur einzeln antreten, sondern auch als Mannschaft. Für Pauline ist es das erste internationale Turnier. Sie hoffe vor allem, "dass das als Team gut klappt und wir auf die vorderen Plätze kommen". Von sich selbst erwarte sie lediglich, dass sie "nicht ganz so schlecht" ist und zumindest ihren Schnitt spielt, sagt sie.

Pauls Vorstellungen sind da deutlich ambitionierter: Er will in die Top 15 und mit etwas Glück reicht es ja vielleicht für eine Medaille. Das Selbstbewusstsein schöpft er aus seinem bisher größten Erfolg: Der Bronzemedaille bei der Jugendweltmeisterschaft in Paris vor wenigen Wochen. Richtig verarbeitet habe er das aber noch nicht, sagt Paul: "Dritter Platz auf der Welt? Das ist schon krass."

Nicht so der klassische Frauensport

Insgesamt 26 Nationen sind bei der Europameisterschaft vertreten. Eine Woche lang werden sie sich in Team-, Doppel-, und Einzelwettbewerben messen. Immer geht es darum, wer die meisten Pins trifft – nach Geschlechtern getrennt. 96 Jungs und 65 Mädchen treten an.

Bowling sei nicht so der klassische Frauensport, sagt Pauline. Dass sie Gefallen daran gefunden habe, liege auch am Umfeld: "Mir ist mal aufgefallen, wie viele Menschen ich eigentlich dadurch kenne." Ein Fünftel ihres Tages bestehe aus Bowling - viel Zeit für eine Schülerin, die gerade mitten in ihren Abiturprüfungen steckt. Aber sie sei auch in der Schule ehrgeizig, lerne nach dem Training, sagt Pauline.

Der Traum von Olympischen Spielen

Nach dem Abitur will Pauline am liebsten studieren, Lehramt zum Beispiel findet sie "praktisch". Vom Bowling könne ja keiner in Deutschland leben. In der Nähe bleiben würde sie trotzdem gerne.

Paul sieht seine Zukunft ganz anders: Er will nach Amerika oder nach Asien. Dorthin, wo man mit Bowling auch Geld verdienen könne.

Das sei das Problem, sagt auch Bundestrainer Peter Lorenz: Sportarten, die nicht olympisch seien, erhielten weniger Beachtung. So steht beispielsweise auch bei Premnitz seit Ende 2018 die Verlängerung des Status' als Bundesstützpunkt aus. Die müssen das Bundesinnenministerium und der Deutsche Olympische Sportbund gewähren.

Doch die Regel ist: Nichtolympische Sportarten warten länger. Zwar stand Bowling für die Olympischen Sommerspiele in Tokio 2020 in der engeren Auswahl, gereicht hat es aber nicht. Peter Lorenz hofft nun auf die Olympischen Spiele in Paris 2024.

Paul Purps wünscht sich in jedem Fall, dass Bowling nicht nur immer mit Kneipensport und Biertrinken verbunden wird: "Man sieht nicht, dass viel dahintersteckt." Aber: "Bowling ist eine Wissenschaft für sich. Bis man das Wissen alles zusammen hat, dauert es schon ein paar Jahre", sagt er.

Beitrag von Johanna Siegemund

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