Umringt von Fans: Der scheidende Hertha-Chefcoach Pal Dardai. (Quelle: imago/Matthias Koch)
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Video: rbb UM6 | 17.04.2019 | Jörg Hellwig | Bild: imago/Matthias Koch

Hertha-Kieztraining in Kreuzberg - Ganz viel Wehmut

Sonnenschein, 700 Fans und ein entspannter Pal Dardai inmitten von Anhängern im Selfie-Fieber: Beim Kieztraining von Hertha BSC in Kreuzberg schien es so, als sei alles wie immer. Aber eben nur fast. Das Aus des Trainers zum Saisonende bewegte die Zuschauer.

Frank hat ein altes Dardai-Trikot mitgebracht. Rückennummer? Natürlich die 8. "Ich hoffe, da kommt jetzt gleich noch die Unterschrift von ihm drauf", sagt er. Der Mann - geschätzt Mitte vierzig, Jeanshemd, Sonnenbrille - steht im Willy-Kressmann-Stadion in Kreuzberg. Eigentlich spielt hier Türkiyemspor in Berlins sechster Liga. An diesem Nachmittag sind die Hertha-Profis auf ihrer Kiezkicker-Tour zu Besuch. Ein Termin, wie es ihn in dieser Spielzeit schon öfter bei verschiedenen Amateur-Klubs gab. Und doch ist es diesmal anders.

Es liegt an dem Mann, dessen Name auf dem Trikot steht. Gerade einmal gut 24 Stunden ist bekannt, dass Pal Dardai zu Saisonende seinen Cheftrainer-Posten abgeben muss, als er aus dem Bus zu den Zuschauern steigt. Und wer mit ihnen spricht, bekommt zumindest eine Ahnung, was in der Fan-Seele vorgeht. "Er ist ein super Trainer gewesen", sagt Frank - und man spürt, dass ihm die ganze Sache nahe geht. Weil Dardai für ihn eben mehr ist als nur der Mann an der Seitenlinie. "Er hat seinen Jungs immer beigestanden und Dinge intern geklärt. Wirklich ein ganz fantastischer Mensch ist das. Und mir tut es in der Seele leid, dass er aufhört."

"Extrem viel für den Verein getan"

Und das Stadion von Türkiyemspor ist an diesem fast sommerlichen April-Tag ein Ort der vielen Franks. Rund 700 Menschen sind gekommen. Natürlich um Spaß zu haben, den Spielern ganz nah zu sein, mit ihnen zu kicken. Das war bei den öffentlichen Trainings im Stadtgebiet immer so - und ist auch in Kreuzberg nicht anders. Aber gleichzeitig ist eben doch auch große Wehmut zu spüren.

Sie wollen ihn nicht gehen lassen. Nicht bei der Kiezkicker-Tour. Und eigentlich - so bekommt man beim ein oder anderen den Eindruck - auch überhaupt nicht. Autogramme, Selfies oder einfach nur ein Schulterklopfer, der Zuspruch für den Noch-Chef ist groß. "Pal Dardai passt eben wie die Faust aufs Auge zu Hertha", sagt Detlev, seit Jahrzehnten Fan des Vereins - aber betont auch: "Vielleicht setzt ein neuer Trainer doch auch neue Impulse."

Pal Dardai selbst spricht beim öffentlichen Training nicht offiziell. Dafür tun es andere aus der Mannschaft über ihn. Innenverteidiger Niklas Stark zum Beispiel. "Er hat vier Jahre extrem viel für den Verein getan und hat es verdient, jetzt auch hier gefeiert zu werden", sagt der 24-Jährige. "Ich denke mal, wir werden ihn nach der Saison auch noch mal feiern. Davor haben wir noch ein paar schwere Spiele vor uns, da müssen wir punkten, um das Trainerteam gelungen zu verabschieden." Ähnlich klingt es auch bei seinem österreichischen Mannschaftskollegen Valentino Lazaro - Selbstkritik inklusive: "Uns Spielern ist natürlich klar, dass wir auch stark dazu beigetragen haben, weil wir in letzter Zeit nicht die Leistung auf dem Platz gebracht haben."

Wer wird Nachfolger?

Frank will noch nicht über mögliche Nachfolger sprechen. Nicht zumindest, solange Dardai noch Trainer ist. Aus Respekt. Bei anderen Fans wird aber durchaus fleißig spekuliert. Viele Namen sind dabei. Die Bandbreite ist groß. Von Peter Neururer bis José Mourinho ist von den Fans in Kreuzberg alles zu hören. Wer auf der ernsthaften Kandidaten-Liste von Manager Michael Preetz steht? (Noch) ein großes Geheimnis. Sicher ist an diesem Nachmittag in Kreuzberg jedenfalls eines: Egal wer es wird - die Fan-Herzen muss er erst einmal wie Pal Dardai erobern.

Wer wird neuer Hertha-Trainer?

Sendung: rbb UM6, 17.04.2019, 18.00 Uhr

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