Im Mittelpunkt der Spekulationen: Hertha-Trainer Pal Dardai. / imago/Metodi Popow
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Audio: Inforadio | 15.04.2019 | Kommentar von J. Rüger und L. Becker | Bild: imago/Metodi Popow

Pro und Contra - Ist Pal Dardai noch der richtige Trainer für Hertha BSC?

In Hoffenheim gab es für Hertha BSC die fünfte Pleite in Folge. Da macht die Kritik auch vor Pal Dardai nicht halt. Ob er über die Saison hinaus Trainer bleibt, scheint mehr als unklar. Ist er noch der Richtige? Ein Pro und Contra von Jakob Rüger und Lars Becker

PRO: "Pal Dardai hat Vertrauen verdient", sagt Jakob Rüger.

Keine Frage: Auch mich nervt die Inkonstanz von Hertha BSC. Auf eine ordentliche Hinrunde folgt eine schwache zweite Saisonhälfte. Das wird sich auch in dieser Spielzeit wieder nicht ändern. Doch wird mit einem neuen Trainer wirklich alles anders, alles besser?

Klar kann man sich einen innovativen Trainer à la Thomas Tuchel wünschen, der begeisternden Offensiv-Fußball spielen lässt. Doch von einem solchen Trainertypen träumen gerade viele Bundesligisten, fragen Sie nach bei Schalke, Stuttgart oder Wolfsburg! Wie viele solcher Übungsleiter sind auf dem Markt, sind bezahlbar und lassen sich nach Berlin locken?

Eine Garantie für erfolgreiche Arbeit gibt es auch mit einem neuen Trainer nicht. Pal Dardai kennt Hertha BSC nach 22 Jahren wie kaum ein anderer. Er hat es geschafft, den Verein zu stabilisieren und ihn erfolgreich von der Abstiegszone fernzuhalten - auch wenn die Entwicklung zuletzt etwas stockte. Der Ungar arbeitet erfolgreich mit jungen Spielern, setzt auf den eigenen Nachwuchs auch in kritischen Situationen.

Beschwert hat sich der Trainer nie, weder über das knappe Budget noch über die immer länger werdende Verletztenliste, die ihm in den vergangenen Wochen zum Verhängnis wurde. Pal Dardai hat in seiner ersten richtigen Krise Vertrauen verdient.

CONTRA: "Pal Dardais Kredit scheint aufgebraucht", urteilt Lars Becker.

Pal Dardai ist eine Integrationsfigur für Hertha BSC. Durch seine Adern fließt bekanntlich blaues Blut. Und ja: Dardai hat die Mannschaft sichtbar weiterentwickelt. Noch im Herbst - nach dem Sieg gegen die Bayern - schwärmte Berlin von der besten, kreativesten und talentiertesten Hertha-Manschaft seit Jahren.

Lange her, seit Monaten stimmen weder Leistung noch Ergebnisse. Ein weiterer Rückrunden-Absturz mit einer Serie an Niederlagen, uninspirierten Vorstellungen - ohne den unbedingten Wille zum Erfolg. Die Euphorie ist längst Ernüchterung gewichen.

Aber es sind nicht nur die blanken Zahlen und enttäuschenden Auftritte. Pal Dardai redet die Auftritte seiner Mannschaft schön, lässt berechtigte Kritik mehrerer Profis an Einstellung und Leidenschaft nicht gelten, macht eine überzogene Erwartungshaltung der Medien für die Negativ-Entwicklung mitverantwortlich. Das sei "geplanter Mord". Unsinn.

Dardais Mantra, wenn er die Weiterentwicklung blockiere, müsse man es ihm nur sagen, klingt zudem inzwischen trotzig und beleidigt. Dardai ist dünnhäutig geworden. Selbst bei seinen größten Unterstützen, den Hertha Fans, wird die Arbeit von Publikumsliebling Dardai zunehmend kritisch beurteilt. Der Kredit scheint aufgebraucht.

Der Rekordspieler Dardai hat sich genauso wie der Trainer Dardai im Klub immense Verdienste erworben, nicht zuletzt auch durch seine offene, direkte und unprätentiöse Art. Trotzdem wäre es wohl besser, wenn die Ära Dardai bei Hertha BSC im Sommer enden würde.

Sendung: Inforadio, 15.04.2019, 17 Uhr

Beitrag von Jakob Rüger und Lars Becker

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Ich denke, dass man auf der Position des Managers mal einen neuen Impuls setzen sollte, und zwar im Sommer 2019 !
    Pal Dardai identifiziert sich 100 % für Herha ! Wo gibts das noch, außer in Freiburg ? Er ist kein Söldner, der von verein zu Verein zieht. Das gilt es mal zu wertschätzen und hier hätte der Verein / das Präsidium mal ein Zeichen setzen können ! Stattdessen hat man mal wieder hochtrabende Pläne. Wo die hingeführt haben, sollte jeder noch in Erinnerung haben. Wem die Außendarstellung von Pal Dardai nicht gefällt, könnte ihm ja einen Pressesprecher an die Seite stellen. er ist trainer und muss nicht so auftreten, dass alle zufrieden sind in dieser so medienbesessenen welt. wichtiger wäre gewesen, einen guten co-Trainer wieder zu finden. Außerdem sollte man nicht vergessen, dass wichtige Spieler nicht zur Verfügung standen und dann nach 5 verlorenen Spielen die reißleine zu ziehen ist ein Armutszeugnis und eigentlich eine Unverschämtheit gegenüber Pal Dardai.

  2. 5.

    Wenn man Dardai etwas zugute halten kann, dann dass er Hertha in den letzten Jahren aus der Abstiegszone rausgehalten hat. Vielmehr aber auch nicht. Ich kenne keinen einzigen Spieler den er besser gemacht hat.

  3. 4.

    Hertha arbeitet aufgrund von fehlenden finanziellen Mitteln mit jungen Talenten auch aus dem eigenen Nachwuchs. Das benötigt Zeit und Geduld. Auch ein neuer Trainer muss mit dem Personal arbeiten was zur Verfügung steht. Andere Vereine investieren jede Saison Millionen in die Mannschaft. Pal ist absolut der richtige Trainer. Er kennt den Verein und die Talente. Es glaubt doch keiner das ein neuer Trainer besser abschneiden wird. Das ist unrealistisch. Pal ist auch der Sympathieträger für Hertha im Gegensatz zu Praetz. Der Verein muss Ruhe bewahren die Mannschaft zusammenhalten und dann wird auch mehr möglich sein aber nur wenn andere Vereine mit deutlich höhere Etats schwächeln. Ich finde die Diskussion um Pal unerträglich

  4. 3.

    Pal Dardai ist das Beste, was Hertha in den ketzten Jahren passiert ist. Inzwischen scheinen sich - bei vielem Verständnis für ehrgeizige Ziele und Visionen - aber hochtrabende Hirngespinste in einigen Entscheider-Köpfen eingenistet zu haben. Wer auf Basis der für Hertha verfügbaren Ressourcen mehr will, als derzeit abgeliefert werden kann, sollte daran denken, dass Hochmut vor dem Fall kommt. Auch Dieter Hoeneß wollte mal die Realität verbiegen. Wo Hertha anschließend gelandet ist, sollten alle noch einmal nachlesen, falls sie es schon vergessen haben. Deshalb: Weiter mit Pal Dardai, auch wenn es noch weitere Jahre dauert, ehe Hertha internationale Klasse hat.

  5. 2.

    Solange Herr Preetz da ist, wird es nie einen richtigen Trainer für Hertha geben.

  6. 1.

    Warum einen Trainer verlieren, der immer hinter seiner Mannschaft steht. Die Spieler verdienen doch genug Geld, also bitte auch abliefern.

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