Tüftelt an einer "verrückten Idee" gegen Werder Bremen: Hertha-Traibner Pal Dardai. / imago/Bernd König
Audio: Radioeins | 17.04.2019 | Interview mit Daniel Memmert | Bild: imago/Bernd König

Interview | Sportinformatiker Daniel Memmert - "Trainerwechsel haben nur kurzfristig einen minimalen Effekt"

Sechs Trainerwechsel gab es bislang in der laufenden Bundesliga-Saison, vier weitere stehen zum Saisonende bereits fest. Der Übungsleiter ist das schwächste Glied und oft erster Leidtragender einer Negativserie. Doch warum ist das so?

Eine Frage, die Fußballfans immer wieder beschäftigt: Bringen Trainerwechsel überhaupt etwas? Seit bekannt wurde, dass Hertha-Coach Pal Dardai am Ende der laufenden Saison ersetzt werden wird, auch für die Hauptstadt wieder eine relevante Frage. An deren Beantwortung sich unter anderem auch Sportinformatiker Daniel Memmert und seine Studierenden an der Deutschen Sporthochschule in Köln versuchen.

rbb|24: Warum muss eigentlich meist der Trainer dran glauben, wenn der sportliche Erfolg einer Mannschaft ausbleibt?

Daniel Memmert: Der Trainer ist tatsächlich immer das schwächste Glied in der Kette. Das ist eine Person. Man kann natürlich nie den ganzen Kader auswechseln, so trifft es ihn. Auch wenn er vielleicht in dem Moment gar nicht so viel falsch gemacht hat.

Wenn Sie auf die Statistik schauen: Was bringt denn ein Trainerwechsel? Nutzt der wirklich etwas?

Da gibt es unterschiedliche Studien. Die kommen zu dem Ergebnis: Ein Trainerwechsel hat ganz kurzfristig einen minimalen Effekt. Aber sobald wir über einen Zeitraum von 15 oder 20 Spielen sprechen, hat das keinen Effekt mehr. Die Erklärung ist einfach: Die Spieler bleiben ja die gleichen. Der Kader bleibt gleich. Klar, kommt mal einer rein und geht einer raus. Es gibt immer neue Chancen, sich zu finden oder neue taktische Pläne umzusetzen. Aber nachhaltig ist das nicht. Erfolgreich wird es oft erst, wenn ein Trainer langfristig im Verein ist. Dafür gibt es auch gute Beispiele.

Es ist davon auszugehen, dass auch die Bundesliga-Vereine das wissen. Warum entlassen die trotzdem fleißig weiter?

Dafür gibt es viele Gründe. Einer davon ist sicherlich die Erwartungshaltung, das geht über die der Vereinsführung und des Aufsichtsrates hinaus. Da spielen natürlich auch Fans und die Presse eine große Rolle. Wenn die Erwartungshaltung nicht übereinstimmt mit den Ergebnissen der Mannschaft, dann wird es ungemütlich. Und dann werden oft Konsequenzen gezogen. Zu beachten ist aber eben auch, dass der Zufall im Fußball eine Rolle spielt – bei erzielten Toren in der Bundesliga sogar 40-50 Prozent. Das ist nicht beeinflussbar. Daher ist die Erwartungshaltung nur schwer zu treffen. Als positives Beispiel ist der SC Freiburg zu nennen: Die Breisgauer bezeichnen sich selbst als Ausbildungsverein, daher ist es gar nicht so wichtig, ob man in der 1. oder 2. Bundesliga spielt. Daher ist die Streuung bei den Erwartungen sehr groß – und der Trainer kann sich langfristig halten. Das ist eine gute Situation für einen Trainer.

Was wäre denn eine Alternative zu einer Trainerentlassung?

Mit dem Trainer weiter zu machen und dann auch zur Not mit ihm in die zweite Liga zu gehen. Dann würde man versuchen, Umbaumaßnahmen am Kader vorzunehmen. Das ist natürlich relativ teuer. Man wird Spieler verkaufen müssen, die ihre Leistung nicht bringen und vielleicht schwer zu verkaufen sind. Und man muss natürlich neue Spieler kaufen, die auch bezahlt werden wollen. Aber das wäre der Weg; nicht unbedingt den Trainer zu wechseln.

Sendung: Radioeins, 17.04.2019, 18.40 Uhr

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3 Kommentare

  1. 3.

    Von Fussball habe ich nicht so richtig Ahnung, gebe ich zu. Aber , als vor nicht allzu langer Zeit Hertha wie Phoenix aus der Asche empor stiegt, war man über Herrn Dardai des Lobes voll. Das ist nicht lange her. Jetzt soll er so schlecht geworden sein, dass er gehen muss. Für mich nicht vorstellbar, dass er seine Trainingsmethoden so ruinös geändert hat. Doch ein "Buh-Mann" wurde gesucht und in Herrn Dardai gefunden. Man sollte eher die Fussball-Spieler nach Leistung bezahlen. Und wem das nicht passt, der geht. Berlin kommt auch ohne Hertha aus, es soll auch noch andere Clubs in Berlin geben.
    Fakt ist, dass ich als Steuerzahler nicht gewillt bin, auch nur einen einzigen Cent für eine neues Stadion zu geben.

  2. 2.

    Ich erinnere mich an Aussprüche von Trainerlegende Ede Geyer, leider werden oftmals die Falschen entlassen. Die sogenannten Profis denken, sie können sich alles erlauben. Multi -kulti ist leider heutzutage Standard im deutschen Fußball. Das Millionengeschäft boomt.

  3. 1.

    Mit anderen Worten: Dass mit einem Trainerwechsel alles besser wird, ist Aberglaube.

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