Pal Dardai gestikuliert am Spielfeldrand. (Quelle: imago/Bernd König)
Video: Statements von Pal Dardai | rbb Sport | 07.04.2019 | Bild: imago/Bernd König

Hertha-Trainer Dardai nach erneuter Niederlage - "Es gibt keine Krise"

Hertha BSC steckt in Schwierigkeiten - und das wirkt sich auf die Stimmung im Verein aus. Spieler kritisieren sich gegenseitig, Manager Preetz fordert eine Entwicklung - und Trainer Dardai holt zu einer deftigen Medienschelte aus. Von Uri Zahavi

Während am Sonntagmorgen die Sonne über dem Schenckendorffplatz in Charlottenburg scheint, braut sich unten auf der Erde ein Sturm zusammen: Hertha-Trainer Pal Dardai hat sich, wie es nach einem Bundesligaspiel üblich ist, vor der Trainingseinheit mit der Mannschaft bereitgestellt, um Fragen der versammelten Journalisten zu beantworten. Was dabei herauskommen würde, war dem ungarischen Übungsleiter im Vorfeld möglicherweise selbst nicht ganz klar.

"Es gibt keine Krise", stellt der 43-Jährige gleich zu Beginn der Fragerunde klar. "Es gibt auch kein Straftraining, alle Abläufe sind wie immer." Während die Worte Dardais Lippen verließen, wirkt er ruhig. Doch ihm war anzumerken: Nach der vierten Bundesliga-Niederlage hintereinander, am Samstag zu Hause gegen Fortuna Düsseldorf (1:2), brodelt es in ihm.

"Das ist sogenannter geplanter Mord"

Die Stimmung sei bei den Spielern "ein bisschen schlecht" und sie müssten die Situation "verarbeiten", berichtet Dardai zunächst noch besonnen. Dann beginnt es, quasi von jetzt auf gleich, aus ihm herauszusprudeln. "Das ist Hertha BSC", beginnt der Coach seinen Monolog. "Wir haben 55 Prozent der Zweikämpfe gewonnen, hatten 60 Prozent Ballbesitz, 13 Torschüsse", resümiert er die Partie gegen den Tabellennachbarn aus Nordrhein-Westfalen im Berliner Olympiastadion. "Das ist Hertha BSC. Das war gestern ein sehr ordentliches Spiel, nur leider haben wir verloren."

Dass Pal Dardai etwas allergisch darauf reagiert, wenn in der Hauptstadt und rund um seinen Verein zu hohe Erwartungen geschürt werden, ist bekannt. Doch an diesem Sonntagmorgen scheint es förmlich aus ihm herauszuplatzen. Wie ein Boxer vor dem Kampf beäugt er seinen Kontrahenten - und schlägt dann zu.

Seine verbalen Faustschläge gelten heute den versammelten Journalisten und Medienvertretern. "Über die Champions League oder Europa League als Ziel zu sprechen - das haben nicht wir gemacht. Das kommt von außen", redet sich der Coach in Rage. "Das ist sogenannter geplanter Mord. Die Erwartungen hoch zu schrauben, um dann Scheiße schreiben zu können. Ab und zu habe ich das Gefühl, ihr lebt von der Schadenfreude. Und das ist nicht gut." Rumms.

"Alles ist in Ordnung, so lange wir nicht absteigen"

Das ausgegebene Saisonziel lautete vor Beginn der Spielzeit: einstelliger Tabellenplatz. Von dem ist man in der Hauptstadt momentan sechs Punkte entfernt, rangiert auf dem elften Rang und somit im Niemandsland der Liga. Einmal heiß gelaufen, fliegen die verbalen Dardai-Attacken Richtung Journalisten im Sekundentakt: "Sport ist fachlich. Es gibt immer wieder eine faire Analyse. Sport ist kein Boulevard."

Nach den Niederlagen in Leipzig (0:5) und gegen Düsseldorf äußerten sich auch Spieler von Hertha BSC kritisch, bemängelten zum Teil fehlenden Fokus und fehlenden Einsatz innerhalb des Teams. "Das ist vielleicht gut für euch", erwidert Dardai sichtlich genervt, als er von einem Journalisten mit den Aussagen konfrontiert wird. "Alles ist in Ordnung, so lange wir nicht absteigen", führt der Ex-Hertha-Kicker aus. "Die Spieler haben nicht versagt. Das ist einfach die Qualität, sorry."

"Natürlich kann der Manager den Trainer kritisieren"

Die Worte des Trainers, das steht sofort fest, werden Kontroversen auslösen. Während der Manager Michael Preetz eine sportliche Entwicklung fordert - und damit natürlich Erfolge meint - fordert Trainer Dardai Zeit. "Natürlich kann der Manager auch mal Druck ausüben und den Trainer kritisieren. Das ist sein Recht."

Obwohl der Hertha-Trainer keine Krise erkennen kann, klingt das doch sehr danach. Bleibt also die Frage zu klären, wie lange die Verantwortlichen bei den Blau-Weißen den Satz "Das ist Hertha BSC", den Dardai an diesem Sonntagmorgen immer wieder gebraucht, noch als Synonym für graues Mittelmaß akzeptieren. Und was mögliche Konsequenzen sein werden.

Sendung: Abendschau, 07.04.2019, 19:30 Uhr

Beitrag von Uri Zahavi

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Antwort auf [Urlauber] vom 07.04.2019 um 17:52
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7 Kommentare

  1. 7.

    Nachsatz zu meinem Kommentar--------Ich vergass zu erwähnen , dass ich einfach beim z. B. ,RBB einen differenziertern, ausgewogeneren,anständigeren, sachlicheren , anspruchsvolleren Journalismus erwarte als bei der "hau drauf" Boulevard Presse, die gerne Menschen gegen einander aufhetzen.Das ist eine grundsätzliche Entscheidung ,die jeder Journalist treffen sollte!Und da sind wir wieder bei der besonderen Verantwortung die Journalisten in unserer Gesellschaft haben.

  2. 6.

    Was heisst hier graues Mittelmass Herr Zahavi, das sind Ihre Ansprüche ,die sie glauben als Journalist stellen zu können.Etwas mehr differenziertheit erwarte ich von einem Journalisten der an die Arbeit Anderer solche Ansprüche stellt.Selbst unterstes Mittelmass bei Journalisten versteckt sich hinter dem Recht der Pressefreiheit.Sie sollten Ihren eigenen Anspruch mal überprüfen.Sonst sind Sie genau dort einzureihen wo leider Gottes einige Journalisten ihr dasein frönen.sie haben einen sehr anspruchsvollen Beruf gewählt.Hertha BSC ist nicht im Abstiegskampf, hat hervorragende spannende Spiele geliefert mit Herzblut und einem sehr guten Trainer der begeistern kann, aber auch mit nüchternem Sachverstand und Realitätssinn die vorhandenen Spieler einbindet und weiterentwickelt, zumindest in Teilen wo das Potenzial da ist.Jahrelang hat Berlin im Abstiegskampf gezittert, ist abgestiegen.........Ewas mehr Differenziertheit und Respekt Herr Zahavi....aber ich will hier nicht Ihre Arbeit machen.

  3. 5.

    Das ist nicht nur Hertha, so sind andere Vereine auch. Aber Herr Dardai hat wohl ein anderes Spiel auf Sky nebenbei gesehen. Ich im Stadion nicht!

  4. 4.

    Ich finde es erstaunlich , dass Herr Dardai seit Jahren öffentlich die Qualität seiner Spieler als nicht ausreichend für Europa propagiert. Da wäre ich als Spieler auch jedesmal total motiviert. Zudem kenne ich keinen einzige Fan und auch keinen Bericht der Medien , der die CL fordert. Man fragt sich nur , warum denn Mittelmaß der einzig legitime Anspruch dieses Vereins sein soll? Nur weil kein Geld da ist ? Hinrunde hui , Rückrunde Pfui . Man kann von Glück reden , dass mit Stuttgart und 21 Punkten der Relegationsplatz so schlecht wie nie ist. Da wird von Weiterentwicklung geredet , weil man tolle Spiele gegen die großen geliefert hat . An dem Bayern - Spiel zären wir jetzt Monate . Super! Weiterentwickelt hat man sich , wenn man Düsseldorf , Mainz , Hannover schlägt . Und auch mal so ein Spiel gegen Wolfsburg nach Hause bringt . Aber nein . U21 - Nationalspieler . A-Nationalspieler . Österreichs Nationalspieler, einer aus Holland , einer aus Australien . Und ein Mittelfeld - Talent als Leihgabe aus Liverpool . Stimmt ... das ist Hertha .. findet euch damit ab . Das wird nicht besser ...
    Die

  5. 3.

    Natürlich ist eine Serie von vier Niederlagen nicht schön. Aber trotzdem bleibt es eine gute Saison mit teilweise sehr gutem und attraktivem Fussball. Dardai hat recht, wenn er sagt:"das ist Hertha". Genau das ist Hertha, mal gut, mal schlecht! Man könnte sich auch freuen und positiv bemerken, dass der Verein vier U21 Nationalspieler stellt. Das ist ein gutes Zeugnis von überragender Jugendarbeit. Das besondere: Die jungen Spieler bekommen Einsatzzeit und können sich entwickeln. Ist bei Bayern, Dortmund, Gladbach nicht so... Ausserdem:Nach der Saison ist vor der Saison!

  6. 2.

    Ach nach solchen Leistungen baut man am besten in der Provinz ein neues Stadion.
    Jänschwalde im Braunkohleabbau da iss Platz.

  7. 1.

    "Das ist Hertha BSC"!!!
    Und dafür braucht man kein extra Fußballstadion.
    Die Gegenspieler schaffen es ja auch im Olympiastadion zu gewinnen und für die ist das jedesmal kein Heimspuel.
    Also lasst die Mieter in Ruhe.

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