Andreas Geisel, SPD-Landesvize und Innensenator von Berlin, spricht gestikulierend bei einem Pressegespräch. (Bild: dpa/Paul Zinken)
Audio: Video: Abendschau | 02.04.2019 | Jörg Drescher und Johanna Sagmeister | Bild: dpa/Paul Zinken

Reaktion auf rbb-Recherche - Geisel bestätigt: Kein Stadion-Neubau im Olympiapark

Herthas Pläne, im Olympiapark ein neues Stadion zu bauen, sind gescheitert. Das bestätigt nun auch Innensenator Andreas Geisel. Er will den Verein erneut überzeugen, im Olympiastadion zu bleiben. Doch Hertha hat anderes im Sinn.

Sportsenator Andreas Geisel (SPD) hat die Debatte über ein neues Hertha-Stadion im Olympiapark für beendet erklärt. "Das Baufeld ist für Hertha weg. Aufgrund dieser neuen Situation werden wir also nicht über den Neubau eines Stadions im Olympiapark mit Hertha reden können", sagte Geisel dem rbb.

Damit bestätigte Geisel Recherchen des rbb, wonach die Genossenschaft 1892 nicht länger bereit ist, vier Häuser der ehemaligen Allierten-Siedlung an Hertha zu verkaufen. Diese Häuser müssten jedoch abgerissen werden, um Platz für ein neues Stadion zu schaffen. Kein Verkauf, kein Baufeld, schlussfolgert offenbar nun auch Geisel - und hat dafür auch Rückendeckung der Regierungfraktionen SPD, Grüne und Linke, wie diese in einer gemeinsamen Presseerklärung mitteilten. "Nachdem die Genossenschaft nunmehr erklärt hat, dass sie das Grundstück und die Häuser nicht verkaufen wird, ist ein Hertha-Stadion im Olympiagelände nicht zu realisieren", heißt es darin.

Geisel zeigt sich optimistisch, dass Hertha im Olympiastadion bleibt

Geisel will sich nun in den kommenden Tagen mit der Vereinsführung treffen, um Alternativen zu besprechen. "Wir wollen alles tun, damit sich Hertha im Olympiastadion wohlfühlt", sagte er. Der Sportsenator zeigte sich optimistisch, dass sich durch die Entwicklung des jetzt brach liegenden Olympiaparks Lösungen für Hertha finden ließen, "die den Verbleib im Olympiastadion angenehmer machen, als Hertha im Moment offenbar den Eindruck hat". Eine Bedingung stellte Geisel allerdings: Die blaue Leichtathletik-Laufbahn solle erhalten bleiben.

Debatte droht, sich im Kreis zu drehen

Hertha indes gab sich zugeknöpft nach der Absage der Genossenschaft. Die Pläne für einen Stadionneubau seien noch längst nicht gescheitert, teilte der Verein am Dienstag mit. Es bleibe der ausdrückliche Wunsch, "diese Arena in Berlin zu bauen, idealerweise im Olympiapark", betonte der Fußball-Bundesligist.

Damit droht die Debatte um eine neue Hertha-Heimspielstätte sich wieder im Kreis zu drehen. Bereits im August 2018 hatte Sportsenator Geisel Hertha das Angebot gemacht, das Olympiastadion auf Steuerzahler-Kosten umzubauen und dafür rund 200 Millionen Euro bereit zu stellen. Bedingung: Dass Oly dürfe nicht zu einem reinen Fußball-Stadion umgebaut werden, die Laufbahn müsse für Leichtathletik-Veranstaltungen bestehen bleiben.

Hertha hatte damals abgelehnt: Ein Umbau, wie der Senat ihn vorgeschlagen hatte, entspreche nicht den Ansprüchen "steil, nah, laut". Nun hält Hertha jedoch einen Trumpf weniger in der Hand beim Poker mit dem Senat - denn ein anderer Neubau-Standort als der Olympiapark innerhalb Berlins ist bislang nicht in Sicht.

Senftleben: "Hätte den kürzeren Anfahrtsweg zu Spielen des FC Köln"

Der Verein hatte zwar schon einmal verkündet, in Ludwigsfelde elf Kilometer südlich von Berlin eine "echte Alternative" zum Olympiapark gefunden zu haben - doch eine Mehrheit der Vereinsmitglieder hatte diesen Standort vor den Toren der Stadt bei Mitgliederversammlungen empört abgelehnt.

Jetzt könnte die Diskussion über einen Umzug nach Brandenburg neu aufflammen - doch so richtig begeistert klingt nichtmal Brandenburgs CDU-Fraktionschef Ingo Senftleben. "Wenn Hertha sich das vorstellen kann, sollte ein Weg gefunden werden, das zu ermöglichen", sagte er dem rbb zwar. Der bekennende Fan des FC Köln setzt aber lachend hinzu: "Dann hätte ich auch zu Auswärtsspielen des 1. FC Köln den kürzeren Anfahrtsweg."

CDU ist gespalten, AfD fordert Kompromissbereitschaft bei Hertha

Kritik für das Stadion-Aus kam von der CDU-Fraktion: Der Senat habe Hertha jahrelang am ausgestreckten Arm hängen lassen. "Es war für jeden spürbar, dass Senat und Koalition den Fußball-Bundesligisten bei seinen Wünschen nicht unterstützten. Rot-Rot-Grün hat durch seine Blockadehaltung dem Verein Planungsperspektiven genommen. Ganz schön unsportlich vom Senat, abgepfiffen ist dieses Match aber noch lange nicht", teilte der sportpolitische Sprecher Stephan Standfuß mit.

Der ehemalige Sport-Staatssekretär Andreas Statzkowski (CDU) dagegen liegt mehr auf Geisels Linie. Der Fokus sollte nun auf einer Modernisierung des Olympiastadions liegen, zum Beispiel mit mobilen Videowänden für den Oberring und mehr Veranstaltungsflächen, hatte Statzkowski am Montag gesagt. 

Frank Scheermesser, sportpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion sieht den schwarzen Peter auch eher bei Hertha als beim Senat: "Anstatt Alternativen zum Neubau in Erwägung zu ziehen oder wenigstens seriöse Vorschläge zu unterbreiten, wo die Anwohner der Sportforumstraße in neues Zuhause finden könnten, hat man sich auf die Unterstützung der Politik verlassen und stur auf der scheinbar einzig wahren Lösung beharrt. Nach dieser Bruchlandung muss die Hertha sich endlich kompromissbereit zeigen, wenn sie ihre Heimspielsituation verbessern will", teilte Scheermesser mit.

Kommentar

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Antwort auf [Peter] vom 03.04.2019 um 03:46
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23 Kommentare

  1. 23.

    Klar der Kommentar aus Halle hat auch noch gefehlt, macht erstmal Erstliga Fussball, dann dürft ihr mitreden !
    Ist leider traurig wie eine sogenannte Hauptstadt mit dem Lieblingssport der Deutschen umgeht, Hauptsache ein paar Wutbürger Minderheiten werden beruhigt, so wird nie wieder was neues entstehen :(
    Und hört endlich auf mit den dämlichen Vergleichen zum BER, hat damit soviel zu tun wie die Sonne mit dem Mond !
    Außerdem sollte sich jeder mal selber an die Nase fassen, warum dauert denn heutzutage alles solange ?
    Weil keiner einer Fehler machen soll / kann / darf, es muß alles 100% sein mit tausenden Bauvorschriften, Bürgerbegehren, Tierwohlbetrachtung usw.
    Sowas gibt es z.B. in China eben nicht, da wird einfach ein Dorf weggerodet ohne Schadenersatz und wer aufmuckt wird weggesperrt...

  2. 22.

    Ich wohne zwar nicht in Berlin, bin aber Fußball - Fan, wenn auch nicht von Hertha BSC Berlin.
    Aber Ihr Vorschlag, mit den Wohnungen auf dem Flughafen BER, ist nicht schlecht, denn der Flughafen wird eh nie fertig.
    Das ist zugleich auch eine Warnung, an die Hertha: - baut in Berlin kein Stadion, das wird auch nicht fertig, wie der Flughafen BER.

  3. 21.

    Vor allen Dingen Grünflächen und laermbelaestigung. Is ja totemstill am. Oly. Wenn der Senat und Menschen wie sie keinen Fussball wollen ok. Und die Hauptstadt in Europa zur Lach immer machen wollen. Bitte. Dann werden och weniger fNs ins Stadion kommen. Aber was. Sagen sie zum maifeld. Is doch tot. Da kann man auch was hinstellen. Aber daran de kt ja keiner

  4. 20.

    "Freiburg baut."
    Daran muss ich zur Zeit auch oft denken bzw. an die stark unterschiedlichen Herangehensweisen der beiden Vereine.
    Unter anderem wurden in Freiburg 24 Standorte einer Machbarkeitsstudie unterzogen, obwohl Freiburg sehr viel weniger bebaubare Fläche zur Verfügung hat. Es folgten Gutachten, Klagen, ein Bürgerentscheid und und und...

    Man kann sich als Verein - wer repräsentiert eigentlich die Hertha in dieser Sache nach außen? - nicht einfach hinstellen und sagen: wir bauen jetzt ein Stadion!

    Ich bin zuversichtlich, dass die Hertha irgendwann zu ihrem eigenen Stadion kommt und das ungeliebte Oly verlassen wird. Das wird aber noch eine ganze Weile dauern und erfordert erstmal ein wirklich professionelles Vorgehen von Seiten des Vereins.

    Das Thema Olympiapark ist jetzt jedenfalls durch.
    Welche weiteren Vorschläge hatte denn die Hertha bislang eingebracht - abgesehen von der schmollenden Abwanderung nach Brandenburg (wo sie scheinbar keiner so richtig will)?

  5. 19.

    EIn eigenes Stadion ist u.a. deshalb wichtig, damit Hertha nicht Millionen an Miete überweisen müsste. Würde man es selbst bauen, ist man irgendwann schuldenfrei und kann die eingesparte Miete für anderes verwenden. Z.B. neue Spieler kaufen...
    Ich würde mir als Fan zwar ein neues Stadion neben dem Olympiastadion wünschen; maße mir wegen der Anwohner jedoch kein Urteil an...

  6. 18.

    Wer sich in der aktuellen Tabelle nach oben orientiert, findet dort die Eintracht Frankfurt. Die haben für ihre kommerziellen Veranstaltungen das "Waldstadion" von der Stadt angemietet.

    Natürlich steht es der Hertha frei, sich ein eigenes Stadion bauen zu lassen. Nur müssen die sich auch um das Bauland kümmern.

    Auch sei daran erinnert, was mit der Oly-Miete beim letzten Abstieg passiert ist. Z.B. das Aachener Tivoli sollte als abschreckendes Beispiel dienen, dito der Betzenberg.

  7. 17.

    Ich las im TS das der Europarc Dreilinden auch mit genannt wurde. Wäre keine schlechte Idee, da doch sehr stadtnah und die Verkehrsanbindung auch gut ist.

  8. 16.

    Hmm, kann es sein, dass Sie das ganz massiv aus weiß-blauer Brille sehen? Es gibt in Berlin durchaus ein Stadion. Sogar eines der größten in D. Es ist kein "eigenes", aber warum ist das wichtig? Wo wohnen Sie eigentlich? Sicher gibt es irgendwelche Infrastruktur in Ihrer Nähe (Bahnhof, Krankenhaus, Autobahn, Uni, ...). Wie sinnvoll würden Sie es finden, wenn genau am Standort Ihrer Wohnung eine nahezu identische Infrastruktur in Steinwurfweite der bestehenden gebaut werden soll und Sie dafür weichen müssen? Also Herr Herthafrosch. Nachdenken. ;-) Übrigens geht es nicht nur um die 24 Wohnungen, sondern bspw. auch um eine Kita, Grünflächen, Lärmbelastungen im Umfeld, Müll und, und, und.

  9. 15.

    Das Tempelhofer Feld ist auch sehr schön... ;-)

  10. 14.

    Was denkt sich dieser Senat. Nur in Berlin gibt es kein eigenes Stadion. Freiburg baut. Etc. Wenn es nach Brandenburg geht werden viele viele Fans nicht dort hinfahren. Wer fährt denn schon 2 Stunden zu einem Heimspiel. Niemand. Also Herr Geisel. Nachdenken. Soll ein Stadion an 24 Wohnungen scheitern? Es sollte doch moeglich sein die Anwohner günstig umziehen zu lassen. Würden die schon mal gefragt? Wenn sie eine neue tolle Wohnung bekommen zu gleichen Mieten

  11. 13.

    Sie meinen, dann könnte auch bspw. der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark reichen? Weil Hertha mal wieder abgestiegen ist?

  12. 10.

    Na da kann ja die Geis(s)el aus Berlin glücklich sein! Der einige Mieter des Olympia Stadions bleibt mit seiner Miete von 5 Mio. erhalten.
    Satire Ende

  13. 9.

    So sehe ich das auch. Schon bei der Luxussanierung des Olympiastadions war Herta damals ausgestiegen. Ein Name eines Geldgebers ist ja auch nie bekannt gewordenen.

  14. 8.

    Hertha hat sowie so nicht das Geld und hätte dann ordentlich in die Staatskasse gegriffen. Spätestens wenn die Baukosten "unvorhergesehen" mehr werden als ursprünglich angenommen.

  15. 7.

    Hertha hat sich den Weg durch seine Gesprächsverweigerung mit den Anwohner, sprich den wirklich Betroffenen, selbst verbaut. Soviel Arroganz eines privaten Vereins, der mit seinen Veranstaltungen und Bauplänen die Anwohner belastet (und belästigt) ist wirklich unmöglich. Sich nicht einmal Gedanken um machbare Alternativen für die Anwohner an der Sportforumstrasse zu machen, zeugt von der grenzenlosen Überheblichkeit und Ignoranz der Verantwortlichen bei Hertha.
    Nun haben sie den Scherbenhaufen.

  16. 6.

    Das ist eine Super Nachricht auch wenn ich da nicht wohne .Die Wohnung sind wirklich wichtiger .
    Außerdem gibt es ein Stadion.

  17. 5.

    #3: Was hat das mit Berlin zu tun, wenn Hertha unfähig ist? Außerdem sind die Interessen der Einwohner mehr als berechtigt. Ist alles nur eine Frage wie man vorgeht, aber das kann Hertha nun einmal nicht - Fussball ist etwas anderes als Bauvorhaben.

  18. 4.

    Für Sport verantwortliche Politiker sollten schon die Erfordernisse moderner Fußballstadien kennen. Hertha ist ziemlich alleine mit dem Dinsoaurier Oly. Aber natürlich auch der Hauptmieter, wenn Hertha rausgeht, dann fehlen die Mieteinnahmen. Hertha sollte sich einen passenden Ort suchen und sich ein eigenes Stadion bauen. Berlin kann dann zusehen, wie es mit dem Oly klarkommt.

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