Geschaeftsfuehrer Michael Preetz im Olympiastadion
Bild: Thomas Eisenhuth/dpa

Kommentar | Kein Grundstück im Olympiapark - Hertha hat die Sache selbst verbockt

Nach Niederlagen schimpfen Fußballer schon mal auf den Schiedsrichter, den unfairen Gegner, den Rasen oder was einem in 90 Minuten noch so in die Quere kommen kann. Beim verpatzten Stadion-Deal aber sollte Hertha Selbstkritik üben. Von Sebastian Schöbel

Hertha-Trainer Pal Dardai ist ein Vorbild in Sachen Krisenkommunikation: Nach der jüngsten Totalpleite gegen Leipzig gab es nichts schönzureden. Also versuchte es Dardai auch gar nicht erst.

Die Vereinsführung sollte sich in Sachen Stadion-Neubau im Olympiapark nun ein Beispiel an ihrem knurrigen Trainer nahmen. Denn ihr Plan ist gescheitert, wegen eigener Fehleinschätzungen.

Am Anfang stand der Bluff

Denn gescheitert sind Manager Michael Preetz und Co. nicht etwa an einer vermeintlich Hertha-feindlichen Wohnungsgenossenschaft, die der Zukunft des Berliner Profifußballs im Weg stehen will. Auch nicht an einer Stadt-Politik, die Hertha BSC mutmaßlich am liebsten im Olympiastadion einsperren würde, damit immer genug Geld für Renovierungen da ist.

Hertha hat die Sache selbst verbockt: Der Verein hat seine Beliebtheit in Berlin offenbar völlig überschätzt, meinte, mit einem angedrohten Umzug nach Brandenburg drohen zu können. Das hat Politiker und Fans gleichsam verärgert und war ohnehin nie realistisch. Potentielle Fans, die schon jetzt nicht zur Hertha nach Westend fahren, besuchen die Alte Dame mit Sicherheit auch nicht in Ludwigsfelde.

Erst Drohung, dann Kampagne

Dann lehnte der Verein ohne Not das Angebot des Senates ab, das Olympiastadion auf Steuerzahlerkosten umzubauen - zwar nicht in einen Fußball-Hexenkessel, dafür aber in ein Stadion, das vor allem Herthas Wünschen entsprechen soll.

Stattdessen suchte Hertha BSC die Nähe zu vereinsfreundlichen Boulevardzeitungen, über die dann das alte Olympiastadion bemängelt und die neue Arena gepriesen wurde - sehr zum Ärger derer, die das "Oly" seit Jahren für den Bundesligisten zurecht machen und immerhin die höchste Klassifizierung der UEFA dafür einfuhren. Dann verkündete Hertha auch noch selbstbewusst den Eröffnungstermin - und tat so, als wären die Gespräche im Hintergrund auf gutem Wege.

Wo das Stadion wirklich gebraucht wird

Waren sie aber nicht. Weil der Verein offenbar nicht verstand, dass in Berlin der Abriss von Wohnungen für ein Fußballstadion zurzeit eher nicht mehrheitsfähig ist - schon gar nicht, wenn man nicht weiß, wie man diese Wohnungen ersetzen soll.

Und jetzt?

Durchatmen, Mund abputzen, weitermachen.

Denn Hertha braucht das neue Stadion - und Berlin braucht es auch. Nicht im Olympiapark, sondern an einem Ort, wo es ein echter Impuls für die Stadtentwicklung sein kann. Vielleicht auf dem ehemaligen Flughafen Tegel, vielleicht sogar auf dem Tempelhofer Feld, vielleicht aber auch an einer ganz anderen Stelle. Es gibt viele Ecken in der Stadt, die ein tolles, neues Fußballstadion brauchen könnten, als Signal für den Aufbruch.

Denn Hertha kann in Berlin fast alles sein. Auch Hoffnungsträger.

Beitrag von Sebastian Schöbel

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34 Kommentare

  1. 34.

    Hallo Herr Schöbel, Danke für das mehrschichtige, aktuelle, sachlich-korrekte und dennoch emotionale Verfolgen dieses leidigen Themas. Ihnen für Ihre unermüdliche journalistische Arbeit an dieser Stelle zu danken, lag mir schon lange auf dem Herzen. Ein Hertha-Fan und Anwohner

  2. 33.

    So kann nur ein Fussball NICHT Fachmann sprechen, das Olympiastadion ist für vieles geeignet aber ebend niemals für Fussball, meinetwegen kann dieser Nasi Tempel komplett abgerissen werden, dann brauch man auch nix mehr instandhalten...

  3. 32.

    Nun schon die zweite Antwort auf einen meiner Nebensätze. Noch nicht eine, auf mein Sachargument. Ich bin dann mal raus..seriös geht anders.

  4. 31.

    Im Vergleich zur Größe der Stadt ist der Zuspruch zur Hertha doch eher bescheiden.
    Dies gilt international bspw. in Richtung Madrid und Barcelona, deutschlandweit in Richtung München und Dortmund. Selbst die Fahrstuhlmannschaft und der momentane Zweitligist Köln hat durchweg fast mehr Zuschauer.

    Ein Umbau hin zu steileren Tribünen bei Beibehaltung der Leichtathletik-Bahn wäre eine sehr gute Lösung, die sowohl der Stadt als auch Hertha zugute käme.

  5. 30.

    Ja genau, und Ihre Miete koppelt man dann an ihr Gehalt. Wenn ihr Gehalt steigt, zahlen Sie auch mehr Miete.
    Ist eine super Idee. Und wenn Sie ausziehen, kümmern Sie sich auch darum, dass die Wohnung auch immer schön gepflegt ist, kann ja nicht verfallen.

  6. 28.

    Als seit Jahrzehnten leidgeprüfter Herthaner kann ich nur immer wieder sagen, dass Hertha das Olympiastadion voll bekommen und tolle Stimmung produzieren könnte. Dazu würde es reichen, einfach mal eine Saison kontinuierlich Fußball zu spielen, auch mal die schlafenden Fans wieder zu reaktivieren. Von den rund 30 Leuten, mit denen ich früher über Jahre Heim-und Auswärtsspiele besucht habe, sind vielleicht noch 5 im Stadion! Der Rest hat schlicht keinen Bock mehr, ewig frustriert nach Hause zu fahren. Hertha muss endlich mal etwas bieten, und dann kommen die Zuschauer - die alten "Recken" mit ihren Kids und neue Zuschauer. Die Füchse bekommen die Halle voll, die Eisbären sind vom Welli mit 5000 Zuschauer auf 14000 hoch gegangen, RB Leipzig hat eine ganze Region wach geküsst und macht diese stolz, und was in Frankfurt bei den auch eher zurückhaltenden Hessen ab geht, sieht man gerade. Ich habe trotz Dauerkarte schon keine Lust mehr, soll von einem Freund den Sohn mal mitnehmen - Wozu?

  7. 27.

    Warum erwähnt ihr denn so oft, das der Sebastian Schöbel Unioner sei? Oder das rbb Sponsor sei?? Ihr unterstellt hier eine unwahre Berichterstattung, setzt aber selber sone Kommentare hin... Alles nur Ausreden vom verärgerten Herthaner, ganz einfach!

  8. 26.

    Brauc bliegender Olympiapark aufgewertet? Dafür steht dann das Oly leer, bringt also nix gewonnen.
    Da die es sich wohl mit Ludwigsfelde auch verscherzt haben und die nur als als Drohgebärde missbraucht haben, können die halt weiter in Oly spielen und allen ist, wenn man Ihre Theorie zu Ende denkt, gedient.

    Allerdings bin ich dafür, dass man die Stadionmiete an einen Index koppelt. Es bieten sich dafür die Erlöse aus den TV-Rechten an, die in den letzten Jahren explodierten. Dann kann das Land denen auch mit ruhugerem Gewissen alsnbeim letzten Mal einen Teil der Miete im Falle eines Abstiegs erlassen.

  9. 25.

    Schade, dass sich anscheinend alle gegen Hertha und die Pläne zum Stadionneubau zusammengetan haben.
    Nicht nur das die CDU an einer Abendveranstaltung die Anwohner gegen Herthas Pläne aufbringt, nein jetzt mischt auch noch der RBB fleißig mit.
    Wie wäre es, einfach abzuwarten bis Fakten dargelegt werden und alle Parteien bereit sind sich zu äußern.
    Wenn für andere Bauvorhaben Wohnungen weichen müssen, ist es der Entwicklung der Stadt geschuldet.
    Das Hertha aber auch den, zu großen Teilen brach liegenden, Olympiapark beleben und aufwerten könnte, wird mit keiner Silbe erwähnt.

  10. 23.

    Meinetwegen. Das ändert leider gar nichts an den zum Teil sehr verdrehten (sub-) Texten in Ihrem Artikel.
    Der rbb ist aber Sponsor der Eisernen oder täusche ich mich hierin auch?

  11. 19.

    Ich hatte geschrieben: "so sieht das aus.."..Wenn dem nicht so ist ( rbb ist aber Sponsor von Union , das stimmt doch aber , oder?)- bleibt mein Vorwurf der Tendenz und des nicht besonders umsichtig gehandhabten Kommentars ( siehe das angebliche Angebot des Senates, das im subtext sagt: " der Senat hatte doch so ein tolles Angebot gemacht, sogar ganz ohne Kosten für Hertha..und die nehmen das nicht an "
    Nun gut- ich bin keiner von denen, die das Wohl und Weh vom Stadion abhängig machen; aber der Kommentar ist sehr unangenhm zu lesen für einen, der das Thema lange verfolgt

  12. 18.

    Das haben doch schon die Herthafreundlichen Zeitungen kommentiert. Aber ach ja die schwindeln ja alle....
    Und natürlich heißt es Ha,Ho, He....
    So jetzt genug des Geschwafels. Ich wünsche mir einfach eine sachliche Berichterstattung. Die Wahrheit wissen eh nur der Vorstand von Hertha und der Genossenschaft und ein paar Politiker. Ich wünsche Ihnen trotz unser unterschiedlichen Meinungen einen schönen Tag und verbleibe mit freundlichen Grüßen, Thor!

  13. 17.

    Sehr guter Kommentar zu einer sich völlig selbst überschätzenden Hertha mit dörflichem Charakter, die zu einer Stadt Berlin wie die Faust aufs Auge passt.
    @Thor aus Rüdersdorf
    es heißt Ha Ho He und nicht wie sie es schreiben.
    Vermutlich wissen Sie auch ansonsten über die vermeintlich "gegebenen Sachverhalte" bestens Bescheid.

  14. 15.

    Lieber Thor,

    ich wäre sehr interessiert an einer Darlegung meiner "verdrehten" oder "falschen" Behauptungen. Das wäre sehr hilfreich für meine weitere Arbeit, ehrlich.

    Und erlauben Sie mir einen kurzen Hinweis: Es heißt "HA ho he", wenn ich mich nicht täusche.

  15. 13.

    Sehr geehrter Herr Schöbel!
    Schon Ihr letzter Artikel zu diesem Thema war nicht wahrheitsgemäß. Es spiegelt höchstwahrscheinlich Ihre persönliche Meinung zu diesem Thema wieder.Es ist schlecht recherchiert und unsachlich, gewisse Dinge verdrehend niedergeschrieben. Wenn man als Reporter dazu neigt seinen Standpunkt wiederzugeben anstatt die Wahrheit zu schreiben sollte man sich eine andere Möglichkeit zum Geld verdienen suchen. Seihen Sie froh das ich nicht Ihr Chefredakteur bin , sonst wären zum Kaffe kochen abkommandiert und am Wochenende in der Ostkurve zum erklären dieser von Ihnen gegebenen Sachverhalte. Ich hoffe das in Zukunft etwas sachlicher zu diesem Thema schreiben und Grüße Sie mit einem, Ho, Ho, He, Hertha BSC!

  16. 12.

    @eFKa, wo bitte schiebt der Senat dem 1.FC Union alles in den Hintern oder bevorzugt ihn?

    Sehen Sie sich bitte nur die Diskussion um die dortige Verkehrsanbindung an und den geplanten Regionalbahnhof Köpenick an.

    Da sehen sie dann aber auch die Unfähigkeit von RRG. Bei diesem Vorwurf gebe ich Ihnen recht.

  17. 8.

    Einige Fans? Das ist doch das Problem, welches die Hertha immer wieder für den Neubau abgeführt hatte. Während andernorts ähnlich grisse Stadien oft ausvetkauft sind, gibt nur einige und damit zu wenige Fans, die die Hertha spielen sehen wollen - im Olympiastadion, nicht in Tierpark. In Friedrichsfelde dürfte am Wochenende der Andrang wieder gross sein.

  18. 7.

    Der Kommentar hat sehr schön aufgezeigt, wo Hertha BSC die Öffentlichkeit, den Senat und vor allem die Wohnungsbau-Genossenschaft und deren Mieter veralbert hat. Für Ihre These haben Sie hingegen nicht einen Beleg geliefert. Der Verdacht liegt also nahe, dass es sich um reines RRG-Bashing handelt. Billig.

  19. 6.

    So sehen wohl Kommentare von Unionfans aus, die über Hertha-Belange schreiben: schlecht informiert und tendenziös.-Am Übelsten der twist über das angebliche Entgegenkommen des Senats " auf Kosten es Steuerzahlers" das Oly Herthas Wünschen entsprechend umzubauen. - Wer sich mit der Materie beschäftigt hat, weiss: nichts an dem Umbau entsprach den von Hertha BSC als das wirtschaftlich als notwendig Erkannte, um den Wettbewerb mit der Bundesligakonkurrenz von Bayer, Red Bull, Bayern, SAP usw aufnehmen zu können.- Die Vermarktung der Arena ist heutzutage ein essentieller Schlüssel nach Auffassung der allermeisten Branchenkenner.- Diese These könnte man durchaus kritisch sehen- das wäre legitim.- Aber der rbb-Text ist einfach nur tendenziös,und gallig.- Es gibt einiges, was der Verein auch falsch gemacht hat; wenn man allerdings die Geschichte der letzten 15 Jahre sieht, weiss man auch, wie der Verein immer nur halbherzig mit seinen Anliegen vertröstet wurde. Rot/weißer Kommentator?

  20. 5.

    So sehe ich das auch. Die Verkehrsanbindung nach Ludwigsfelde ist gerade im (Aus-) Bau ("Dresdner Bahn"), so dass es durchaus realistisch ist, mit Sonderzügen ab Gesundbrunnen über Hauptbahnhof und Südkreuz das Stadion nahezu genauso schnell zu erreichen wie heute das Olympiastadion!
    Also Hertha, Ärmel hochkrempeln und die Planung konkretisieren!

  21. 4.

    Witzig, sind doch alle vorgeschlagenen Bauplätze längst durchs Raster gefallen, da unbezahltbar oder "politisch" nicht bebaubar. Was glaubt der Kommentator eigentlich, wofür man eine Machbarkeitsstudie mit teuer Geld finanziert?!
    Man setze sich z.b. mal mit dem Tempelhofer Feld auseinander - dann hast du nicht 80 Leute die das nicht gut finden, sondern die ganze Stadt!
    Was für ein schlechter Kommentar auf Stammtisch-Niveau.

  22. 3.

    Danke, so seh ich das auch...

    RRG sind gepickt mit Inkompetenz genauso wie der Kommentator,
    Was bringt ein aufgemotztes Olympiastadion wenn der Senat ala Deutsche Wohnen die Miete ins nicht mehr zahlbare anhebt. Der Hauptgrund für den Neubau!
    Hertha kann das Stadion nicht vermarkten (Denkmalschutz) und Einnahmen daraus generieren.
    RRG sollte sich schämen... Union bekommt alles in den Allerwertesten geschoben während Hertha nur abgezockt wird.

    Ich kann nur sagen.. Hertha Brandenburg freut sich auf Dich.. und bring die Geschäftsstelle mit. Zeig Berlin Deine Rückseite.

  23. 2.

    Ganz schon zynisch, unrealistisch und natürlich herthafeindlich! In Berlin klopft man sich auf die Schultern wenn man etwas verhindert hat. An erster Stelle der Senat der nichts auf die Reihe bringt. Berlin braucht dringend Wohnungen, aber der Senat verhindert wo er kann.
    Der öeffentlichrechtliche Sender hetzt gegen den einzigen Bundesligisten der Stadt. Die Vorschläge Tegel und Tempelhof sind lächerlich. Wohl wissend dass die Proteste dort viel gravierender wären.

  24. 1.

    Mit Ausnahme des Hinweises auf die Wohnungen ist der Kommentar eher peinlich. Es gibt inzwischen einige Fans, die eher Ludwigsfelde nehmen würden, als sich weiter vom Senat veralbern zu lassen.

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