Ingo Kahlisch, oder: "Mr. Optik Rathenow". / imago/Jan Huebner
Audio: Antenne Brandenburg | 17.04.2019 | Christian Riedel | Bild: imago/Jan Huebner

Landespokal-Halbfinale | Luckenwalde gegen Rathenow - Zwei alte Bekannte, die sich überraschen wollen

Außenseiter werden sie beide sein: Doch Luckenwalde und Rathenow wollen den großen Showdown gegen Energie Cottbus am 25. Mai. Im Halbfinale des Brandenburger Landespokals setzen vor allem die Gäste auf all die Erfahrung von Trainer Ingo Kahlisch. Von Johannes Mohren


rbb|24 überträgt das Spiel am Mittwoch ab 18:30 Uhr im Livestream

Ingo Kahlisch ist so schnell nicht aus der Ruhe zu bringen. Auch nicht durch ein Halbfinale im Landespokal. Dafür hat der 62-Jährige zu viel erlebt. "Wir haben in den vergangenen Jahren schon ein paar Schlachten geschlagen", sagt er im Interview mit rbb|24.

Wir - das heißt bei Kahlisch Optik Rathenow. Natürlich, ist man geneigt zu sagen. Denn wer ein lebendiges Beispiel für Vereinstreue sucht, wird bei ihm fündig. Der Mann mit den grauen Stoppelhaaren ist bei den Havelländern eine Legende. Bald kann er rundes Jubiläum feiern. Seit 30 (!) Jahren steht er dann bei ein und demselben Klub an der Seitenlinie. Und Kahlisch ist nicht nur Trainer, er ist auch Geschäftsführer. "Mr. Optik Rathenow" nennen ihn nicht wenige.

"Geile Sache, wenn man Richtung Endspiel rollt"

Drei Mal schafften es die Rathenower mit Kahlisch ins Endspiel des Landespokals. Zuletzt 2014. In Luckenwalde (Mittwoch ab 18:30 Uhr im Livestream bei rbb|24 und auf Facebook) soll das nun erneut gelingen. Im Werner-Seelenbinder-Stadion trifft der Zweite der Oberliga auf den Letzten der Regionalliga.

Kahlischs Rathenower stecken in ganz argen Abstiegsnöten. "Es wird ein Pokalspiel auf Augenhöhe. Nicht so einfach. Die Chancen stehen 50:50", sagt das Trainer-Urgestein - dem dann doch ein bisschen Pokal-Euphorie zu entlocken ist: "Es ist natürlich eine geile Sache, wenn man immer weiter Richtung Endspiel rollt."

Wenn die Mannschaften auflaufen, werden bei den Rathenowern noch einige dabei sein, die das letzte Landespokal-Finale des Klubs vor fünf Jahren miterlebten - und es gewannen. Der Kapitän Jerome Leroy zum Beispiel. 3:1 stand es damals am Ende gegen den SV Babelsberg. In der ersten Runde des DFB-Pokals, für die sich der Titelträger qualifiziert, erwischten die Havelländer ein gutes Los: St. Pauli kam nach Rathenow.

5.000 Zuschauer wollten die Partie im Stadion Vogelgesang sehen. Es war pickepackevoll. Ausverkauft. "Das ist als Sportler großartig. Und auch für die Stadt war es wichtig. Es war Werbung. Sport schafft Identität", sagt Kahlisch - auch wenn er als Geschäftsführer auch auf die finanzielle Belastung hinweist: "Das Geld für die Durchführung des Spiels und alles andere mussten wir erst einmal vorschießen. Die Auflagen sind auch mit enormen Kosten verbunden."

Taktische Kniffe

Doch so weit ist es ohnehin noch nicht. Erstmal ist Halbfinale. Und es sind mit Luckenwalde und Rathenow zwei alte Bekannte, die sich in diesem Spiel gegenüberstehen. In der Vergangenheit traten sie immer wieder auch in derselben Spielklasse an. "Der eine weiß, wie der andere spielt", sagt Kahlisch deshalb. Eigentlich zumindest. Denn Jan Kistenmacher hat getüftelt. "Wir werden taktisch ein bisschen was anders machen. Vielleicht können wir Rathenow damit überraschen", sagt der Luckenwalde-Coach. Er strahlt Sebstbewusstsein aus. "Im Training haben sich alle reingehauen. Sie wollten zeigen, dass sie Kandidaten für die erste Elf sind. Wir wollen unbedingt gewinnen - und ich bin fest überzeugt, dass wir es auch schaffen werden." 

Aus der Liga kann Luckenwalde viel Rückenwind mitnehmen. Auch wenn sie zuletzt drei Mal in Folge unentschieden spielten und damit die Tabellenführung an die BSG Chemie verloren. Im Soll sind sie dennoch. Platz eins bis drei war das erklärte Ziel vor der Saison. Das Team ist also voll auf Kurs. Mit einem Coach, der vor allem auf einen Faktor setzt: Motivation. "Das spielt eine große Rolle - ja, es ist ausschlaggebend. Es muss uns gelingen, die motiviertere Mannschaft zu sein", sagt Kistenmacher. Klappt es für Luckenwalde mit dem Sieg, wäre es für sie die dritte Endspielteilnahme im Landespokal nach 2016 und 2017, also in den letzten vier Jahren. Beide bisherigen Finals verloren sie allerdings: Einmal gegen Babelsberg, einmal gegen Cottbus.

Reise in die ferne Vergangenheit

Egal wie es ausgeht: Für Ingo Kahlisch ist das Spiel auch mal wieder eine Reise in die eigene Vergangenheit. In die Zeit, bevor er "Mr. Optik Rathenow" wurde. Also sehr, sehr weit zurück. Noch zu DDR-Zeiten trainierte er für gut zwei Jahre Luckenwalde. "Das spielt aber keine große Rolle", sagt er. Auch wenn er gute - und nach wie vor bleibende - Erinnerungen an diese ferne Vor-Rathenow-Phase hat. "Ich habe meine Frau aus Luckenwalde mitgebracht", sagt er. Und lacht.

Sendung: rbb24, 17.04.2019, 21:45 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

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