Pal Dardai am 2.3.19 im Olympiastadion (Bild: imago/Bernd König)
Audio: Inforadio | 04.04.2019 | Sebastian Schöbel | Bild: imago/Bernd König

Streit um Neubaupläne von Hertha BSC - Dardai glaubt an "plus zehn Punkte" in neuem Stadion

Von der Vereinsführung von Hertha BSC gab es keine Kommentare zur Diskussion über ein neues Stadion, doch jetzt meldet sich Trainer Dardai zu Wort: Er würde sich ein kleineres Stadion sehr wünschen – auf dem Olympiagelände. Doch Innensenator Geisel winkt ab. 

Eigentlich sollte Hertha-Trainer Pal Dardai bei der Pressekonferenz am Donnerstag nur erklären, wie sein Team nach der jüngsten 0:5-Schlappe gegen Leipzig nun am Samstag gegen Düsseldorf zurückkommen will. Dann wieder daheim, im Olympiastadion.

Welche Töne Dardai dann definitiv nicht von den Rängen hören will? Zum Beispiel solche, die man früher schon mal bei Heimspielen seiner ungarischen Nationalmannschaft in Budapest gehört habe: “Ébresztö - Wacht auf!“ Das hätten die Fans in Budapest gebrüllt, wenn es im Stadion allzu ruhig wurde. Das hätte die Spieler auf dem Platz auch mit runtergezogen, sagt Dardai, der Ungarns Nationalelf von 2014 bis 2015 trainierte. Dann aber wurde ein neues, kleineres Stadion in Budapest gebaut - und prompt war die Atmosphäre besser: “Wenn die Menschen konsequent für die Mannschaft mitmachen, dann sind es plus zehn Punkte in einer Saison. Wenn das Olympiastadion immer voll wäre, dann hättest du diesen Effekt“, rechnet der Ungar vor.

Dardai: Es mangelt an Identifikation

Zehn Punkte, die Hertha gerade jetzt gut brauchen könnte. Deswegen brauche seine Hertha eben auch ein kleineres Stadion: Für diese Stimmung, die eine Mannschaft zum Sieg pushen kann. Das sei im Olympiastadion mit seinen 75.000 Sitzen zwar auch möglich - wenn es ausverkauft sei, so Dardai: "Natürlich ist das Pokalfinale hier immer ein Traum", schwärmt er. Aber zu Herthas Ligaspielen bleiben dann eben doch im Schnitt 30.000 Sitze leer. Weil die Berliner sich dann eben doch nicht so mit der Hertha identifizieren, gibt Dardai zu.

Deswegen das neue Stadion: ein echter Hexenkessel, in dem die lautstarke Unterstützung der Hertha-Anhänger nicht in einem weiten Rund eines halbleeren Mega-Stadions verschwindet - und der vielleicht auch den Rest der Stadt für die Hertha begeistert: “Dieses Wir-Gefühl, dafür brauchen wir ein Stadion. Und es wäre schön, wenn das hier gewesen wäre."

Mit "hier" meint Dardai den Olympiapark. Doch genau hier hat Hertha zurzeit kein Baufeld, nachdem eine Genossenschaft sich geweigert hat, ihre Häuser im östlichen Teil des Parks für den Stadionbau zu verkaufen. Die Hertha-Führung will trotzdem im Olympiapark bauen, notfalls halt einfach anderswo auf dem denkmalgeschützten Gelände.

Geisel will Hertha in Berlin halten

Doch Sportsenator Andreas Geisel (SPD) winkt ab: “Andere Standorte auszuwählen zu wollen, die mitten im Olympiapark liegen, macht die Debatte nicht leichter“, betont er am Donnerstag im Abgeordnetenhaus. Er will stattdessen mit der Hertha-Spitze über die Modernisierung des Olympiastadions reden - oder einen ganz anderen Standort, irgendwo in der Stadt. Hauptsache in Berlin: "Meine Strategie ist, mit Hertha zu sprechen - und nicht über Hertha. Und dass Hertha auch in Zukunft innerhalb der Berliner Stadtgrenzen spielt." Einen Termin für das Treffen mit der Hertha gibt es noch nicht - vor dem wichtigen Spiel gegen Düsseldorf aber sicherlich nicht mehr.

Sendung: Inforadio, 04.04.2019, 18:24 Uhr

Kommentar

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Antwort auf [Alfred Neumann] vom 04.04.2019 um 20:53
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36 Kommentare

  1. 36.

    Genau.
    Ein Areal mit S Bahn Anschluss und alles Gerede hat ein Ende. Wer von den genannten Clubs mit neuem Stadion hat schon mitten in der Stadt bauen dürfen?
    Ludwigsfelde wäre perfekt.

  2. 35.

    Herta ist doch zufällig grade mal wieder Erstligist.
    Union wird ja wahrscheinlich in naher Zukunft die Top Position übernehmen. Die wirtschaften besser und sind bei den Berlinern beliebter.

  3. 34.

    Es handelt sich um Asbestverseuchte Schwarzbauten mit gerademal 24 Wohnungen. Dafür will man den einzigen Erstligisten aus der Stadt jagen. Abwägen, Kompromisse und Lösungen finden und vorallem rationales Denken sind so jedermans Sache.

  4. 33.

    Na, so unwichtig kann der Verein dem Senat nicht sein, sonst würden sie ja nicht so um den Verbleib im Olympiastadion bibbern.

  5. 32.

    Kurz hinter der Stadtgrenze würde das nicht viel ausmachen. Zusätzlich wäre man nicht mehr Spielball des Senats und könnte sein Stadion unabhängig vermarkten.

  6. 31.

    Wenn's so einfach ist: 10 Punkte mehr durch Stadionneubau. Was kann sich die Baubranche freuen.

  7. 29.

    Erstaunlich, wie groß das Beharren von Senator Geisel ist. Eine Bebauung des Maifeldes - liegt ja bekanntlich am Rand und nicht Mitten im Olympiapark - wäre eine Top Lösung für alle. Hertha könnte eine moderne Spielstätte errichten, gleichzeitig können die übrigen Spielstätten des Parks nach und nach ertüchtigt werden. Verkehrsanbindung ist schon top. Naturschutz beachtet, Wohnungen nicht angetastet. Ganz nebenbei würde auch die immer noch auf dem Aareal lastende braune Vergangenheit endlich zum Thema. Warum eigentlich will der Senat nicht an dieses Gelände heran, es einer weltoffenen und den Menschen zugewandten Zukunft in der Stadt öffnen. Ein Denkmalschutz, der die Namen der NS-Schergen schützt, ist zu hinterfragen. Die Parksichtachsen dürfen den Blick auf die Gegenwart nicht verstellen. Der Olympiapark gehört allen Berlinern. Hertha ist Teil dieser Stadt und will den Olympiapark für alle nutzbar machen.

  8. 28.

    Genau, Brandenburg. Da werden sich unvorstellbare Zuschauerströme in Bewegung setzen wenn das Stadion auch noch außerhalb der Stadt liegt.

  9. 27.

    Um nochmal das Thema Rot aufzugreifen...in Köpenick wird das Grundstück für sage und schreibe 117.000€ jährlich verpachtet und bei Hertha 5,25 Mio jährlich an Miete gefordert... da ist doch klar, dass der Senat kein Interesse daran hat Hertha aus dem Olympiastadion gehen zu lassen...Aufbau Ost oder wie heißt das so schön...

  10. 26.

    Stadion hin oder her ,die Wohnungen zu erhalten ist wichtiger.

  11. 25.

    Wer Ort sich? Sie oder die Berliner Zeitung, als die im vergangenen November schrieb: "Hertha BSC schreibt erstmals seit vier Jahren wieder schwarze Zahlen"?
    https://mobil.berliner-zeitung.de/sport/hertha-bsc/rekordumsatz-hertha-bsc-schreibt-erstmals-seit-vier-jahren-wieder-schwarze-zahlen-31651424

    Der Gewinn ergab sich demnach aus gestiegenen TV- Einnahmen und guten Transfererlösen.

  12. 24.

    Mein Gott, können Sie bitte mal von Ihrem "Roten-Bashing" runterkommen? Ich finde mit Sicherheit nicht alles toll, was die derzeitige Regierung verzapft; Ihre Stellungnahmen sind leider nur ermüdent. Schreiben Sie doch mal an Herrn Müller (nebenbei, ich hab den nicht gewählt)!

  13. 22.

    Pal Dardai, ich glaube an den Weihnachtsmann und hoffe auf einen so geilen Sommer, wie der im letzten Jahr.

  14. 21.

    + 10 Punkte mehr? Wenn die dann so gut spielen würden, währen die besser als die Bayern und dann wäre das geplante Stadion zu klein.

  15. 20.

    Hertha schreibt seit jahren positive Zahlen.
    Verbindlichkeiten sind unternehmerisch nichts verwerfliches. Wer seine Schulden bezahlen kann und die Einnahmensituation mit durch die Schulden bezahlten Investitionen verbessert macht alles richtig.

  16. 19.

    In Berlin wird von den roten Dilitanten alles verhindert was Geld und Ansehen für die Stadt bringt. Wer keine Wohnungen bauen kann für die Bürger, nimmt ihnen auch noch die Freude über so einen schönen Neubau für ihr Heimatteam im Fußball. Schlimm so was.

  17. 18.

    Der Steuerzahler würde dafür aufkommen, wenn Hertha im Olympiastadion bleiben soll. Oder denken Sie, dass der Mieter (Hertha) die Sanierung und Renovierungskosten bezahlt?

  18. 17.

    Und sie scheinen wohl, Ihre eigene Meinung zu überschätzen. Dass Hertha in Berlin bleibt ist auch aus finanzieller Sicht wichtig für Berlin. Aber Sie scheinen wohl einfach nur ein Herthahasser zu sein. Oder würden Sie bei einem 'normalen' Unternehmen gleich argumentieren? Á la 'Siemens will in Berlin bauen? Nein, soll lieber nach Brandenburg und das Geld dort lassen'?

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