Eine derer, die geht: Nationalspielerin Svenja Huth. / imago/Jan Huebner
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Video: rbb UM6 | 14.05.2019 | 18 Uhr | Jonas Schützeberg | Bild: imago/Jan Huebner

Turbine Potsdam im Umbruch - Der Abstand nach oben droht größer zu werden

Turbine Potsdam hat die Saison auf Rang drei beendet. Der Abstand zu den Champions-League-Plätzen war erheblich. Zudem verlieren die Fußball-Frauen mehrere Stammkräfte an die beiden Top-Klubs der Liga - und stehen vor einer ungewissen Zukunft. Von Lars Becker

Auf den ersten Blick fällt die Saisonbilanz gemischt aus. Im DFB-Pokal ist Turbine Potsdam im Viertelfinale deutlich an Serienmeister und Double-Gewinner Wolfsburg gescheitert. In der Abschluss-Tabelle der Bundesliga rangieren die Potsdamerinnen auf Rang 3 - mit erheblichem Rückstand auf Wolfsburg und die Bayern.

Den erhofften Champions League-Platz hat Turbine damit klar verpasst.  "Wir haben im Oktober, November und Dezember überragenden Fußball gespielt", sagt Trainer Matthias Rudolph.  "Wenn man sieht, wie sich die jüngeren, aber auch die erfahreneren Spielerinnen nochmal weiter entwickelt haben, dann fällt das Fazit sehr, sehr positiv aus", betont der Coach und bilanziert:  "Letztlich sind wir sehr zufrieden, wie wir über weite Strecken der Saison Fußball gespielt haben".

Rudolph: "Es war mehr möglich"

In seinem dritten Jahr als Chefcoach in Potsdam sei mehr möglich gewesen, beharrt Rudolph und ärgert sich besonders über die Spiele, in denen sein Team Führungen nicht über die Zeit bringen konnte. "Ich möchte jetzt nicht so vermessen sein, dass wir dann vielleicht Zweiter oder Erster geworden wären, aber wir wären auf jeden Fall dichter dran gewesen", sagt Rudolph: "Schade, weil das jetzt so einen negativen Touch hat". Vor allem in den Heimspielen gegen Wolfsburg und die Bayern habe sein Team streckenweise frischen und tollen Offensiv-Fußball gespielt.

Trotzdem verstärkt sich der Eindruck, dass die Lücke zu den beiden Top-Klubs größer geworden ist. Und diese Lücke, räumt auch Rudolph ein, droht perspektivisch noch deutlich größer zu werden. "Es geht nicht nur um die finanziellen Mittel, es geht auch um die Infrastruktur. Bei den Trainingsbedingungen sind sie uns klar voraus", sagt Rudolph und fordert als Konsequenz für die Zukunft  einen "dritten oder sogar vierten" Champions-League-Platz für die Bundesliga. In Anbetracht des deutlich gestiegenen Niveaus in vielen europäischen Ligen, dürfte dies ein Wunsch bleiben. Das Ziel Champions-League-Teilnahme ist kaum zu realisieren.

Potsdam verliert erneut Stammkräfte

Es ist geradezu symptomatisch, dass Potsdam auch in diesem Jahr wieder drei wichtige Stammkräfte, drei Nationalspielerinnen, an die übermächtige nationale Konkurrenz verliert. Kapitänin Svenja Huth und Felicitas Rauch wechseln nach Wolfsburg, die Schwedin Amanda Ilestedt geht nach München. "Ich hatte hier in Potsdam vier wunderschöne Jahre", sagt Svenja Huth, "habe mich persönlich und sportlich weiter entwickelt, bin menschlich gereift."

Aber sie sieht es auch kritisch: "Wir haben in den vier Jahren leider immer die Champions League Qualifikation verpasst. Ich bin hungrig und ehrgeizig und Wolfsburg zählt zu den Top-Mannschaften Europas", erklärt Huth ihren nachvollziehbaren Schritt.

Der Abgang der wichtigsten Spielerinnen ist für Turbine und Trainer Matthias Rudolph inzwischen zur Gewohnheit geworden. Im letzten Jahre waren mit Lia Wälti und Tabea Kemme zwei als unersetzlich geltende Spielerinnen gegangen. "Da konnte man sich auch kaum ausmalen, wer die Lücke im Mittelfeld schließen soll", erinnert Rudolph, "und genauso positiv gehen wir auch diesmal mit der Situation um. Wir haben zahlreiche Spielerinnen, die sich hervorragend entwickelt haben." Turbine wird aber auch noch "ein, zwei Neue verpflichten", versicherte Rudolph, um die Abgänge qualitativ aufzufangen.

Unsichere Zukunfts-Perspektive

Eine Nationalspielerin hat ihren Vertrag bei Turbine dagegen verlängert. Johanna Elsig wird in Potsdam bleiben. "Natürlich ist es schade, dass sie gehen", betont die Abwehrchefin und WM-Teilnehmerin, "trotzdem haben wir eine starke Mannschaft zusammen, mit der wir definitiv oben mitspielen können", sagt Elsig fast trotzig. "Wenn wir eine gute Vorbereitung spielen und als Mannschaft zusammen wachsen, dann ist alles drin."

Realistisch betrachtet dürfte es zukünftig für die Traditionsklubs um Potsdam und Frankfurt noch schwieriger werden mit den Frauen-Teams der Männer-Bundesligisten mitzuhalten. Wolfsburg und München sind enteilt, Hoffenheim und Freiburg drängen nach.

Es braucht Sponsoren

Welche Perspektive bleibt den Traditionsklubs? Um mithalten zu können, sagt Mattias Rudolph, sei es zwingend erforderlich, Sponsoren zu finden, "um die Qualität, die wir in den vergangenen Jahren entwickelt haben, auch mit finanziellen Mitteln halten können". Hinzu komme die notwendige Infrastruktur. Dann, und nur dann, kann auch ein reiner Frauen-Fußball Verein oben mithalten.

Sendung: rbb UM6, 14.05.19, 18 Uhr

Beitrag von Lars Becker

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