Archivfoto: Die Alba-Berlin-Profis Jonas Mattisseck, Luke Sikma, Landry Nnoko und Martin Hermannsson (v.l.n.r) jubeln bei ihrem Heimsieg gegen medi Bayreuth am 02.02.19 in der Berliner Mercedes-Benz-Arena (Quelle: imago / Tilo Wiedensohler).
Audio: Inforadio | 31.05.2019 | Jakob Rüger | Bild: imago / Tilo Wiedensohler

Alba Berlin im Halbfinale gegen Oldenburg - Mit einem Wisch ist alles weg

Mit eisernem Besen haben die Berliner Ulm aus dem Weg gekehrt, nun warten andere Kaliber: Im Halbfinale trifft Alba ab Sonntag auf die Baskets Oldenburg. Die haben Heimrecht und den wertvollsten Spieler der Liga. Es könnte eine lange Serie werden. Von Sebastian Schneider

Mehr als 60 Spiele haben sie in den Beinen, die Muskeln mögen zwicken, die Gelenke knirschen - aber eine Woche ohne Wettkampf reicht dann auch. Die Profis von Alba Berlin sind auch nicht anders als kleine Jungs, denen man einen Ball auf den Schulhof schmeißt – sie wollen zocken.

Ihre Gegner aus Ulm haben die Berliner bei allen höflichen Respektsbekundungen Richtung Donau fix in den Urlaub geschickt. 3:0 hieß es nach der ersten Playoffrunde und seitdem kann Albas Lenker Aito Garcia Reneses seine Mannschaft sieben Tage lang in der Trainingshalle herumscheuchen. Ein seltener Spaß. Ab Sonntag (15 Uhr) geht es im Halbfinale gegen die Baskets aus Oldenburg und das Dumme ist: Bei denen lief es bisher genauso gut.

Heimrecht für Oldenburg

"Erfahrene Mannschaft, mehr Spiele 'on the road' [für uns]. Sechs Stunden mindestens im Bus. Das kann schon ein bisschen zehren", so telegraphierte Berlins Kapitän Niels Giffey die Ausgangslage ins Mikrofon. Fest steht: Die Oldenburger sind kein Vergleich zu den Ulmern und dass Alba gegen die gut aussah, ist jetzt völlig wurscht.

In den vergangenen Jahren waren die Baskets ein oft gehyptes Team, das es am Ende doch nicht über die obere Mittelklasse hinaus geschafft hat. Auf ihren ewigen Anführer Rickey Paulding (bald 37) konnten sie sich verlassen, der Rest aber blieb in wichtigen Phasen zu flatterhaft.

Aber nun haben die Niedersachsen die beste Hauptrunde ihrer Vereinsgeschichte gespielt. Und weil vor ihnen nur noch die Bayern standen, besitzen sie in der Best-of-Five-Serie gegen Alba Heimrecht. "Ich glaube, sie können ein bisschen was von allem. Sie können punkten, verteidigen und haben eine gute und laute Heimhalle", ließ sich Albas vielseitig begabter Schlängler Martin Hermannsson am Donnerstag zitieren.

Letzten Sommer haben sich die Oldenburger gegen eine Europatour entschieden, sie traten nur in der Bundesliga und dem Pokal an. Ob das ein Vorteil (weniger anstrengende Reisen, mehr Zeit fürs Training) oder Nachteil (fehlender Rhythmus) ist, darüber streiten sich die Gelehrten bis heute. Auffällig aber: Sie sind deutlich stabiler als früher und sie können schneller spielen. Kein anderes Team der BBL macht im Schnitt mehr Punkte.

Archivfoto: William Cummings (Oldenburg), erstaunt und gut gelaunt über den Spielverlauf ALBA Berlin - EWE Baskets Oldenburg am 10.03.19 in Berlin (Quelle: imago / Bernd König).
Wenn er aufdreht, ist Showtime: Oldenburgs gefährlichster Mann Will Cummings. | Bild: imago / Bernd König

Topscorer und MVP der Liga

Das liegt besonders an William Cummings, 26 Jahre, geboren in Jacksonville, Florida. Sein Vater war Leichtathlet, von ihm hat Oldenburgs gefährlichster Angreifer den drahtigen Körper und den brachialen ersten Schritt geerbt. Cummings täuscht links an und brettert rechts vorbei, oft zieht er dabei ein Foul. Er wirft auch besser von draußen, als er es in Interviews von sich selbst sagt. Mehr als 21 Punkte bringt der Guard auf diese Weise zusammen, das hat ihn zum Topscorer und wertvollsten Spieler der Liga (MVP) gemacht.

"Mein Job besteht darin, dass das Team gewinnt", fasste er seine Mission zusammen. Deshalb versucht besagtes Team immer wieder, ihn in Eins-gegen-Eins-Duelle zu bringen. Berlins Verteidigung wird die schwierige Aufgabe haben, Cummings diese Duelle wegzunehmen und seine "Pick'n'Roll"-Attacken zu sabotieren.

Archivfoto: Rasid Mahalbasic (links, Baskets Oldenburg) wird von seinem Gegenspieler Johannes Thiemann (Alba) verteidigt, Alba Berlin - EWE Baskets Oldenburg am 10.03.19 in Berlin (Quelle: imago / Eibner / Uwe Koch).
"Der große Faktor ist der Spanier am Steuer", hat Rasid Mahalbasic (links) im "Magenta Sport"-Podcast über diese Halbfinal-Serie und Albas Trainer gesagt. | Bild: imago / Eibner / Uwe Koch

Selbstironiker mit weichem Händchen

Das Zentrum der Offensive aber - darf man durchaus wörtlich nehmen - ist das ziemlich genaue Gegenteil des federnden Cummings. Der Klagenfurter Rasid Mahalbasic misst 2,10 Meter und wiegt offiziell 120 Kilo. Letzten Sommer aß er hauptsächlich Salat, deshalb sind es jetzt knapp 20 Kilo weniger und Mahalbasic ist fluffiger unterwegs.

Er wird kein Sprinter mehr und Albas Große werden versuchen, ihn müde zu machen - aber der Center mit dem Beagle-Blick hat viele Finten und eine feine Technik. Ausgebufft charakterisiert ihn gut, ausgebüffelt noch besser. Er greift im Schnitt mehr als neun Rebounds ab, dazu kommen mehr als 14 Punkte. Weil Mahalbasic nicht blöd ist, einen feinen österreichischen Humor hat und sofort anspricht, wenn er Mist gespielt hat, lohnt es sich immer, ihm zuzuhören. "Ich bin eine anstrengende Person", hat er der "FAZ" mal gesagt. Früher, vor seiner Diät, habe er nach drei Minuten "angefangen zu sterben". Jetzt könne er sogar dunken.

Alba hat mehr Möglichkeiten auf der Bank

Oldenburgs Coach Mladen Drijencic lässt meistens eine Rotation aus acht bis höchstens neun Spielern den Job erledigen. Die durchschnittlich 35 Punkte, die Mahalbasic und Cummings zusammen schultern, werden von Paulding, Massenat, Boothe und Schwethelm ergänzt. Ein gut verquirlter Mix aus Dreierschützen und Inside-Spielern. Karsten Tadda haut hinten die Bremse rein. 

Danach aber wird es schon deutlich weniger und das kann Albas Vorteil sein. Die Berliner haben den Oldenburgern deren einzige Heimniederlage dieser Bundesliga-Spielzeit angetan. Coach Garcia Reneses verfügt über viel mehr Optionen, um durchzuwechseln und lässt sich nicht auf eine bestimmte Spielweise limitieren. Alba verteilt den Ball viel gleichmäßiger. Und es sieht vielleicht nicht so aus, aber selbst Rickey Paulding wird älter. Der Trainer wird ihm, Mahalbasic und Cummings immer wieder frische Verteidiger auf den Hals hetzen, um sie zu zermürben. Falls die Berliner dann noch ihre gefürchteten Fast-Breaks anziehen können, werden sie diese Serie gewinnen. 

Dazu kommt: Die Oldenburger mussten in dieser Saison seltener an ihre Grenze gehen. Ihr einziges "Do-or-die"-Spiel war das Achtelfinale im deutschen Pokal gegen Jena - und ging verloren. Niemand weiß, wie gut sie unter Hochdruck eine ganze Serie lang liefern können. Albas Mannschaft dagegen hat alleine im Eurocup immer wieder Situationen überstanden, in denen es um alles ging - diese Erfolgserlebnisse haben sie bis ins Finale getragen.

Dazu kommt: Die Oldenburger mussten in dieser Saison seltener an ihre Grenze gehen. Ihr einziges "Do-or-die"-Spiel war das Achtelfinale im deutschen Pokal gegen Jena - und ging verloren. Niemand weiß, wie gut sie unter Hochdruck eine ganze Serie lang liefern können. Albas Mannschaft dagegen hat alleine im Eurocup immer wieder Situationen überstanden, in denen es um alles ging - diese Erfolgserlebnisse haben sie bis ins Finale getragen.
Dazu kommt: Die Oldenburger mussten in dieser Saison seltener an ihre Grenze gehen. Ihr einziges "Do-or-die"-Spiel war das Achtelfinale im deutschen Pokal gegen Jena - und ging verloren. Niemand weiß, wie gut sie unter Hochdruck eine ganze Serie lang liefern können. Albas Mannschaft dagegen hat alleine im Eurocup immer wieder Situationen überstanden, in denen es um alles ging - diese Erfolgserlebnisse haben sie bis ins Finale getragen.

Auch Oldenburg hat seit einer Woche spielfrei

Die Woche zuhause hat den Berlinern gutgetan, sie schlummerten in den eigenen Betten und konnten ihre Wehwehchen allmählich auskurieren. Wenn nichts mehr schiefläuft, treten alle die Fahrt nach Oldenburg an. Es dürften viele, öde Kilometer dazukommen. Denn in der krachgefüllten EWE-Arena müssen die Berliner mindestens ein Spiel dieser Serie klauen. Dort hat man nur auf sie gewartet - auch die Gastgeber sind gut erholt und bereiten sich seit Tagen vor. Mit Überraschungen rechnet keiner mehr. "Wir kennen sie und sie kennen uns", sagt Albas Trainer Garcia Reneses.

Teamvergleich

Beitrag von Sebastian Schneider, rbb|24

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