Pal Dardai beobachtet seine Spieler im Training. Quelle: imago/Nordphoto
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Hertha-Trainer Dardai vor letztem Spiel - "Es gab viele Anfragen, ich habe alle abgelehnt"

Mit dem Heimspiel gegen Bayer Leverkusen endet die Saison – und die Zeit von Herthas Ex-Kapitän Lustenberger und Trainer Dardai. Der genießt schon jetzt die Zeit ohne Druck und bekommt Komplimente von seiner Frau. Von Dennis Wiese

Pal Dardai verzieht keine Miene - auch nicht bei der letzten obligatorischen Pressekonferenz als Hertha-Trainer am Donnerstag: "Ich habe das gleiche Gefühl wie immer."

Auf den ersten Blick scheint Dardai auch die finale Runde seiner Abschiedstournee nichts anzuhaben. Dann aber lässt der dauercoole Ungar doch tief blicken: "Die letzten vier Wochen waren das Schönste: Wir haben ganz in Ruhe gearbeitet, kein Druck von den Medien. Das war wie bei einer Nachwuchsmannschaft. Sogar meine Frau hat gesagt: Du brauchst keine Pause mehr, du siehst wieder gut aus."

"Ich habe gedacht ich bin ein Wundertrainer"

Vor allen Dingen der erneute Leistungseinbruch in der Rückrunde, die Serie von fünf Niederlagen am Stück dürften mehr an Dardai genagt haben, als er zugeben mag. Vier Wochen ist es jetzt her, dass sein Aus am Saisonende verkündet wurde, seitdem verlor Hertha kein Spiel mehr: Zwei Unentschieden folgten zuletzt die Siege gegen Stuttgart und Augsburg.

Dardai hat sich als Trainer entwickelt. Obwohl oder gerade weil sein Start als Coach immer überzeugend war. "Ich habe vor fünf Jahren den Nachwuchs trainiert und wir haben alle Gegner mit 5, 6 Toren Unterschied besiegt – ich dachte, ich bin ein Wundertrainer. Mit der ungarischen Nationalmannschaft habe ich auch fast jedes Spiel gewonnen – und bei Hertha habe ich auch richtig gut angefangen – trotzdem habe ich sehr viel gelernt."

Manager Michael Preetz fasst die Dardai-Jahre an Herthas Seitenlinie wie folgt zusammen: "Er hat der Mannschaft große Stabilität verliehen."

"Vielleicht trainiere ich schon bald die Minis"

Am Sonnabend nun ist Schluss. Dardai und sein Trainerteam werden vor dem Spiel gegen Leverkusen im Olympiastadion verabschiedet. In der Vergangenheit hatte er immer wieder einen klaren Wunsch für seinen Abschied verkündet: "Ich möchte vom Manager eine schöne Uhr haben." Die wird er kriegen.

Dann gibt es die letzten 90 Minuten Bundesliga mit Hertha-Trainer Dardai. Und dann? "Es gab sofort viele Anfragen, aber die habe ich alle abgelehnt. Ich mache erst einmal Pause, dabei bleibt es. Aber ich bin dafür geboren, draußen auf dem Platz zu sein und ein Training zu leiten. Vielleicht trainiere ich hier schon in der nächsten Saison die Minis. Dann werde ich sehen, ob ich irgendwann wieder das Gefühl habe: Ich will mit einer Männermannschaft arbeiten."

Abschied auch für Hertha-Urgestein Lustenberger

Die 90 Minuten gegen Leverkusen werden fast zur Nebensache. Denn auch Herthas dienstältester Profi Fabian Lustenberger wird nach zwölf Jahren in blau-weiß verabschiedet, Lustenberger wechselt nach der Saison in die Heimat zu den Young Boys Bern.

Schon in der Woche vor seinem letzten Spiel war "Lusti" bei den Fans besonders begehrt: Die stürzten sich nach dem Training auf den Schweizer Lockenkopf. Selfie hier, Autogramm da. Ein Anhänger drückte Lustenberger einen prall gefüllten Jutebeutel in die Hand. Darin: Fotos, Erinnerungsstücke, Selbstgebasteltes. Aus den letzten zwölf Jahren. "So langsam wird der Abschied bewusster. Die Leute sagen: Komm, wir müssen noch ein letztes Foto machen. Ich bin gespannt, wie das im Stadion wird am Samstag." Dann wird Lustenberger mit seinen beiden Söhnen aufs Spielfeld laufen – und danach sein 308. Pflichtspiel für Herthas Profis bestreiten.

Die Saison endet, zwei große Hertha-Karrieren auch. Einen Sieg zum Abschluss hätten die beiden allemal verdient.

Sendung: rbbUM6, 16.05.19, 18:00 Uhr

Beitrag von Dennis Wiese

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