Avdo Sphahic (links) und Leon Schneider schauen enttäuscht nach dem Abstieg von Energie Cottbus (Foto: Imago)
www.imago-images.de
Audio: Inforadio | 18.05.2019 | Andreas Friebel | Bild: www.imago-images.de

Abstieg in die Regionalliga - Quo vadis, Energie Cottbus?

Nach dem Abstieg aus der dritten Liga muss Energie Cottbus überlegen, wie es weitergehen soll. Ein Großteil der Spieler wird den Verein verlassen - und auch Trainer Claus-Dieter Wollitz ist sich noch nicht sicher, ob er bleiben will.

Als Schiedsrichter Daniel Schlager nach aufreibenden 95 Minuten abpfiff, blieben für den FC Energie Cottbus nur Leere, Frust und Enttäuschung. Die Spieler sackten entmutigt zusammen und selbst der sonst mit so großem Sendungsbewusstsein ausgestattete Trainer Claus-Dieter Wollitz brauchte zunächst ein Weilchen, um das Erlebte zu verarbeiten. Ein einziges Törchen fehlte den Lausitzern letztlich, um in der dritten Liga zu bleiben.

20 Verträge laufen aus

Doch die Zeit zum Wundenlecken ist knapp im Fußball. Es gilt, die nächste Saison zu planen und neue Ziele anzupeilen. Auch wenn Energie-Präsident Werner Fahle im Moment des Abstiegs daran noch nicht denken mag. Es sei "zu zeitig, um zu sagen, wie es weitergeht". Dabei ist der Handlungsdruck groß in der Lausitz. Denn, wie bei einem Abstieg üblich, kommen große Umwälzungen auf den Klub zu.

Gleich 20 Spielerverträge laufen aus, darunter die Arbeitspapiere von Leistungsträgern wie Dimitar Rangelov, Marcelo de Freitas, Jürgen Gjasula oder Streli Mamba, den es wohl nach Paderborn zieht. Klar ist: Ein Großteil der Spieler wird sich aus Cottbus verabschieden.

Aufbruchstimmung ist nötig

Das Kommen und Gehen rund um das Stadion der Freundschaft wird in diesem Sommer entsprechend groß sein und das Gesicht der Mannschaft in Zukunft ein anderes werden. Für den früheren Cottbuser Profi und Manager Christian Beeck ist ein solcher Kraftakt eher Chance als Problem: "Da gehen 20 Türen zu, 20 neue gehen auf. Es muss komplett durchgemischt werden, um neu anzufangen." Eine positive Sichtweise, die Energie gut tun könnte.

Bleibt Wollitz?

Es ist allerdings fraglich, welcher Trainer diesen Neuanfang gestalten wird. Wollitz jedenfalls lässt sich nach dem Spiel in Braunschweig kein eindeutiges Statement zu einer eventuellen Zukunft in Cottbus entlocken. Er wirkt nach dem deprimierenden Saisonverlauf zwar sichtlich resigniert, betont aber auch, "reichlich Kraft, Energie und Mut" für einen Verbleib in der Lausitz zu haben. Wichtig sind dem 53-Jährigen dafür in erster Linie die Rahmenbedingungen. Mit anderen Worten: eine gewisse Aufbruchstimmung und vor allem Geld. "Denn um Ziele zu erreichen, brauchst du Qualität - und Qualität hat ihren Preis", so Wollitz. 

Hoffnung auf den Landespokal

Die finanziellen Grenzen sind in der Regionalliga aber noch weitaus enger gesetzt als in der dritten Liga. Energie wird auf einen Großteil der diesjährigen Fernsehgelder verzichten müssen und auch für Sponsoren ist Energie nach dem Abstieg weniger attraktiv. Ein spendierfreudiger Mäzen ist ohnehin nicht in Sicht.

Umso wichtiger ist für die Lausitzer das Finale im Landespokal am kommenden Sonnabend gegen Optik Rathenow. Schließlich bedeutet der Gewinn dieses Titels nicht nur ein gewisses Prestige, sondern vor allem die Qualifikation für den lukrativen DFB-Pokal. Mehr als 120.000 Euro Startgeld wären dem Klub sicher, hinzu kämen die Zuschauereinnahmen. Es könnte der Grundstein für die Zukunft des FC Energie sein.     

Sendung: rbb24, 18.05.2019, 21:45 Uhr

Die Saison in Bildern

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

6 Kommentare

  1. 6.

    Ich hoffe, dass Wolle Wollitz weitermacht - weitermachen darf, um den direkten Aufstieg anzupeilen.
    Seid nicht so blöd und schmeisst jetzt alles übern Haufen !!! Nur unter der Voraussetzung werde ich
    bereit sein eine Jahreskarte zu investieren um den Verein in der neuen Spielzeit weiter zu unterstützen.
    Machts gut Energeten.

  2. 3.

    Und die Konsequenz aus Ihrer Antwort?!
    Den Laden dichtmachen, Insolvenz vermelden?

    Im Ernst: Natürlich ist es unfassbar schwer, noch einmal das gesamte Umfeld zu mobilisieren, gerade im Bereich der Geldgeber.
    Aber Energie hat bereits gezeigt, dass es möglich ist „zurückzukommen“.
    Es scheint aber alternativlos, will der Verein nicht in Gänze in der sportlichen Versenkung verschwinden.

  3. 2.

    In Cottbus wird es wohl kaum noch mal so einen Kraftakt leisten können. Wo soll denn das Geld herkommen?

    Die Braunkohle geht raus und es bleibt nur die Sparkasse + Diverse Mittelständische Unternehmen.

  4. 1.

    Ohne Frage, ein richtig, richtig harter Abstieg, der mit dieser Punktezahl in vielen anderen Jahren gereicht hätte.

    Dennoch: Wie kann sich Präsident Fahle hinstellen und von „zu zeitig“ sprechen, wie es weitergehen soll???
    Es ist das A und O verantwortlicher Führungskräfte entsprechende Szenarien zu planen! Und die potentielle Zweigleisigkeit war leider, leider lange vorhersehbar.

    Aufstehen und den Plan B aufzeigen, den man hoffentlich seriös für die undankbare Regionalliga erarbeitet hat!
    Für den FCE!

Das könnte Sie auch interessieren

Energie-Spieler Moritz Broschinski am Ball (Quelle: imago images / Steffen Beyer)
imago images / Steffen Beyer

3:2 gegen Meuselwitz - Energie feiert spektakulären Last-Minute-Sieg

Dieses Spiel werden die Cottbuser wohl so schnell nicht vergessen. Gegen Meuselwitz lagen die Lausitzer bereits mit 0:2 zurück und schafften in den letzten Minuten noch den überraschenden 3:2-Sieg, durch den sie auch in der Tabelle einen Sprung machen.

Hertha-Trainer Ante Covic während des Spiels seiner Mannschaft bei Mainz 05. Quelle: imago images/Eibner
imago images/Eibner

Hertha in der Krise - Der falsche Fokus

Einen Monat nach dem umjubelten Punkt in München findet sich Hertha BSC am Tabellenende wieder. Den offensiv formulierten Zielen des Sommers folgt der schlechteste Saisonstart seit 1972. Die Krise hat verschiedene Gründe. Von Till Oppermann