Svenja Huth ist beim letzten Turbine-Heimspiel zu Tränen gerührt (Quelle: imago images / Jan Huebner)
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Audio: Inforadio | 13.05.2019 | Vis à vis mit Svenja Huth | Bild: imago images / Jan Huebner

Interview | Turbine-Kapitänin Svenja Huth - "Das habe ich Turbine Potsdam zu verdanken"

Sie war Torjägerin, Vorbild und Kapitänin: Nach vier Jahren in Potsdam verlässt Svenja Huth den Verein in Richtung Wolfsburg. Im Interview spricht sie über die Gründe für den Wechsel, ihre prägendsten Turbine-Momente und die anstehende Weltmeisterschaft.

rbb|24: Nach vier Jahren in Potsdam werden sie den Verein Turbine in Richtung Wolfsburg verlassen. Das letzte Heimspiel war sehr bewegend. Wie ging es Ihnen dabei?

Svenja Huth: Während des Spiels kann man das ganz gut ausblenden, aber vor und nach dem Spiel war es schon sehr emotional. Ich hatte hier vier sehr, sehr schöne Jahre. Ich habe mich hier von Anfang an sehr wohl gefühlt. Deshalb war es keine einfache Entscheidung und der Abschied auch etwas schwer.

Jetzt geht es zum Serienmeister und Branchenführer Wolfsburg. Warum dieser Verein?

Ich weiß aus meinen Frankfurter Zeiten, wo ich zehn Jahre gespielt habe, wie schön es ist, Titel zu gewinnen und um Titel mitzuspielen. Ich war jetzt vier Jahre in Potsdam und wir haben es leider immer verpasst, zumindest den zweiten Platz zu erreichen und damit die Champions-League-Qualifikation für die darauffolgende Saison. Ich bin einfach erfolgshungrig und ehrgeizig. Wolfsburg zählt zu den Top-Mannschaften Europas, ist gerade wieder Double-Sieger geworden. Deshalb ist es einfach eine sportliche Weiterentwicklung, um Titel zu gewinnen.

Das heißt im Umkehrschluss: Mit Turbine sind perspektivisch diese Titel nicht möglich?

Wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass immer ein, zwei Spielerinnen in der Spitze gefehlt haben, um gerade in diesen entscheidenden Situationen wichtige Spiele für uns zu entscheiden. Dadurch ist es natürlich in den letzten Jahren schon immer schwer gefallen. Letztes Jahr sind Lia Wälti und Tabea Kemme schon gegangen. Dann wird es natürlich immer schwieriger. Wir haben ganz viele junge Fußballerinnen, die heranwachsen - die aber vielleicht auch noch ein bisschen Zeit brauchen. Ich bin mittlerweile 28. Deshalb möchte ich natürlich so schnell es geht wieder Titel gewinnen.

Schauen wir mal vier Jahre zurück. Sommer 2015, Sie sind als gestandene Bundesligaspielerin aus Frankfurt gekommen. Warum damals die Entscheidung für Potsdam?

Ich war dann mittlerweile zehn Jahre in Frankfurt, bin da aus der eigenen Jugend gekommen. Für mich war es an der Zeit für einen Tapetenwechsel. Ich habe hier von Anfang an das Vertrauen gespürt, was ich brauche, um meine Leistungen zu bringen und konnte mich in den letzten Jahren sportlich und menschlich weiterentwickeln und in Potsdam zu einer festen Größe werden.

Svenja Huth bei einem Bundesliga-Spiel 2015 (Quelle: imago/Eibner)
Svenja Huth wechselte 2015 von Frankfurt zu Turbine Potsdam. | Bild: imago/Eibner

Was macht Turbine als Verein aus?

Turbine ist ein sehr familiärer Verein, wo alles sehr herzlich zugeht. Auf dem Platz strahlt Turbine immer etwas Kämpferisches aus. Ich glaube, keine Mannschaft spielt gerne gegen Turbine Potsdam, weil wir niemals aufgeben, als Einheit zusammenstehen und versuchen, so die Spiele zu gewinnen.

Vier Jahre in Potsdam: Was war am prägendsten in dieser Zeit für Sie?

Es sind Erfolge und Misserfolge dabei gewesen. Für mich persönlich ist es natürlich immer sehr gut gelaufen. Ich bin von Anfang an Stammspielerin gewesen. Ich konnte mich nach meiner Verletzung - ich hatte 2013 einen Kreuzbandriss und war auch kurzzeitig mal nicht in der Nationalmannschaft - wieder in den Fokus der Nationalmannschaft spielen. Mittlerweile bin ich Vize-Kapitänin. Das habe ich natürlich auch ein Stück weit Turbine Potsdam zu verdanken.

Svenja Huth feiert Olympia-Gold in Rio (Quelle: imago/Annegret Hilse)
Svenja Huth (li.) gewann 2016 in Rio die Olympische Goldmedaille. | Bild: imago/Annegret Hilse

Im Juni startet in Frankreich die Weltmeisterschaft. Mit welchen Zielen gehen Sie in das Turnier?

Ich glaube, wir sind gut in das WM-Jahr gestartet, obwohl wir natürlich wissen, dass wir noch an ein paar Stellschrauben drehen müssen. Aber wir sind auf einem guten Weg und es macht sehr viel Spaß. Natürlich zählt Deutschland bei so einem großen Turnier auch zu den Favoriten. Mittlerweile können acht, neun Nationen Weltmeister werden, deshalb wird das kein Selbstläufer.

Die Bezeichnung "Torjägerin" trifft es ja nur halb. Ihre Vielseitigkeit ist das, was Sie neben vielen anderen Dingen ausmacht. Wie würden Sie ihren Stil charakterisieren?

Ich würde sagen: kämpferisch, Wirbelwind und niemals aufgebend. Ich treffe natürlich auch gerne selbst, aber ich bereite auch Tore gerne vor. Da ist mir auch egal, wer das Tor macht. Hauptsache, wir machen die Tore und gewinnen die Spiele. Ich bin wirklich ein absoluter Teamplayer. Dieser Teamgeist hat mich auch schon damals immer am Fußball fasziniert. Als ich mit dem Fußball angefangen habe, habe ich auch Tennis gespielt, aber für mich war klar: Wenn ich mich entscheiden muss, entscheide ich mich für den Fußball.

Sendung: Inforadio, 09.05.2019, 10.15 Uhr

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