Anja Mittag in ihrem letzten Spiel für den FC Rosengard. Bild: imago/Bildbyran
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Ehemalige Turbine-Spielerin - Anja Mittag beendet ganz leise ihre Karriere

Sie hat getroffen und getroffen - und gewonnen und gewonnen. Anja Mittag hat eine Karriere im Frauenfußball hingelegt, die nicht viele vorweisen können. Richtig begonnen hat alles bei Turbine Potsdam. Nun ist Schluss. Ihr Abschied fällt sehr dezent aus.

Es waren drei Worte. "Tack för allt", schrieb Anja Mittag vergangene Woche bei Instagram in fetten Großbuchstaben auf einer Collage, die Bilder von ihr im Trikot des FC Rosengard zeigt. Nicht schwer war diese Botschaft - das Dankeschön - zu übersetzen, auch wenn man zu den Menschen gehört, die des Schwedischen nicht mächtig sind. Eine Große des Frauenfußballs sagte ade - nicht nur dem schwedischen Top-Klub, sondern dem Profifußball insgesamt. Mit 34 Jahren verlässt Mittag die Bühne, die sie 2002 betreten hatte: in Potsdam bei Turbine. Knapp 500 Kilometer und eine ausführliche Fährfahrt entfernt vom Malmöer Stadtteil Rosengard.

17 Jahre alt war die gebürtige Chemnitzerin, als sie nach Stationen in ihrer Heimatstadt und bei Erzgebirge Aue in die Landeshauptstadt Brandenburgs kam, zu ihrem ersten Verein in der ersten Liga. Neun Jahre sollte sie bleiben, einen kurzen halbjährigen Abstecher zu QBIK Karlstadt nach Schweden ausgenommen. Die Stürmerin traf und traf und traf. Ganze 116 Tore erzielte sie in 162 Spielen für Turbine. Eine fraglos stattliche Quote, mit der die junge Mittag dazu beitrug, dass der Verein so manchen Titel ins Karl-Liebknecht-Stadion holte. Meisterschaften, Pokal- und Champions-League-Siege - alles war mit dabei.

Anja Mittag erzielt ein Tor für Turbine Potsdam. Bild: imago/Camera 4
Erfolgreich für Turbine: Anja Mittag erzielte insgesamt 116 Tore für die Potsdamerinnen. | Bild: imago/Camera 4

Große Verbundenheit

2011 ging sie, spielte - längst auch als gestandene deutsche Nationalspielerin - für die ganz großen Klubs Europas: für Rosengard, das damals noch LdB FC Malmö hieß, Paris Saint-Germain und den VfL Wolfsburg. Nicht immer lief es rund. In einer Laufbahn, die unzählige Höhen kannte, gab es auch immer wieder mal schwierige Phasen, bittere Momente. Die Europameisterschaft 2017 mag dazu zählen. Schon im Viertelfinale war da gegen Dänemark Schluss. Für die starken deutschen Frauen war das ein Debakel. Nur 23 Tage später trat Mittag aus der Nationalmannschaft zurück - mit 50 Toren in 158 Spielen, drei Europa-, einem Weltmeistertitel und Gold bei den Olympischen Spielen.

Egal, wo Mittag war - die Verbindung zu Turbine blieb stets bestehen. Erst Anfang 2019 veranstaltete Potsdam beim Hallencup auch ein Legendenspiel. Viele große Namen kamen. Auch Mittag. Samstag flog sie aus Malmö ein, Sonntag wieder aus. Ein ganz schöner Aufwand, aber er war es ihr wert. "Ich habe hier viele Jahre einiges miterlebt und habe immer noch ein Auge darauf", sagte sie damals in einem Interview mit den "Potsdamer Neuesten Nachrichten" - und: "Ich verfolge es als Fan und freue mich über Siege von Turbine."

Vielleicht Trainerin?

Eine Leidenschaft, die sie nun vielleicht noch intensivieren kann. Nach dem Ende der Karriere, die ihr allerletztes Kapitel in Linköping erlebte. Von der Bank aus sah Mittag das 0:0 ihres FC Rosengard an jenem Montagabend Mitte Mai in der Stadt in Östergötland, die man - wenn man es denn tut - vor allem wegen ihrer Universität kennt. Ein ruhiger Abschied, der zu Mittag passt. Äußerlich fällt die Spielerin mit ihren vielen Tattoos durchaus auf, eigentlich ist sie aber eher der zurückhaltende Typ. Ganz ohne Feierei ließ man sie aber in Schweden freilich nicht abtreten. Schon Tage zuvor beim letzten Heimspiel der Karriere gab es die. Aus der Zeit stammt auch der Dankeschön-Post bei Instagram.

Dass es nun vorbei ist mit dem Profi-Dasein, ist ein bewusster Entschluss der Frau, die ihren vielleicht größten Moment im Maracana erlebte, jenem mythenumwobenen Stadion in Rio de Janeiro. 2016 holte sie dort bei den Olympischen Spielen die besagte Goldmedaille mit der Nationalmannschaft. "Die Entscheidung war in erster Linie eine Frage der Motivation. Man opfert so viel, und der Zeitpunkt fühlt sich jetzt einfach richtig an", sagte Mittag dem Sport-Informations-Dienst (SID). Sie wolle sich weiterentwickeln, "gerne in die Trainer-Richtung." Was nicht heißt, dass es nicht auch noch ein bisschen in den Füßen juckt. "Vielleicht", betonte sie, "kann ich als Spielerin noch bei einer Mannschaft aushelfen, die nach oben will." Angebote gäbe es sicherlich en masse - für eine ziemlich einmalige Stürmerin.

Sendung: rbb UM6, 21.05.2019, 18 Uhr

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