Will mit Hertha BSC neue Märkte erschließen: Manager Michael Preetz. / imago/Sven Simon
Audio: Inforadio | 22.05.2019 | 11:15 Uhr | Jakob Rüger | Bild: imago/Sven Simon

"Wir wollen neue Märkte erschließen" - Hertha BSC geht auf Werbetour durch die USA

Für die Profis von Hertha BSC ist die Saison noch nicht vorbei. Auf einer USA-Tour sollen sie helfen, den Verein international bekannt zu machen. Die Reise ist von der Deutschen Fußball-Liga gefördert - und bei Weitem nicht mehr so abenteuerlich wie noch 1970. Von Jakob Rüger

Es scheint sie zu geben, die Hertha-Fans in den Vereinigten Staaten. Der entsprechende Instagram-Account weist immerhin 74 Abonnenten auf. Geht es nach den Verantwortlichen von Hertha BSC, dürfen in den nächsten Tagen gern ein paar mehr hinzukommen. "Wir wollen neue Märkte erschließen", begründet Geschäftsführer Sport Michael Preetz die zehntägige Reise in die USA, obwohl die Saison längst beendet ist.  

Bundesliga hinkt international hinterher

Seit 1998 reisen Klubs wie der AC Mailand, Manchester United oder der FC Barcelona um die Welt, um neue Fans und Sponsoren zu gewinnen und um die eigene Marke zu stärken. In Deutschland hat man den Bereich der Auslandsvermarktung lange Zeit nicht ernst genommen. Der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), Christian Seifert, fordert mehr Auslandsreisen der Bundesligisten. "Es ist unerlässlich", so Seifert, "dass wir mehr und besser koordinierte Aktionen im Ausland starten. Wenn wir das nicht tun, werden wir den Anschluss verlieren."

Die Bundesliga versucht schon seit Jahren, auf dem asiatischen und amerikanischen Markt Boden gut zu machen. Die englische Premier League nimmt nur durch die Auslandsvermarktung im Fernsehen bis 2021 2,6 Milliarden Euro ein. Das ist mehr als doppelt so viel wie die Bundesliga (1,16 Milliarden Euro). Damit die deutschen Vereine sich im Ausland präsentieren und so Werbung für die Liga machen, hat die DFL eine Prämie ausgelobt. Von der profitiert nun auch Hertha BSC.

Kurzfristig kleiner, langfristig großer finanzieller Effekt?

"Wir bekommen durch die DFL-Zuschüsse, durch Werbepartner und Einnahmen der Freundschaftsspiele so viel Geld, das wir uns die Reisekosten leisten können", sagt Herthas Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller. "Wir werden sogar einen kleinen Überschuss behalten, wahrscheinlich im fünfstelligen Bereich." Für einen Bundesligisten, der rund 130 Millionen Euro pro Saison umsetzt, ein marginaler Gewinn. Doch Hertha BSC erhofft sich einen langfristigen finanziellen Effekt, denn vor allem die Stadt Berlin ist eine bekannte Marke in den Vereinigten Staaten. "Es geht darum, präsent zu sein auf einem wichtigen Markt", erklärt Schiller. "Es sind in den USA viele potentielle Sponsoren, die wir für Hertha BSC gewinnen können."

Schon 1970 war Hertha BSC auf USA-Tour. Damals fuhr man mit dem Boot über den Atlantik, anschließend ging es für das Team von Trainer Helmut Kronsbein quer durchs Land. Unter abenteuerlichen Umständen absolvierte Hertha zehn Spiele in 24 Tagen. So verrückt wird es diesmal nicht zugehen. Geplant sind neben lockeren Trainingseinheiten und Werbeterminen auch zwei Freundschaftsspiele: einmal gegen das Major-League-Soccer-Team Minnesota United FC und dann gegen den Forward Madison FC aus der unterklassigen USL League One.

Erst der Anfang

Herthas US-Tour soll ein erster Schritt sein, um den Verein international bekannt zu machen. Weitere Marketingreisen will Ingo Schiller deshalb nicht ausschließen: "Ob das Asien oder noch einmal Amerika ist, werden wir sehen, aber wir wollen auch in Zukunft internationale Aktivitäten in Angriff nehmen." Der FC Bayern München oder Borussia Dortmund machen mit ihren Auslandsreisen Gewinne von fünf bis sechs Millionen Euro und sie spüren den langfristigen Effekt. Auch Hertha BSC hofft in Zukunft von der Internationalisierung profitieren zu können.

Sendung: Inforadio, 22.05.2019, 11:15 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

14 Kommentare

  1. 14.

    Zum Thema kann ich nur sagen, z.B. die Stadt Madrid hat ihrem geliebten Real für 1 Milliarde ihr Trainingszentrum "abgekauft" um diese zu stützen.
    Da gibt es noch viele andere Beispiele, nur in Berlin lässt man den Erstliga Fussball im Regen stehen, traurig und beschämend !

  2. 12.

    Union spielt bald in der Bundesliga? Ist ja interessant. Sind Sie Mitglied der Wettmafia, Hellseher oder besitzen Sie eine Zeitmaschine? Bitte seien Sie so sozial und teilen Sie Ihre verlässliche Quelle damit ich Geld drauf wetten kann.

    Aber mal zum Thema:
    Wie dieser Kommerz im Fussball Überhand genommen hat ist wirklich schlimm. Die Bundesliga macht jetzt schon keinen Spaß mehr.
    Im Fussball geht es schon lange ums große Geld. Aber es ging zumindest auch um Fussball. Letzteres ist heute völlig irrelevant.
    Ich bin mir sicher: Sollte ein Sponsor einem Bundesligisten anbieten für viel Geld seine Heimspiele in Australien auszutragen würden wahrscheinlich fast alle JA schreien.

    Wieso geht Hertha eigentlich überhaupt auf Werbetour für die DFL? Nur die DFL profitiert davon.

  3. 11.

    Leider hat Hertha ein falsches Thema: "Berlin Tears Down Walls". Den Amerikanern ist die Berliner Mauer total egal, die Mauer die hier diskutiert wird ist die Mauer zwischen den USA und Mexiko - fast alle Demokraten sind dagegen und fast alle Republikaner sind dafuer! Mit anderen Worten: Ohne Erklaerung wird der Hertha Slogan missverstanden, und etwa die Haelfte aller Leute in den USA sehen darin eine ANTI TRUMP, ANTI REPEBULICAN Aktion. Schade, Hertha BSC. Wenn Ihr in andere Laender reist, solltet Ihr Euch vorher mit den THEMEN dort vertraut machen. Marketing Lesitung noch schelchter als die Rueckrunde. Null Punkte!

  4. 10.

    Zum einem ist Union unsypatsich zum andern nur krasser Außenseiter in den Relegationsspielen.

  5. 9.

    Union spielt doch bald Bundesliga. Endlich ein sympathischer Club der dann Berlin repräsentiert.

  6. 8.

    Frankfurt kennt jeder Ami.... Denn in den USA ist das Militär in der öffentlichen Wahrnehmung. Und US Standorte in Deutschland sind fast allen ein Begriff.

    Aber ja, Hertha hat schon ein positives Image. Auch in Europa.

  7. 7.

    Genau dann hat Berlin keinen Bundesligafußball mehr und kann richtig stolz auf sich sein.

  8. 6.

    Von mir aus können sie ja mal schauen, ob sich dort ein Stadion bauen lässt. Dann sind wir dieses leidige Thema endlich los. Und die Hertha auch. Hihi!

  9. 5.

    Ich glaube, dass Hertha sogar mit die besten Chancen der Bundesligisten hat, in den USA neue Märkte zu erschließen.
    Berlin als Hauptstadt Deutschlands wird den Amerikanern eher ein Begriff sein als Paderborn, Mainz oder auch Frankfurt. Diejenigen, die den europäischen Fußball verfolgen, werden die Bayern und Dortmund kennen und entweder schon Fan von denen sein oder lieber einen 'Underdog' verfolgen. Warum nicht also Berlin?
    Habe eh das Gefühl, dass Hertha prozentual gesehen im Ausland besser angesehen ist als in Deutschland. Ist mir im Urlaub in England aufgefallen, wo mich viele (positiv) auf Hertha angesprochen haben, wo ich nicht mal erwartet hätte, dass so viele unsere blau-weiße Fahne überhaupt mit irgendwas in Verbindung bringen.

  10. 4.

    Also ich lese im Text an mehreren Stellen, dass es vor allem um die Hertha geht.
    Wie die wohl in den USA ausgesprochen wird? ;-)

    Ich wünsche den Spielern der Hertha, dass ihnen der Juni zur Regeneration ausreicht.

    Der aktuelle Zuschauerschnitt kann sich sehen lassen. Gut finde ich, dass auch in der kommenden Saison Kinder unter 14 Jahren freien Eintritt haben werden (außer gegen Bayern und Dortmund). Werden diese im Schnitt pro Spiel 2.000 Gratis-Kiddies eigentlich in den offiziellen Zuschauerschnitt it eingerechnet?

    Ich denke, dass der Verein Hetha BSC mehr davon hätte, sein Potenzial in und um die Hauptstadt weiter zu erschließen anstatt in die USA zu reisen, um dort für sich (und ja: auch für die DFL) die Werbetrommel zu rühren.

  11. 3.

    Die beste Werbung ist guter und erfolgreicher Fussball auf internationaler Ebene. Wenn das über Jahre oder zumindest in einer Saison so wie jetzt Frankfurt gelungen ist, könnte man logisch daran im Ausland anknüpfen.

    Aber bei aller Liebe für Hertha, dies ist eine unkoordinierte und unnötige Aktion.

  12. 2.

    "Der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), Christian Seifert, fordert mehr Auslandsreisen der Bundesligisten." Es geht um den Bundeligafußball, nicht speziell um Hertha..... Einfach den Artikel lesen, nicht nur die Überschrift. Und zum Thema Oly und Auslastung bitte mal die Zuschauerzahlen der Liga anschauen.

  13. 1.

    USA??? Neue Märkte erschließen??? Neues Stadion bauen??? Vielleicht einfach mal den Heimatmarkt so weit erschließen, dass das Olympiastadion stets voll ist. Die Heimat Berlin ist so groß und das zu erschließende Potential ebenfalls. Das würde auch dem Klimaschutz in die Hände spielen...

Das könnte Sie auch interessieren

Stefan Peno am Ball für Alba Berlin (Quelle: imago images/Bernd König)
imago images/Bernd König

Albas Stefan Peno kämpft für sein Comeback - Der harte Weg zurück

Neun Monate ist die schwere Kniescheiben-Verletzung von Alba Berlins Point Guard Stefan Peno her. Seitdem arbeitet der 22-Jährige ununterbrochen an seinem Comeback. Der Weg zurück in den Basketball ist mühsam - doch 2020 könnte er es geschafft haben. Von Uri Zahavi