Hertha-Manager Michael Preetz sitzt auf der Bank (Quelle: imago images / Jan Huebner)
Audio: Inforadio | 11.05.2019 | Astrid Kretschmer | Bild: imago images / Jan Huebner

Hertha bittet um Geduld - Warten auf den Trainer

Ob Stadion oder Trainer-Debatte - langweilig wird es mit Hertha eigentlich nie. Doch am Ende einer sportlich fast schon bedeutungslosen Saison und vor dem Spiel beim FC Augsburg geht es vor allem um eine Frage: Wer beerbt Pal Dardai? Von Astrid Kretschmer

Fix ist bekanntlich, wenn der Lange twittert. Denn bei Hertha BSC werden bedeutende Entscheidungen nicht unbedingt auf der Pressekonferenz bekanntgegeben. Stattdessen ist der Twitter-Account von Manager Michael Preetz "the place to be". Oder wird die momentan wichtigste Personalie, die des neuen Cheftrainers, doch auf der Mitgliederversammlung am 19. Mai präsentiert - direkt nach dem letzten Spieltag? So wünschen es sich jedenfalls viele Hertha-Fans. "Nein", sagte Preetz jedoch am Donnerstag vor der Partie am Samstag beim FC Augsburg - das sei "nicht das erklärte Ziel".

Die Fans von Hertha BSC müssen sich in der Trainer-Frage also womöglich noch ein wenig länger gedulden. Es könne sicherlich nicht schaden, wenn man schon unmittelbar nach Saisonende wisse, wie es weitergeht, sagte Preetz, aber man wolle sich selbst keinen zeitlichen Druck machen.

Kein Kommentar zu U23-Trainer Ante Covic

Noch-Cheftrainer Pal Dardai muss seinen Posten im Sommer nach gut vier Jahren räumen.
Zahlreiche Kandidaten wurden als Nachfolger durch Blätterwald und Digital-Kanäle gejagt, frei nach dem Motto "Der Nächste, bitte!". Vom Schweizer Gerardo Seoane (will bei Young Boys Bern bleiben) über Jürgen Klinsmann (will grundsätzlich nicht in die Bundesliga) bis hin zum früheren Huddersfield-Coach David Wagner. Der schlägt aller Voraussicht nach auf Schalke auf.

Seit dieser Woche wird in diversen Medien eine interne Lösung gehandelt. Der langjährige Hertha-Spieler und aktuelle U23-Coach Ante Covic dürfe sich Hoffnung auf den Aufstieg zum Bundesliga-Trainer machen. Manager Preetz wollte dieses Gerücht nicht kommentieren. "Die Dinge müssen erst erledigt werden, dann können wir sie verkünden", sagte Preetz und bat um Geduld: "Ich verstehe, dass spekuliert wird. Das wird so lange gehen, bis wir es beenden, indem wir eine Lösung präsentieren."

Dardai hat Platz zehn im Visier

Sportlich ist die Situation vor dem vorletzten Bundesliga-Spiel in dieser Saison beim Tabellenvierzehnten Augsburg etwas schräg. Nach zuvor sieben sieglosen Spielen hatten die Berliner ihren Negativlauf jüngst mit einem 3:1 gegen den abstiegsbedrohten VfB Stuttgart gestoppt. "Wir hatten eine richtig schlechte Serie", so Pal Dardai, "zwei Mal Unentschieden, ein Sieg. Wir sind ein bisschen raus aus dem Loch."

Hertha hat sich also aus dem groben Krisenszenario rausgespielt - der FC Augsburg ist gerettet, hat nichts mehr mit dem Abstieg zu tun. Pal Dardai erwartet in Augsburg ein "gutes Bundesliga-Spiel, welches beide Mannschaften gewinnen wollen. Es geht um Image, um Fernsehgelder und nicht zuletzt darum, sich Selbstvertrauen zu holen," so der Ungar. "Wir wollen Punkte mitnehmen!"

In Augsburg geht es für Hertha erst einmal um Platz zehn, den der scheidende Dardai gern erreichen würde. Als Tabellen-Elfter haben die Berliner derzeit einen Punkt Rückstand auf den Zehnten Fortuna Düsseldorf. "Wir wollen den zehnten Platz", so Dardai, "Top 10, das sagt man immer, Top 9 sagt man nicht." Für Hertha sei dies wichtig, "auch für die Spieler, auch für die Zukunft, wenn du noch vier Punkte holst, dann hast du 20 Punkte in der Rückrunde. Dann ist das für den neuen Trainer, für die neue Hertha auch eine Entlastung. Dann hört man nicht mehr 'schlechte Rückrunde'", hofft der Ungar.

Preetz will gut aus der Saison rauskommen

Auch Manager Preetz betont die Wichtigkeit eines positiven Saison-Endspurts. "Zuletzt haben wir wieder regelmäßig gepunktet, nun wollen wir auch einen guten Abschluss schaffen", so Herthas Manager. In Augsburg erwarte er zwei Mannschaften, die "befreit aufspielen können".

Im letzten Saisonspiel am 18. Mai gegen Bayer Leverkusen zu Hause gehe es gegen einen spektakulären Gegner, für den es dann vielleicht noch um die Champions League geht.  
"Sechs Punkte sind noch zu vergeben, und wir werden alles daran setzen, um gut aus der Spielzeit herauszukommen!"

Jarstein operiert - mit Kraft im Tor ins Saisonfinale

Wegen der Knie-Operation von Herthas Stammkeeper Rune Jarstein am vergangenen Mittwoch rückt dessen etatmäßiger Vertreter Thomas Kraft an den letzten beiden Bundesliga-Spieltagen ins Berliner Tor. Dardai kann zudem in Augsburg wieder einige zuletzt angeschlagene oder gesperrte Spieler aufbeiten, zum Beispiel Marko Grujic und Jordan Torunarigha. Für Mathew Leckie ist die Saison mit einer Knöchelverletzung beendet. Den Australier könnte Javairo Dilrosun ersetzen. Salomon Kalou und Maximilian Mittelstädt haben nach überstandenen Blessuren wieder trainiert.

Für Dardai tickt die Uhr

Für Hertha-Urgestein Pal Dardai neigen sich vier turbulente Jahre als Chefcoach dem Ende zu, bevor seine geplante einjährige Trainer-Auszeit beginnt. Gefragt nach den zwei Wünschen, die er für die letzten zwei Spiele habe, blitzt noch einmal sein Humor auf. "Ich bleibe immer realistisch", sagte Dardai, "nicht sechs Punkte, sondern vier Punkte sind mein Wunsch."

Und dann muss er einen Augenblick überlegen, um schließlich mit einem verschmitzten Lächeln Michael Preetz an seinen speziellen Wunsch zu erinnern. "Und die Uhr! Bitte, Manager, nicht vergessen! Ich hab zwei Arme", sagt Dardai. Schließlich hatte er sich eine "schöne Uhr" als Abschiedsgeschenk vom Manager gewünscht. Diese Aufgabe dürfte in den verbleibenden knapp zwei Wochen leichter zu bewerkstelligen sein, als einen neuen Trainer zu präsentieren.

Sendung: Inforadio, 09.05.2019, 10.15 Uhr

Beitrag von Astrid Kretschmer

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1 Kommentar

  1. 1.

    Lodda Matthäus hat doch sicherlich Zeit...

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