Tobias Gunte (FC Viktoria) und Tino Schmunck (Tennis Borussia) in Spielszenen. Bild: imago/Picture Point/Matthias Koch
Bild: imago/Picture Point/Matthias Koch

Landespokalfinale Berlin - Für einen wird wenigstens das Ende gut

Das Berliner Landespokalfinale ist das Duell zweier Enttäuschten. Der FC Viktoria wollte noch im vergangenen Sommer hoch hinaus in der Regionalliga und landete hart in der Insolvenz, Gegner Tennis Borussia hat sich im Winter von seinen Fans entfremdet.

Wenn am Samstagmittag die Boxen im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark aufgedreht werden und irgendein Gewinner-Song zwischen "We are the Champions" und "So seh'n Sieger aus, schalalalala" durch den Mauerpark schallt, dann wird zumindest einer der beiden Finalisten diese Saison zu einem versöhnlichen Ende gebracht haben. Denn das Berliner Landespokalfinale ist so ein bisschen das Duell der Enttäuschten.

Pokalsieg wäre für beide ein Highlight

Ein Trostpreis ist der Pokal deshalb aber längst nicht, denn ein Sieg im Landespokal und die damit verbundene Teilnahme am DFB-Pokal wären sowohl für Viktoria, als auch für Tennis Borussia etwas Besonderes. Regionalligist Viktoria war zwar erst vor zwei Jahren zum letzten Mal im Endspiel und konnten den Landespokal 2014 sogar gewinnen. Selbstverständlich wäre ein Pokalsieg aber nicht, denn die drei Finalteilnahmen sind gleichzeitig die bisher einzigen.

Tennis Borussia dagegen ist zwar mit 16 Erfolgen - neun davon nach der Wende - Berliner Pokal-Rekordsieger, durfte sich aber schon seit elf Jahre nicht mehr über einen Titel freuen. Für den ambitionierten Oberligisten und seinen noch ambitionierteren Investor Jens Redlich wäre es ein sportlich wichtiger Melienstein auf dem Weg zu alter Relevanz.  

Viktoria: Insolvenz statt China-Millionen

Sportlich haben beide Vereine eine enttäuschende Saison hinter sich: Viktoria konnte in der Regionalliga nicht den Träumen des letzten Sommers gerecht werden. Damals war ein chinesischer Investor beim Lichterfelder Verein eingestiegen und hatte ehemalige Bundesliga- und Zweitligaspieler wie Jürgen Gjasula (ehemals Eintracht Frankfurt und Greuther Fürth), Petar Sliskovic (Mainz 05) oder Christoph Menz (Union Berlin) zu den Himmelblauen gelockt. Viktoria wollte sich auf den Weg in Richtung Profifußball machen. 

Im Winter stand der Verein auf Platz sechs, der Investor und die Stars waren weg und ein Insolvenzverwalter stattdessen da. Von Profifußball träumt hier erstmal niemand mehr. "Es war eine harte Situation, einige Spieler sind deshalb gegangen", sagt Verteidiger Tobias Gunte. Er selbst spielt für Viktoria, seit er neun Jahre alt war. "Es hat uns als Mannschaft aber auch zusammengebracht", sagt der 22-Jährige vor dem Pokalfinale. Sein Weg, aus dem Nachwuchs in die erste Mannschaft, wird nach der Insolvenz wieder ein wichtiges Modell bei Viktoria. Immerhin hat der Verein gute Voraussetzungen dafür: Mit über 1.000 Kindern und Jugendlichen und 52 Teams hat Viktoria die größte Jugendfußball-Abteilung Deutschlands.

Tennis Borussia: Redlich spaltet den Verein

Auch bei Tennis Borussia sind die Irrungen und Wirrungen dieser Saison maßgeblich mit einem Investor verbunden. Fitnessstudio-Besitzer Jens Redlich ist zwar kein Chinese und hat wahrscheinlich auch nicht so viel Spielgeld wie die Investoren-Gruppe aus Hongkong, aber mit Karim Benyamina hat es auch bei ihm immerhin für einen ehemaligen Zweitligaspieler gereicht. Den Ex-Unioner hat er - ausgerechnet - von Viktoria abgeworben.

Im Gegensatz zu seinen chinesischen Kollegen hat Redlich seinen Verein aber noch nicht verlassen und genau das ist für viele Tennis Borussia-Fans das Problem. Redlich stärkte bei einer Mitgliederversammlung Anfang des Jahres mit dubiosen Methoden seine Macht im Verein und seitdem hat TeBe eine ziemlich leere Kurve. Denn circa 150 Fans und damit ein beträchtlicher Teil der Kurve, unternehmen seitdem als "Caravan of Love" eine Tournée durch ganz Deutschland und unterstützen Vereine aus allen möglichen Ligen und Regionen, nur eben nicht mehr Tennis Borussia. "Das einzige Credo dort ist Erfolg. Das darf nicht das Einzige sein", sagt ein Fan. Präsident Redlich hält dagegen: "Wenn ein Fußballverein es nicht schafft, sich wirtschaftlich nach vorne zu entwickeln, dann wird man irgendwann versinken."

Deutlich weniger Zuschauer erwartet als im Vorjahr

Die Fronten beim Charlottenburger Traditionsverein sind dermaßen verhärtet, dass viele Fans wohl auch den möglichen gößten Triumph der jüngeren Vereinsgeschichte verpassen werden. Am Samstag veranstalten sie fast parallel zum Berliner Landespokalfinale ein eigenes "Endspiel" - zwischen einer TeBe-All-Star-Elf und einem bunt gemischten Team, das "Finale of Love" findet ab 12 Uhr im Neuköllner Werner-Seelenbinder-Sportpark statt.  

Weil auch der FC Viktoria nicht für eine beeindruckende Zuschauerkulisse bekannt ist, könnte es also etwas leerer werden im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Nur 1.500 Fans werden erwartet, im Vorjahr waren es noch über 6.000 bei der Partie BFC Dynamo gegen den Berliner SC. Besonders laut wird also nicht mitgesungen, wenn der Stadion-DJ sich irgendwann zwischen 12.30 Uhr und 13 Uhr für einen Gewinnersong entschieden hat. Aber das wird einem der beiden Teams dann auch egal sein, denn der dann feststehende Landespokalsieger weiß, dass es zwar keine richtig gute Saison war, aber eine mit einem guten Ende.

Sendung: rbb24, 24.05.2019, 16 Uhr

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Journalismus hat nicht die Aufgabe, Werbung zu betreiben, sondern zu beschreiben, was ist, Hintergründe aufzuzeigen.

    Wenn zwei Vereine aufeinandertreffen, die in den vergangenen Monaten für Negativschlagzeilen gesorgt haben, dann ist nicht der Journalismus daran schuld. Der Bericht ist sogar relativ moderat angesichts dessen, was geschehen ist. Er lässt beispielsweise die Aussage Redlichs so stehen, der grundsätzlich gar nichts entgegenzusetzen ist. Nur findet eben keine Weiterentwicklung statt bei TeBe, ganz im Gegenteil. Die Sponsorenbasis ist weg, der Verein hängt an der Nadel von Crunch Fit. Es sind auch weit mehr als 150, die beim Finale fehlen werden, sondern eine drei- bis vierstellige Zahl. Siehe Halbfinale 2018.

    Bei TeBe hat nicht weniger stattgefunden als eine feindliche Übernahme. Die Sportler, die ihre sehr temporären Interessen über die des Vereins gestellt haben, haben daran mitgewirkt. Aus deren Perspektive sogar nachvollziehbar. Aber sie sind eben nicht Opfer.

  2. 2.

    AUFRUF! Last Livestream Livestream sein und kommt ins Stadion um dem Spiel einen würdigen Rahmen zu geben. Trotz der, nur wegen der Fernsehübertragung in der ARD, frühen, unfreundlichen Zuschauerzeit um 10:30 Uhr.
    O.F.

  3. 1.

    Schade! Trotz der Probleme der beiden Vereine hätten sie eine Werbung für das sportlich erreichte Finale verdient. Sie schreiben nur negativ und werten das Finale ab. Kann man nicht auch mal für die Sportler werben? Kein Wort darüber, dass es hier zu einem Finale zweier großer Traditionavereine Berlins kommt. Es gibt eben doch nicht nur Hertha BSC und Union!
    Scheinbar stören die Versuche anderer Vereine Erfolg zu haben nur! Olaf fechner

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