2. Bundesliga, 34. Spieltag - VfL Bochum 1848 - 1. FC Union Berlin (Quelle: dpa/Dennis Ewert)
Bild: dpa/Dennis Ewert

Union vor der Bundesliga-Relegation - "Für uns geht es darum, Geschichte zu schreiben"

Für den direkten Bundesliga-Aufstieg hat es nicht gereicht, aber lange trauern können die Eisernen nicht. Schon am Donnerstag startet für Union die Relegation gegen Stuttgart. Im Rückspiel könnte der Heimvorteil zum entscheidenden Faktor werden. Von Lisa Surkamp

Sie waren schon durchnässt vom Regen. Und sie waren gezeichnet von den Gegentoren, die ihre Mannschaft in diesem so bedeutsamen Spiel kassiert hatte. Doch keiner der 11.000 Fans im und um das Stadion An der Alten Försterei dachte auch nur ansatzweise daran, zu gehen, als ihr Team im Ruhrpott mit 0:2 zurücklag.

Und dann war sie plötzlich wieder zu spüren, diese Euphorie. Grenzenloser Jubel in Rot und Weiß. 11.000 hoffnungsvolle Gesichter bis zum Abpfiff. Das Wunder von Bochum, es blieb an diesem Nachmittag zwar aus. Aber von der Euphorie ist dennoch etwas geblieben. "Dieses Gefühl, dass die Mannschaft immer wieder zurückkommt und die Fans immer hinter der Mannschaft stehen, das ist immer wieder unglaublich", berichtet Olaf aus Französisch-Buchholz mit leuchtenden Augen.

Noch nie waren sie dem Bundesliga-Aufstieg so nah

Der historische Bundesliga-Aufstieg ist immer noch möglich. Dagegen spricht die Statistik, denn seit 2012 hat sich kein Zweitligist mehr in der Relegation durchsetzen können. Und auch historisch haben die Köpenicker nicht durchweg gute Erinnerungen - nur zweimal in neun Versuchen schafften die Eisernen in ihrer Geschichte den Aufstieg nach Entscheidungsspielen.

Aber Union ist stetig gewachsen, seit zehn Jahren durchgängig Zweitligist und hat sich auf allen Ebenen enorm stabilisiert. Noch nie waren sie dem Aufstieg so nah wie jetzt. "Hätte uns vor der Saison einer gesagt, wir wären Dritter und hätten die Relegationsspiele, hätten wir es angenommen. Es ist okay, wenn man heute nochmal am Boden zerstört ist, aber ab morgen müssen wir uns auf Stuttgart fokussieren", sagte Abwehrchef Florian Hübner am Sonntag, der im Hinspiel wegen der zehnten Gelben Karte gesperrt fehlen wird.

Die Rahmenbedigungen für die Bundesliga stimmen

"Für die Stuttgarter geht es ums Überleben, für uns darum, Geschichte zu schreiben." Besser als Union-Stürmer Joshua Mees könnte man die Ausgangslage für die Relegationsspiele wohl kaum zusammenfassen.

Die Fans werden die Eisernen auch weiter unterstützen: Über 5.000 Unioner reisten mit nach Bochum, in Köpenick sind die Reihen regelmäßig ausverkauft. Die Skepsis, ob ein Aufstieg den Verein kommerzialisieren könnte, scheint bei den meisten Fans mittlerweile verflogen. Ein Ausbau des Stadions An der Alten Försterei ist längst geplant. Die Rahmenbedingungen für den Aufstieg in die Bundesliga stimmen also.

Fans schon aufstiegssicher

Euphorie statt Zurückhaltung - so könnte man das Motto für die beiden wichtigsten Spiele des Jahres beschreiben. "Natürlich wollen wir den Aufstieg", versichert Union-Fan Andreas. Unter den Anhängern herrscht Einigkeit: "Union ist eine geile Mannschaft und hat die Bundesliga verdient. Das Auswärtsspiel wird bestimmt etwas schwierig, aber das Heimspiel gewinnen sie", erklärt Paul aus Friedrichshain. "Union steigt auf, hundertprozentig!"

"Wir werden uns nicht in die Hose machen"

Gegen Bochum fehlte den Köpenickern nur ein Tor, um Historisches zu schaffen. Und gerade deshalb wollen es die Unioner gegen Stuttgart nun erst recht schaffen. "Wir wissen natürlich, dass wir kompletter Außenseiter sind. Stuttgart ist eine Mannschaft mit einem sehr guten Kader", weiß Kapitän Christopher Trimmel. "Aber wir werden uns nicht in die Hose machen."

Und einen großen Trumpf haben sie in der Hinterhand: das Rückspiel zu Hause - wenn 22.000 Fans voller Stolz singen werden. Bis zum Schluss. Und natürlich wieder mit der ganz großen Hoffnung.

Sendung: rbb24, 19.05.2019, 21.45 Uhr

Beitrag von Lisa Surkamp

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

15 Kommentare

  1. 15.

    Auf geht es Eisern! Hoch in Liga 1 und dem VfB zeigen wo es langgeht. Kräftiges Daumendrücken aus Rostock....ein 2:0 gg. den VfB ist immer drin ;-) !!!

  2. 14.

    Zusammen Fußball feiern wäre Spitze.....Vlt. spielten endlich mal 2 Hauptstadt - Vereine in der höchsten Spielklasse. In anderen Ländern geht das auch....Ohne Neid und Hass.

  3. 13.

    Ich denke mal als Unioner.....Wenn Dynamo an unserer Stelle stehen würde, wäre die Sympathie auch bei der SGD. Egal was mal war. Dynamo hätte das mit seinen geil en Fans auch verdient. Sowas gehört in die 1.Liga.

  4. 11.

    Danke, Olaf!
    Das sehe ich ganz genauso: UNABHÄNGIG vom Relegationsgegner - wie kann es sein, daß eine höherklassige Mannschaft, deren Leistung 25% unter der Mindestanforderung liegt (rechnen wir mal mit 40 Punkten), die Chance erhält, Relegation zu spielen?? Der Zweitliga-Dritte hat mehr als doppelt soviel Punkte und ein besseres Torverhältnis...ich werde den Verdacht nicht los, daß längst nicht mehr das Leistungsprinzip ausschlaggebend für den Klassenverbleib ist, sondern eine unnötige Protektion für vermeintliche "Traditionsvereine" - es ist ja nicht die erste Relegation, der so ein absurdes Tabellenbild zugrunde liegt... Ich wiederhole meinen Vorschlag: wenn Relegation, dann Platz 16 mit mindestens 35 Punkten bzw. hat der Dritte der unterklassigen Liga mehr als doppelt so viel Punkte, geht er automatisch hoch! Hat auch was mit Planungssicherheit für die kommende Saison zu tun...
    In diesem Sinne: UNVEU!

  5. 10.

    Nachdem ich vom Hertha-Spiel am Samstag gefrustet war, hatte ich auf den direkten Aufstieg von Union gehofft. Nach dem Spiel war ich dann echt geplättet und der Rest vom Wochenende verdorben. Ich hoffe, dass der Aufstieg trotzdem noch klappt.

  6. 8.

    Sorry Lausitzer, leider stimmt Ihre Aussage nicht ganz, denn das ganze Dresdner Heimpublikum rief nach dem 2:2 Ausgleichstreffer durch Union nicht Eisern Union sondern in Endlosschleife „Ostdeutschland“!! Man wollte hiermit lediglich eine gewisse Sympathie für den möglichen Aufstieg einer Ostmannschaft in die 1.Liga zum Ausdruck bringen.
    Entsprechend gab es ein gellendes Pfeifkonzert des K-Blocks, als die Paderborner jubelnd aus ihren Kabinen wieder auf den Rasen zurückkehrten, um den Aufstieg mit ihren Fans feiern zu können.
    Wahre SGD Fans würden nie Eisern Union rufen, dass ist so sicher wie das Amen in der ....
    Aber auch ich als SGD Fan muss zugeben, dass es mich für Union tatsächlich gefreut hätte, egal wie groß die sportlichen Rivalitäten auch sein mögen...es geht hier immerhin nur um Sport. Leider vergessen heutzutage zu viele Prollos und Kleinhirne, egal für welchen Verein ihr Herz schlägt.

    Forza SGD

  7. 7.

    G e s c h i c h t e ... fertig :-)

  8. 6.

    Zum Saisonende hat Stuttgart gerade mal 30 Punkte geschafft. Eigentlich schade, dass so ne Gurkentruppe nochmal eine Chance bekommt gegen Union, die eine hervorragende Saison gespielt haben und den Aufstieg mehr als verdient hätten.

  9. 5.

    Es ist Gänsehaut pur, egal ob man in der Alten Försterei ist oder "nur" zu Hause am PC den Liveticker verfolgen muß...
    Und Stuttgart kann alles, außer Fußball ;) Die Eisernen werden es schaffen und nächste Saison in der Alten Försterei die Bayern, den BVB und noch viele andere "Große" ärgern können...

  10. 4.

    Man muss den Spielern das Motto "Kopf aus,Herz an" noch eindringlicher einimpfen. Die Aussage von Hübner zeigt es:
    "Es wurden keine Anweisungen von draußen gegeben, aber man hat auf dem Spielfeld mitbekommen, wie es auf dem anderen Platz gestanden hat. Dann wollten wir es unbedingt, haben es aber nicht geschafft"
    Wollten sie es davor etwa nicht unbedingt? Man musste doch so oder so gewinnen!

    @Lausitzer
    Das klingt wirklich gut und macht die Sache irgendwie noch bitterer.
    Es braucht ein Auswärtsspiel wie gegen Dortmund,dann ist zu Hause alles drin,wie man gegen Köln,Hamburg usw gesehen hat. Stuttgart ist keine Übermacht und hat Druck ohne Ende.
    Man muss sich die Niederlage nur schönreden,zu Hause aufsteigen ist schließlich eh viel schöner ;)

  11. 3.

    Das liegt den Berliner Vereinen wohl ganz gut - wenn es um was geht, verhauen sie es.
    Ich wünsche den Eisernen viel Erfolg beim Aufstieg. Auch wenn es gegen Stuttgart natürlich nochmal schwerer wird, als sie es gegen Bochum hatten. Aber die Hoffnug stirbt zuletzt.
    Auf ein Stadtderby nächste Saison. Hahohe!

  12. 2.

    In Stuttgart ein Unentschieden und mit Fan-Unterstützung ein Sieg in der Alten Försterei - das Szenario könnte passen. Hoffentlich dann kein Tasmania-Dilemma in der Bundesliga!

  13. 1.

    Stuttgart wird eine Nummer zu groß sein!
    Es war noch nie so leicht gewesen, aufzusteigen! Und was macht Union! Verspielen und versemmeln es! Eine solche Chance wird es vielleicht nicht mehr so schnell wieder bekommen!
    Ich war gestern als neutraler Zuschauer in Dresden! Als Union das 2:2 geschossen, bebte das Stadion! Denn die Fans von DD(!) riefen alle Eisern Union! Gänsehaut pur! Für mich soundso, der schon in den 80er Jahren zu Union gefahren ist! Aber es hat nicht gereicht! Trotz Osthilfe! Echt schade!
    Aber die Hoffnung stirbt zuletzt! Aber mir fehlt leider der Glaube! Denn diese vergebene Riesenchance um den direkten Aufstieg wird noch lange in den Köpfen der Spieler sein! Und ob man das schnell wieder herausbekommt, weiß ich nicht!
    Dann hoffen wir mal auf ein Happyend!

Das könnte Sie auch interessieren