Union-Präsident Dirk Zingler nach dem Aufstieg (Foto: Imago / Matthias Koch)
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Video: rbb Spezial: Union erstklassig | 28.05.2019 | Dietmar Teige im Interview mit Dirk Zingler | Bild: www.imago-images.de

Union-Präsident Dirk Zingler im Interview - "Das größte Glücksgefühl, das man haben kann"

Schon als Kind war Dirk Zingler Fan von Union Berlin. Seit 2004 ist er Präsident seines Herzensvereins, mit dem er nun erstmals in die Bundesliga aufgestiegen ist. Am Tag danach erzählt er im Interview, was dieser Aufstieg für den Verein bedeutet.

rbb: Herzlich Glückwunsch zum Aufstieg, Dirk Zingler. Wie haben Sie die Feierlichkeiten erlebt, beziehungsweise überlebt?

Dirk Zingler: Vielen Dank. Es war natürlich ein besonderer Moment, das Ergebnis war das denkbar spannendste. Man muss immer damit rechnen, dass ein Tor fällt und die Sache kippt. Deswegen war es Anspannung pur und die Emotion, die daraus entsteht, kann wohl nur der Fußball entwickeln.

Ich habe Sie immer als unwahrscheinlich coolen, abgezockten Mann erlebt. Nach dem Abpfiff sah es aber etwas anders aus und Sie haben mit den Tränen gekämpft. Was ging in Ihnen vor?

Es war pure Freude. Ich bin an vielen Mitarbeitern vorbeigegangen und diese Freude und Erleichterung in ihren Gesichtern zu sehen, hat mich enorm mitgenommen. Manche arbeiten seit 20, 30 Jahren hier, haben schwere Zeiten erlebt und wurden nun dafür belohnt. Glück muss man teilen können. Und es mit Menschen zu teilen, die den Weg gemeinsam gegangen sind, ist das größte Glücksgefühl, das man haben kann. Auch unser Ehrenpräsident Günter Mielis, der den Verein 1966 mitgegründet hat, war da. Und diesen Moment mit ihm zu teilen, werde ich nie vergessen.

Was waren die Eckpfeiler in dieser Saison? Und was hat diese Eckpfeiler so stark gemacht, dass es mit dem Aufstieg geklappt hat?

Man muss erstmal feststellen, dass Union in der Bundesliga ist und Hannover, Stuttgart, Hamburg oder Nürnberg in der 2. Liga sind. Das ist etwas Besonderes und nur möglich, wenn ein Verein wie Union seine ganze Kraft entwickeln kann. Bei uns steigt nicht nur die erste Männermannschaft auf, sondern der gesamte Verein. Und diese geballte Kraft war zu spüren. Es gelingt uns seit vielen Jahren, dass wir alle an einem Strang ziehen und in die gleiche Richtung arbeiten. Das ist ein ganz wesentlicher Faktor für unseren Erfolg.

Skeptiker meinen, dass Union in der Bundesliga an Authentizität verlieren könnte.

Wir verlieren gar nichts. Dann müssten sich ja alle Personen, die diesen Verein prägen, als Menschen verändern. Aber warum sollten sie das tun? Wir werden den Fußball hier an der Alten Försterei in der 1. Liga genauso veranstalten wie in allen anderen Ligen. Es wird sicher größeres Bohei geben und das wird uns Spaß machen, aber wir bleiben, wie wir sind.

Wir verlieren gar nichts. Dann müssten sich ja alle Personen, die diesen Verein prägen, als Menschen verändern. Aber warum sollten sie das tun?"

Dirk Zingler

Die Lizenz gab es ohne Probleme, aber für das Stadion wurde eine Sondergenehmigung erteilt, weil es über weniger Sitzplätze als vorgeschrieben verfügt. Sie planen zwar den Ausbau auf 37.000 Plätze, haben aber noch nicht das Baurecht. Wie geht es mit diesem Projekt voran?

Das Bebauungsplanverfahren läuft und alle Beteiligten arbeiten proaktiv mit. Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten zwölf Monaten Baurecht bekommen. Wir arbeiten zudem mit Hochdruck an Lösungen für den Verkehr. Aber wir werden nicht bauen, wenn wir in der 1. Liga spielen. Wir können die Kapazität nicht verringern, was in der Bauphase aber nötig wäre. Deswegen warten wir ab, bis wir Baurecht bekommen und schauen, in welcher sportlichen Situation wir dann sind. Anschließend entscheiden wir, wann wir bauen.

Worauf freuen Sie sich in der 1. Liga am meisten?

Für mich sind Emotionalität, Rivalität und Abgrenzung ganz wichtige Faktoren. Deswegen sind für mich nur Stadtderbys richtige Derbys und das haben wir jetzt. Mein Kollege Werner Gegenbauer (Präsident von Hertha BSC, Anm. d. Red.) hat mir gratuliert und wir freuen uns beide auf das Derby.

Vielen Dank für das Gespräch.

"Nie wieder zweite Liga"

Das Interview führte Dietmar Teige, rbb Sport.

Sendung: rbb Spezial "Union erstklassig", 28.05.2019, 20:15 Uhr

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Sehr sympathischer Auftritt, gestern wie heute.
    Oft bemerkt man es ja eher, wenn ein Verein nicht so gut geführt wird. Daher an dieser Stelle mal ein Riesenlob an Zingler, der - zusammen mit seinem Team - den 1. FC Union Berlin so solide und seriös verwaltet und dabei die DNA des Vereins immer in den Vordergrund stellt!
    Sicher wird es auch hier Puristen geben, die das eine oder andere zu bekritteln haben - aber verglichen mit dem, was möglich ist, wenn man als Verein auch sportlich erfolgreich sein will, kratzt Union unter Zingler schon seit Jahren konstant am oberen Limit. Vieles erinnert mich bei diesem sympathischen Verein an meinen SC Freiburg und ich freue mich schon jetzt auf diese Begegnung im Stadion An der Alten Försterei.

    Genießt das Abenteuer Bundesliga, auch falls es "nur" eine Saison lang währen sollte! Dass Union sich hierbei finanziell übernehmen und hernach abstürzen könnte - diese Sorge mache ich mir bei einem Union Berlin unter Dirk Zingler nicht im Geringsten.

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