Union-Trainer Urs Fischer (Quelle: imago images / Christian Schroedter)
Bild: imago images / Christian Schroedter

Union kann in Bochum aufsteigen - The Final Countdown mit Fischerhut

Mit 5.000 Fans geht der 1. FC Union in die Partie beim VfL Bochum. Das Team von Trainer Urs Fischer hat die Chance, direkt in die Bundesliga aufzusteigen, muss aber darauf hoffen, dass der SC Paderborn nicht gewinnt. Ein Wimpernschlagfinale. Von Stephanie Baczyk

Urs Fischer ist kein guter Schauspieler. "Da wäre ich zu schlecht", sagt der Trainer des 1. FC Union, lacht und zuckt entschuldigend mit den Schultern. Fischer schäumt nicht über vor Emotionen an der Seitenlinie. Er beobachtet, er gibt auch mal Anweisungen, aber in erster Linie strahlt er eine Bierruhe aus. "Weil ich doch in meiner Karriere den einen oder anderen Trainer erlebt habe, der für mich - so empfunden - ein bisschen zu wild war."

Wild ist Coach Urs Fischer nicht. Aber wer genau hinschaut - vor diesem Spiel in Bochum, diesem Fernduell mit dem SC Paderborn - der sieht, wie die Augen des Schweizers größer werden, wie sie zu leuchten beginnen, während er über das bevorstehende Duell spricht. "Ja, also ganz ruhig bleibt ja auch der Trainer nicht", sagt er. "Eine gewisse Anspannung, eine gewisse Vorfreude ist auch beim Trainer da. Ich habe es zwanzig Jahre selber erlebt, darum weiß ich, was das heißt."

Das süße Gefühl des Erfolgs vs. Bochum

Über 500 Spiele hat Fischer als Profi gemacht, erst mit 37 Jahren seine Karriere beendet. In der Schweiz ist er mit dem FC Basel als Trainer Meister und Pokalsieger geworden, hat das Team in der Champions League gecoacht. Fischer kennt das klebrig-süße Gefühl des Erfolgs - die Bierduschen, den Jubel. Und er weiß, dass eben jenes Gefühl an diesem Wochenende wieder ausbrechen kann.

Vorausgesetzt, die Konkurrenz spielt mit. Der SC Paderborn, aktuell Tabellenzweiter der Zweiten Liga, hat einen Punkt mehr als die Köpenicker und hat dazu im Vergleich das bessere Torverhältnis. Die Truppe von Ex-Union-Profi Steffen Baumgart darf nicht gewinnen, damit der 1. FC Union die Chance auf den direkten Aufstiegsplatz hat. Die Voraussetzung dafür aber sei natürlich, dass Union selbst dann auch in Bochum gewinnt, so Fischer: "Und die Aufgabe ist schwer genug."

"Ich habe ein sehr gutes Gefühl"

Der VfL Bochum hat von den letzten vier Heimspielen keines verloren, starke zehn Punkte geholt. "Das wird eine Riesen-Herausforderung", weiß Unions Christopher Trimmel. "Die haben ein gutes Passspiel und letzte Woche sehr schöne Tore erzielt." Allerdings muss Trainer Robin Dutt gegen die Eisernen auf neun Spieler verzichten, der Einsatz der Stürmer Simon Zoller und Silvère Ganvoula, sowie Innenverteidiger Tim Hoogland ist fraglich.

Viel wichtiger aber wird der Auftritt des 1. FC Union sein. Nach dem 3:0 am vergangenen Wochenende über den FC Magdeburg hat Urs Fischer seinen Jungs Anfang der Woche frei gegeben. Seit Mittwoch bereitet sich das Team auf das Auswärtsspiel in Bochum vor. "Und wenn ich mir die Woche so anschaue, habe ich ein sehr gutes Gefühl", gibt Fischer einen kleinen Einblick in sein Seelenleben und das Innenleben der Mannschaft. "Nur: Es kann so schnell so viel passieren im Fußball."

Mit Fischerhut und 5.000 Unionern nach Bochum

Der 1. FC Union hat in Bochum sein erstes Finale. Belegen die Eisernen am Ende Platz drei in der Tabelle, stünden zwei Relegationsspiele gegen den VfB Stuttgart an. Ein Szenario, mit dem sich nach eigener Aussage nur der Trainer beschäftigt. Urs Fischer ist am Samstag zu Gast auf Schalke zur Gegnerbeobachtung, dort spielt der VfB.

Am Sonntag sind dann 5.000 Unioner zu Gast im Ruhrpott. Der Block ist ausverkauft, die Fans reisen mit roten Fischerhüten an. "Zum Fischen würde der taugen", sagt Fischer mit einem Augenzwinkern. "Aber ich trage das, was ich beim letzten Mal getragen habe." Vermutlich Jeans und T-Shirt mit Union-Emblem. Für den Schweizer reicht es, dass er als Coach den Hut aufhat.  

Und dann wird er doch noch mal emotional. Vor dem Stadion An der Alten Försterei gibt es ein Public Viewing, Tausende Fans der Köpenicker haben sich angekündigt. "Das ist ganz wichtig für dieses letzte Spiel", sagt Fischer und das Glänzen in seinen Augen ist für einen Moment wieder da. Ungekünstelt, ungespielt. Und zwar: Damit "wir wissen, dass wir Unterstützung genießen und das im Hinterkopf haben werden."

Sendung: rbb Inforadio, 18.05.2019, 12.15 Uhr

Beitrag von Stephanie Baczyk

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