Hertha-Manager Michael Preetz (Quelle: dpa/Sebastian El-Saqqa)
Bild: dpa/Sebastian El-Saqqa

Reaktionen auf "Kicker"-Interview von Hertha-Manager Preetz - "Temporäres Stadion dürfte schwer zu finanzieren sein"

"Wir ziehen 2025 aus": Im Streit über eine neues Arena im Olympiapark zeigt Hertha-Manager Michael Preetz im "Kicker" erneut klare Kante. Zur Not ziehe der Verein in ein "temporäres Stadion". Doch die Realisierbarkeit scheint fraglich. Die Kosten wären immens.

Das nächste Kapitel in der Debatte um einen Stadion-Neubau von Hertha BSC ist aufgeschlagen - von Manager Michael Preetz in einem Interview mit dem Magazin "Kicker". Dort stellte der 51-Jährige am Montag klar: Der Verein hält an seinem Zeitplan für ein neues Stadion fest - trotz der gegenwärtigen Ablehnung durch den Senat. Es sei "überhaupt keine Option", den derzeit bis 2025 laufenden Mietvertrag für das Olympiastadion zu verlängern, unterstrich Preetz. Und er sagte auch kurz und knapp: "Wir ziehen 2025 aus." Hertha BSC brauche eine neue Arena, um die Zukunft abzusichern.

Und Preetz brachte eine neue Option ins Spiel - auch wenn er erneut betonte, dass Hertha BSC einen Neubau im Olympiapark keinesfalls aufgeben wolle. "Falls jemand auf Zeit spielen sollte, empfehle ich dem, sich mit der modernen Bautechnik auseinanderzusetzen - und damit, wie schnell man ein temporäres Stadion bauen kann", sagte er. Klarer Konfrontationskurs, aber auch realistisch?

Kosten um die 200 Millionen Euro

Temporäre Lösungen an sich sind durchaus üblich. Es gebe solche Modelle im Sport reichlich, sagt Wolfgang Maennig dem rbb. Der Professor für Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Sportökonomie hat sich intensiv mit solchen Bauten beschäftigt. Normalerweise seien sie dann ein mögliches Mittel der Wahl, "wenn man für einen kurzfristigen Bedarf - zum Beispiel Olympische Spiele oder andere große Sportveranstaltungen einer Stadt - Stadien in einer Kapazität braucht, die man danach nicht mehr benötigt", sagt er.

Die große Unbekannte sind jedoch die Kosten. Sie sind etwa abhängig von der Bodenbeschaffenheit des Standortes. Wo dieser bei Hertha BSC sein könnte, ist jedoch völlig unklar. "Es gibt aber eine Menge von Erfahrungen. Man kann mit 3.000 bis 5.000 Euro pro Zuschauerplatz rechnen", sagt Maennig. Eine Beispielrechnung: Würde der Verein bei der temporären Arena mit einer Kapazität von 50.000 Zuschauern planen, müssten sie zwischen 150 und 250 Millionen Euro für Auf- und Abbau einplanen. Also soviel, wie auch der langfristige Neubau kosten würde.

"Dürfte schwer zu finanzieren sein"

Eine Summe, die das ganze Projekt doch mehr als unwahrscheinlich erscheinen lässt. "Man macht das auch eigentlich wirklich nur, wenn man eine so große Sportanlage anschließend nicht braucht und vor den Folgekosten Angst hat. Dann kann es sinnvoll sein, lieber diese relativ hohen Kosten für Auf- und Abbau in Kauf zu nehmen. Das ist aber hier nicht der Fall", sagt Maennig. Er halte das Anliegen des Vereins nach einem reinen Fußballstadion zwar für verständlich, "aber ein temporäres Stadion dürfte schwer zu finanzieren sein."

Andreas Statzkowski, sportpolitischer Sprecher der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus, zeigte gegenüber dem rbb wenig Verständnis für den Vorstoß von Michael Preetz. "Im Jahr 2017 hat Hertha BSC einen Wunschkatalog aufgestellt, was man alles im Olympiastadion selbst zum Positiven verändern könnte, um einen Verbleib zu gewährleisten und die Situation zu optimieren. Das ist - finde ich - ein guter Plan", sagte er. Wenn man diesen Weg ausschließe, "ja sogar kategorisch davon ausgeht, dass man ab 2025 ein anderes wie auch immer geartetes Stadion aufstellt, dann ist das bedauerlich, weil es wenig Verständnis für die Situation zeigt und wenig Bereitschaft zur Diskussion und zum Diskurs".

Sportsenator Geisel äußert sich nicht

Druck zu machen, wie Verein es mit dem Interview im "Kicker" versuche, sei der falsche Weg, so Statzkowski. "Man setzt sich offenbar vielmehr in den Büros von Hertha BSC hin, formuliert eine eigene Auffassung und meint dann anschließend, das sei der Punkt, auf den jetzt alle aufspringen sollten. Und das ist nun einmal nicht in einer Stadt wie Berlin, die so unterschiedlich strukturiert ist", sagte Statzkowski. Sportsenator Andreas Geisel (SPD) wollte sich am Montag gegenüber dem rbb nicht zu der Thematik äußern. 

Sendung: rbb UM6, 06.05.2019, 18 Uhr

Kommentar

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46 Kommentare

  1. 46.

    alfred neumann: Gefällt mir. "Ich esse meine Suppe nicht, nein, meine Suppe esse ich nicht..."
    Sie tun Hertha nicht gut, Herr Preetz. Schon lange nicht mehr. Und Sie merken es nicht einmal!...?



  2. 45.

    Was hat denn Hertha mit den anderen Veranstaltungen dort zu tun ?
    Und Hertha möchte keinen Umbau seiner Wohnung sondern eine neue, was ist denn daran nicht zu verstehen ?
    Also der einzige der hier noch großzügig agiert ist Hertha, die müssten normalerweise sofort ausziehen da es als Fussballstadion komplett ungeeignet ist, machen es aber erst 2025 und zahlen der Stadt so weiter einen riesen Batzen MIete !

  3. 44.

    Richtig - und da sind die Nebenkosten schon mit drin. Reinigung, Müllentsorgung, Strom, Wasser, etc.pp. Das wird gerne mal vergessen.

  4. 43.

    Dies sehe ich anders. Es ist in der Tat Aufgabe der Politik, den Bau einer Wohnung zu ermöglichen. Um nichts anderes geht es doch in der aktuellen Debatte um knappen Wohnraum. Aber hier ist vielleicht auch der Vergleich mit dem Wohnungsmarkt nicht angebracht.
    Hertha BSC ist ein mittelständisches Unternehmen, welches Berlin einiges an Geldern einspielt. Bei einem Stadionbau in Berlin würde Pacht gezahlt werden, die Infrastruktur um das Areal bezahlt ebenfalls Steuern (Bierstände etc.). Nicht zu vergessen die vielen Gästefans, die jedes zweite Wochenende herkommen und oft übers Wochenende auch ordentlich Geld in der Stadt lassen.
    Auch sehe ich es nicht als großzügig an, dass angeboten wurde, das Oly umzubauen. Der Senat will Hertha einfach nur im Oly halten, da sie dann zusätzlich noch die Miete kassieren. Wenn Hertha auszieht, muss sich der Senat um Nachnutzung kümmern. Einmal im Jahr ISTAF wird das Oly nicht am leben halten. Dies ist aber Aufgabe des Senats, nicht von Hertha!

  5. 42.

    Jedem Mieter steht es in der Tat frei, seine Wohnung zu kündigen. Nur ist es eben nicht Aufgabe der Politik, ihm den Bau einer ETW an einem Ort seiner Wahl zu ermöglichen. Da muss sich der Mieter schon selber kümmern und nicht irgendwelche Popanze aufbauen.

    Da die GmbH & Co. KGaA eh, wenn überhaupt, nur geringe Gewinne erwirtschaftet und deren Strahlkraft auch nur schwach ist, profitiert Berlin nur wenig von den Veranstaltungen. Hier ist es schon als großzügig anzusehen, dass die Politik angeboten hat, dem Mieter die "Wohnung" umzubauen. Nach aktueller Änderung des Artikels war man sich dazu angeblich in 2017 weitgehend einig. In Hinblick auf die durchwachsenen Ergebnisse auch auf dem Rasen wäre das eine Win-Win-Situation gewesen. Jetzt würde nach dem Willen der Hertha das Oly leer stehen, die Kosten für die Polizei etc. bleiben aber.

    Warum Preetz jetzt eine völlig unrealische Drohkulisse aufbauend den Suppenkaspar gibt, weiss wohl nur er.

  6. 41.

    [TEIL2]
    Der Senat legt Hertha hier nun Steine in den Weg, in der Hoffnung, dass sie im Olympiastadion bleiben und sie weiter die Miete kassieren sowie kein Nachnutzungskonzept erarbeiten müssen. Sie haben Hertha sogar angeboten, das Olympiastadion umzubauen. Dafür müssten die Steuerzahler blechen! Ein eigenes Stadion wäre zu 100% von Hertha finanziert.
    - Sollte Hertha nach Brandenburg ziehen, würde dem Senat nicht nur die Miete entgehen, sondern auch die Einnahmen, die ein Stadion in Berlin mit sich bringen würde. Also eine klassische Lose-Lose-Situation (da Hertha ja gerne in Berlin bleiben möchte).

    Ich finde es erstaunlich, wie viele der Meinung sind, wenn Hertha nach Brandenburg zieht, es für sie persönlich bzw. Berlin besser sei. Es ist schlichtweg falsch!

  7. 40.

    [TEIL1]
    Die meisten Kommentare hier sind leider wenig durchdacht. Hier wird Hertha Dreistigkeit und Erpressung vorgeworfen, der Senat sollte sie bloß im Olympiastadion halten und immer wieder das Argument mit den Steuergeldern. Viele scheinen hier eine verdrehte Wahrnehmung zu haben:

    - Hertha will aus dem Olympiastadion raus. Sie sind dort zu Miete, was sie sich aber nicht mehr leisten wollen. Das ist genauso ihr gutes Recht, wie es Ihr Recht ist, Ihren Wohnungsmietvertrag zu kündigen.
    - Der Senat möchte Hertha gerne im Olympiastadion halten, da Sie die Mieteinnahmen natürlich gerne annehmen und bei einem Auszug von Hertha ein Konzept ausarbeiten müssten, dass das Olympiastadion weiterhin genutzt wird. Das ist Aufgabe des Senats, Hertha hat da als Mieter überhaupt nichts mit zu tun (oder würden Sie sich bei einem Auszug aus Ihrer Wohnung um die Nachnutzung kümmern?)
    - Hertha will gerne in Berlin bleiben, da dieser Verein schon seit über 125 Jahren in dieser Stadt beheimatet ist.

  8. 39.

    Was meinen Sie denn mit auf die Pauke hauen? Weil Hertha als Mieter den Vertrag im Olympiastadion nicht mehr fortführen möchte? Wenn Sie aus Ihrer Wohnung ausziehen möchten, ist es dann auf 'auf die Pauke hauen'?

  9. 38.

    Ich glaube Herr Preetz hat sich zu weit aus dem Fenster gewagt und die Türen hinter sich zugeschlagen.So sicher sitzt er selbst nicht im Sattel.Es sei denn, er hat einen sehr vermõgenden Sponsor in petto.Wo soll das Stadion stehen?In dieser politischen Landschaft wird es ganz schwer für Hertha den perfekten Ort zu finden.(Ich nenne mal provokativ das Tempelhofer Feld)

  10. 37.

    Ihr Vergleich hinkt leider.
    Aufgrund der Stadionmiete hat Hertha nunmal einen kleinen Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Bundesligisten. Wenn Mutti ihrem Sohn keine ordentlichen Schulmaterialien zur Verfügung stellt, ist es nunmal schwieriger, gute Noten nach Hause zu bringen.

  11. 36.

    Sie vergleichen hier Äpfel mit Birnen. Ein Pokalfinale ist etwas anderes als Bundesliga-Alltag. Dies ist für die Vereine ein großes Spiel, welches viele Fans anlockt. Für den normalen Bundesligabetrieb ist das Stadion aber schlicht zu groß.
    Durch ein eigenes Stadion würde Hertha im Endeffekt mehr Geld zu Verfügung stehen (da nicht mehr jährlich die Miete gezahlt werden muss, man das Stadion vermarkten kann etc.), welches sie in Spieler und anderes Personal stecken könnten. Dadurch kann man attraktiveren Fußball erreichen.
    Im Gegensatz zu allen anderen Bundesligisten hat Hertha durch die Miete nunmal einen kleinen Wettbewerbsnachteil. Das, was Sie nun fordern, könnte sich durch ein eigenes Stadion realisieren lassen.

  12. 35.

    Genau das möchte Hertha doch. Ausziehen und auf eigene Kosten ein Stadion bauen. Der Senat möchte Hertha lieber im Olympiastadion halten, zur Not sogar das Stadion auf Steuerzahlerkosten(!) renovieren, um weiterhin die Miete zu kassieren.

  13. 34.

    Sie scheinen sich nicht wirklich mit dem Thema auseinandergesetzt zu haben. Die 'Erpressung' geht wenn dann vom Senat aus, die Hertha Steine in den Weg legt und so ein Stadionneubau verhindern möchte, um dadurch weiterhin die Miete zu kassieren. Sie würden lieber auf Steuerzahlerkosten das Olympiastadion umbauen, als Hertha ein eigenes Stadion bauen zu lassen, welches komplett privat finanziert wäre.
    Sehe da von Herthas Seite keine Erpressung. Eher das Bedürfnis, sich aus diesen Fängen zu befreien.

  14. 33.

    Das Olympiastadion fußballgerecht umzubauen ist schlichtweg nicht möglich. Einerseits aus denkmalgeschützter Sicht und andererseits wäre es finanzieller Nonsens. Der Umbau würde auf Kosten der Steuerzahler bezahlt werden (im Gegensatz zu einem eigenen Stadion, welches Hertha privat bezahlt). Außerdem würde man - wenn man es zu einer reinen Fußballarena umbaut - die anderen Sportarten ausschließen. Man kann ein Leichtathletikstadion nicht mit einem Fußballstadion kombinieren. Das wäre wie, wenn man versuchen würde, einen Flughafen mit einem Hafen zu kombinieren.

  15. 32.

    Ich lach mich krank. Eisern Union!!!

  16. 31.

    Ich lach mich krank. Eisern Union!!!

  17. 30.

    Ich bin verwundert, wie ein mittelmäßiger, international eher bedeutungsloser, Fußballverein derart auf die Pauke haut.
    Vielleicht sollten sich die Herren mal ein Beispiel an Union nehmen, die mit Hilfe Ihrer Fans ihr Stadion baute.
    Sollte der Berliner Senat einknicken, wird es für mich nicht mehr möglich sein, eine dieser dort vertretenen Parteien zu wählen. Wir haben wichtigeres in der Stadt zu bauen, als ein prestigeträchtiges Aushängeschild für diesen Mittelklasseverein.

  18. 29.

    Kann die Politik mal bitte eindeutig sagen, was sie will? Dann könnte von Hertha auch eine Entscheidung getroffen werden. Alle reden immer nur herum. Hertha sagt, sie zieht aus, aber will dennoch bleiben. Politiker reden über Finanzierung (Herthas Sache) und Stadtstrukturen... Einfach mal zu der eigenen Meinung stehen und raushauen. Ich gönne Hertha ein eigenes Stadion. Hertha, such Dir einen passenden Standort in Brandenburg und bau. Ein Verein für die Region Berlin-Brandenburg. Grenzen verwischen doch eh. Für jeden Standort ein Prestigeobjekt. Oder wer kennt in Hoffenheim nich etwas außer dem Verein?

  19. 27.

    warum wendet sich herr Preetz nicht an
    Kevin Kühnert ?
    der will doch wohnungsbau gesellschaften ENTEIGNEN !!!!
    Mieter Raus und Hertha kann bauen

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