Collage: Neben dem Flughafen Tegel ist ein Entwurf des geplanten Hertha-BSC Stadions platziert (Bild: imago/GünterSchneider/Hertha BSC | Collage: rbb24/Dave Rossel)
Audio: rbb | 16.05.2019 | Thorsten Gabriel | Bild: imago/GünterSchneider/Hertha BSC | Collage: rbb24/Dave Rossel

Geplanter Neubau - Sportsenator bietet Flughafen Tegel für neues Hertha-Stadion an

Fußball-Bundesligist Hertha BSC will weiterhin im Olympiapark sein neues Stadion bauen, obwohl es dort eigentlich keine verfügbaren Flächen gibt. Nun bringt Sportsenator Geisel einen Standort ins Spiel, über den schon länger diskutiert wird: den Flughafen Tegel.

Der Berliner Senat hat dem Fußball-Bundesligisten Hertha BSC angeboten, sein neues Stadion möglicherweise auf dem Flughafengelände in Tegel zu bauen. Das hat ein Sprecher von Sport- und Innensenator Andreas Geisel (SPD), Martin Pallgen, dem rbb bestätigt.

Der Verein reagierte abwartend. Man freue sich über das Angebot, das sei "ein gutes Signal, dass die Landesregierung die Bedeutung einer eigenen Arena für Hertha BSC anerkennt", heißt es in einer Mitteilung. "Gemeinsam mit den Beteiligten auf Seiten des Senats werden wir die Idee, auf dem Gelände des Flughafens Tegel eine Arena in der entsprechenden Größe zu errichten, gerne ernsthaft prüfen." Allerdings halte man den Olympiapark weiterhin für den geeigneteren Standort, so Hertha-Manager Michael Preetz.

Zudem gebe es da ja noch eine andere, große Hürde: "Dass das vom BER abhängt, ist unstrittig", sagte Preetz.

Bau in Tegel würde länger dauern

Zuvor hatte die Zeitung "B.Z." Geisel zitiert, wenn der Fußball-Bundesligist in Berlin bauen wolle, wäre das Gelände des Flughafens nach dessen Schließung durchaus eine Möglichkeit. Die Einzelheiten müssten aber noch geprüft werden, so Geisel. Der Senat mache Hertha damit ein Angebot, man diktiere aber keinen fertigen Plan, so der SPD-Politiker weiter. Nach Informationen des rbb wurde über ein Stadionbau in Tegel schon länger mit dem Verein gesprochen.

Den bisherigen Zeitplan von Hertha BSC, das Stadion am 25. Juli 2025 fertigzustellen, würde der Bau auf dem - dann ehemaligen - Flughafengelände allerdings durchkreuzen: Eine Fertigstellung des Stadions in Tegel sei laut Geisel frühestens 2027/28 möglich.

Die für die Umgestaltung des Geländes zuständige Tegel Projekt GmbH reagierte auf Nachfrage von rbb|24 skeptisch: Ein Prüfauftrag für solch einen Stadionbau gebe es bislang nicht, die "bisherige Planung für die Nachnutzung sehen auch nichts dergleichen vor."

Hertha besteht auf Bau im Olympiapark

Laut "B.Z." ist eine große Grünfläche im nördlichen Bereich des Flughafengeländes als Stadionstandort denkbar. Der SPD-Sportpolitiker Dennis Buchner sagte dem Blatt, Tegel wäre der einzig sinnvolle Standort innerhalb der Stadtgrenzen, bei dem es keine Probleme mit Anwohnern gäbe. Buchner hatte sich schon in der Vergangenheit für alternative Stadionstandorte ausgesprochen.

Wie der rbb exklusiv im April berichtet hatte, ist der von Hertha geplante Bau an der Rominter Allee am Widerstand einer Wohnungsbaugenossenschaft gescheitert. Diese sollte ihre 24 Wohnungen im östlichen Teil des Parks an Hertha BSC verkaufen, allerdings nur wenn der Verein im Gegenzug Ersatzwohnraum schafft. Eine plausible Lösung konnte Hertha allerdings trotz monatelanger Suche nicht vorlegen. Die Fraktionen der rot-rot-grünen Koalition in Berlin hatten daraufhin erklärt, dass die von Hertha geplante Arena im Olympiapark damit "nicht zu realisieren" sei. Sportsenator Geisel erteilte zuletzt auch Plänen der Hertha eine Absage, möglicherweise auf dem denkmalgeschützten Maifeld zu bauen.

Kritik von FDP, Grünen und AfD

Auch FDP, AfD und Teile der CDU hatten sich bereits gegen die geplante neue Arena im Olympiapark ausgesprochen. Die SPD wollte dem Neubau nur zustimmen, wenn Hertha eine Konkurrenzausschlussklausel unterzeichnet, um die Wirtschaftlichkeit des Olympiastadions nicht zu gefährden. Zudem hätte der Verein eine Fertigstellungsgarantie abgeben müssen. Hertha BSC hatte zuletzt zugesagt, die Finanzierung des Stadions offenzulegen. Es würden bereits "drei konkrete Finanzierungsalternativen" geprüft, so Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller in der "Morgenpost".

FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja, der für den Weiterbetrieb des Flughafens Tegel kämpft, übte scharfe Kritik an Geisels Vorstoß. "Den BER kriegt der sozialdemokratisch geführte Senat seit Jahren nicht eröffnet, aber TXL wird jedem in der Stadt als zukünftiger Standort gedankenlos versprochen." Er habe das Gefühl, so Czaja, "dass Herr Geisel die Stadionpläne von Hertha nicht erst nimmt".

Der grüne Regierungspartner lehnte den Vorstoß ebenfalls ab. "Das ist ein Schnellschuss, der niemanden weiterbringt", sagte die Sprecherin für Sport im Abgeordnetenhaus, Nicole Ludwig. Sie halte das Szenario auch nicht für umsetzbar. Ludwig äußerte darüber hinaus Zweifel, ob auf dem Gelände überhaupt noch Platz für ein Stadion sei.

Die AfD bezeichnete Geisels Vorschlag als "absurd". "Tegel wird als Flughafen gebraucht und steht damit nicht für ein Fußballstadion zu Verfügung", so der sportpolitische Sprecher der Partei, Frank Scheermesser. "Darum schlagen wir jetzt vor, das Tempelhofer Feld als Standort zu prüfen und die Berliner in einem Volksentscheid darüber abstimmen zu lassen, was sie davon halten.

Der Bebauungsplan des Berliner Flughafen Tegel. Die grau-makierte Fläche zeigt, laut Plan, noch freie Fläche auf dem Flughafengelände (Quelle: rbb|24/ Mappa Pro)
Der Bebauungsplan für den Flughafen Tegel. Die grau-markierte Fläche steht noch zur freien Verfügung. | Bild: rbb|24/ Mappa Pro

Hertha hat Tegel eigentlich ausgeschlossen

Die Idee, das neue Stadion in Tegel zu bauen, war bereits Ende 2018 ins Gespräch gebracht worden, als Alternative zum Olympiapark. Der Verein hatte den Standort nach eigenen Angaben geprüft und verworfen. Allerdings war er durchaus in die "engere Auswahl" gekommen, so Hertha-Sprecher Marcus Jung auf Nachfrage von rbb|24. "Im direkten Vergleich hatte unser Wunschstandort Olympiapark wegen der infrastrukturellen Anbindung besser abgeschnitten."

Dort befindet sich neben der U-Bahn auch die S-Bahn mit dem größten S-Bahnhof Deutschlands, der die An-und Abreise von mehreren zehntausend Fans innerhalb sehr kurzer Zeit ermöglicht.

Die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Tegel "ist schon jetzt gut und würde sich durch einen Ausbau der U7 nochmals verbessern", lautete das Fazit der Stadortanalyse. Zudem sei die A111 nicht weit und der Standort sei von der Autobahn "gut zu sehen, ein Stadion an dieser Stelle hätte eine entsprechende optische Wirkung". Doch in der Nähe stünden Wohnhäuser, zudem seien dort bereits andere Projekte wie ein Forschungs- und Industriepark geplant, es könne "zu Nutzungskonflikten kommen". Zudem seien die Böden schadstoffbelastet.

Hertha-Manager Michael Preetz hatte zuletzt wiederholt betont, dass der Verein an seinen Bauplänen im Olympiapark festhalte, dem Standort mit den für Hertha besten Voraussetzungen. Über die Variante Tegel äußerte sich Preetz eher skeptisch, denn dafür müsste dort der Flugbetrieb erst einmal eingestellt werden, was aktuell noch nicht absehbar sei. Schließlich müsste die Hertha 2022 anfangen zu bauen, um 2025 mit dem Stadion fertig zu sein. Preetz warf der Politik zudem vor, auf Zeit zu spielen um den Verein am Ende zu zwingen, weiter im Olympiastadion zu bleiben. Er drohte an, notfalls eine Zwischenlösung mit einer temporären Arena zu suchen - eine Option, die von Experten als kaum umsetzbar eingestuft wurde.

"Oly" soll blau erstrahlen

Geisel hatte sich bisher immer für einen Verbleib des Bundesligisten im Olympiastadion ausgesprochen. Dafür sei er bereit, das denkmalgeschützte Stadion so weit wie möglich den Wünschen des Vereins nach umzubauen. Bereits eingeplant ist eine Ausstattung mit Wlan. Nun schlägt Geisel vor, mehrfarbige LED-Lampen zu installieren, um das Stadion an Spieltagen der Hertha in Blau leuchten zu lassen - ähnlich wie bei der Allianz Arena des FC Bayern, das an Heimspieltagen des Rekordmeisters rot leuchtet. Kostenpunkt: 1,8 Millionen Euro.

Sendung: rbb 88.8, 16.05.2019, 9.00 Uhr  

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