Karim Rekik im bekommt den Ball im Zweikampf an die Hand. (Quelle: imago/Camera 4)
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Kommentar | Übersehenes Handspiel bei Hertha gegen Stuttgart - Wir alle sind beim Videobeweis noch Anfänger

Die Daseinsberechtigung des Videobeweises steht zur Disposition. Das übersehene Handspiel von Herthas Rekik gegen Stuttgart am Wochenende befeuerte die Diskussionen abermals. Sportschau-Kommentator Andreas Witte ist zwiegespalten.

Seit Jahrzehnten begleite ich die Bundesliga. Ich kenne die guten, alten Zeiten ohne Videobeweis und die schwierigen, diskussionslastigen seit der Einführung. Bist du denn jetzt dafür oder dagegen, fragen mich die jungen Kollegen. Ganz ehrlich: Das ist nicht leicht zu beantworten.

Wer könnte ernsthaft gegen den Kölner Keller protestieren, in dem Spielszenen überprüft werden, wenn dort offensichtliche Fehlentscheidungen wie Phantomtore, Abseitstreffer oder grobe, nicht geahndete Foulspiele gerechterweise korrigiert werden? Wenn die Regel eindeutig ist, hilft das Bild weiter, das sich der Schiedsrichter vor Ort aus den unterschiedlichsten Gründen vielleicht nicht hat machen können. 

So eindeutig, dass keiner es gesehen hat

Wenn Ermessens- und Interpretationsspielraum bleibt, ist es schwierig - und wird es immer bleiben. Hand oder nicht? - war das erregt diskutierte Paradebeispiel der letzten Wochen. Warum? Weil die Regel schwammig ist, mit zu vielen Begrifflichkeiten operiert wird. Vergrößerung der Körperfläche, angelegt, aus kurzer Distanz, Absicht oder nicht - da ist manches Auslegungssache.

Manches auch nicht, wie beispielsweise das Handspiel des Herthaners Karim Rekik gegen Stuttgart. Das war ja so eindeutig, dass es übrigens keiner im Stadion gesehen hat… Deswegen hat auch kein Stuttgarter protestiert, kein Reporter im Augenblick des Geschehens darüber gesprochen und kein Video-Assistent eingegriffen. Eindeutig war es in der wortwörtlichen Nachbetrachtung auch erst dann, als ein findiger Techniker im Übertragungswagen sich die sogenannte Reverse-Kamera noch einmal angesehen hat, die die Szene von der gegenüberliegenden Seite verfolgt. Da musst du erstmal drauf kommen.

Videobeweis hat seine Berechtigung

Menschen machen Fehler, auf dem Platz und im Kölner Keller. So, wie der Videobeweis bisher gehandhabt worden ist, untergräbt er die Autorität des Schiedsrichters auf dem Platz und die Glaubwürdigkeit der Video-Assistenten. Eindeutig muss die Kommunikation besser werden, die Entscheidungen müssen schneller gefällt und die Bilder in Köln besser und gezielter ausgewertet werden. Wir alle sind im Umgang mit dem Videobeweis noch Anfänger. Routine und Übung der Beteiligten können und werden da auf Dauer weiterhelfen. Geduld und Gelassenheit sind gefragt, auch auf dem Platz, wo das unbotmäßige und nach der Regel mit Gelb zu bestrafende Einfordern des Beweises Überhand genommen hat.

Das System hat seine Fehler, komplett ausmerzen wird es sie nie. Aber es soll und kann für mehr Gerechtigkeit sorgen - und hat es auch schon. Deswegen hat der Videobeweis auch nach all den verständlichen Diskussionen der letzten Monate seine weitere Berechtigung.

Sendung: rbb UM6, 06.05.2019, 18 Uhr

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    ob video fußball auf die beine hilft wage ich zu bezweifeln.
    meines erachtens ging es bei der einführung, spielmanipulationen zu erschweren.
    vieleicht bin ich zu blauäugig, was die summen in den wettwelten angeht.
    für brot und spiele reicht die bundesliga allemal.

  2. 1.

    Ich sehe keine Vorteile des Videobeweises, im Gegenteil, es ist in den letzten Wochen immer schlimmer geworden. Wenn es in der Vergangenheit z.B. unberechtigte Elfmeter gegeben hat, hat man gesagt, das gleicht sich im Verlauf der Saison wieder aus. Bei Phantom-Toren fallen mir nur zwei ein - diese gehören aber auch irgendwie dazu, davon lebt(e) der Fußball doch. Ich denke, es ist ein Irrglaube, vom Videobeweis Gerechtigkeit zu erwarten. Vielmehr sorgt das ständige Hin und Her dafür, dass die Spannung des Spiels in den Keller geht (im wahrsten Sinn des Wortes). Und Nachspielzeiten von bis zu zehn Minuten braucht auch kein Mensch.

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