Deutschland Achter rudert über den Rotsee
Bild: imago/Bildbyran

Ruder-EM in Luzern - Medaillenjagd auf dem Göttersee

Es ist die große Generalprobe für die Weltmeisterschaft im September: In Luzern werden am Wochenende bei der EM Europas Ruder-Königinnen und -Könige gekürt. Vierzehn Berliner und Brandenburger kämpfen um die EM-Medaillen. Von Jonas Schützeberg

Es erscheint alles ein bisschen unwirklich: Kuhglocken klingeln, Kinder springen vom Beckenrand in den Pool, ein Zug rauscht an der Startanlage der Regattastrecke vorbei und sechs Boote liegen aufgereiht nebeneinander, warten, dass es endlich losgeht. So ungefähr spielt sich das typische Szenario bei Wettkämpfen auf dem Göttersee in Luzern ab.

Der Berliner Karl Schulze ist einer von 600 Athleten, die in 17 Bootsklassen um die Medaillen kämpfen. Der Olympiasieger von London (2012) und Rio de Janeiro (2016) ist nach einer Pause zurück im Boot und vertritt die deutschen Farben im Männer-Doppelvierer. "Es fühlt sich gut an wieder mit dabei zu sein", sagt er. "Ich habe mich zurück in die Mannschaft gekämpft. Ausgerechnet in Luzern mein Comeback geben zu dürfen, ist natürlich eine Ehre."

Für Schulze und sein Team ist die EM gleichzeitig eine Standortbestimmung und ein erster Test für die Weltmeisterschaft Ende August. Erst spät in der Saison werden in Deutschland traditionell die Boote besetzt, die einzelnen Qualifikationswettkämpfe ziehen sich über Monate hin. Es ist also ein Kaltstart, denn eine Regatta ist diese neu formierte Mannschaft noch nicht gerudert.

"Das Wimbledon des Ruderns"

So ergeht es vielen Nationen. Der deutsche Ruderverband ist mit 60 Startern in der Schweiz vertreten, wie so oft zahlenmäßig eines der stärksten Länder, vierzehn Athletinnen und Athleten kommen aus Berlin oder Brandenburg.

Die Regattastrecke auf dem Rotsee ist etwas Besonderes. Luzern git als Mekka des Rudersports. Jeder, der Rang und Namen hat, ist dort schon einmal gestartet. Jedes Jahr ist die gesamte Weltelite vertreten, viele Ehemalige kommen, um sich hier mit Altbekannten zu treffen. Doch wer zum ersten Mal hier aufschlägt, ist oft verwundert.

Der Rotsee in Luzern wird in Rudererkreisen als Göttersee bezeichnet. Ein riesiges Areal stellen sich viele vor, doch es ist ganz anders. Der Sattelplatz, auf dem sich alle Boote und Athleten tummeln, gleicht von der Größe her eher einer Dorfregatta. Es geht eher gemütlich zu, alles ist sehr vertraut und persönlich, mit der beeindruckenden Bergkulisse drum herum.

"Es ist eine geile Location. Luzern ist einfach spektakulär", sagt Olympiasieger Schulze. "Für mich ist es das Wimbledon des Ruderns und man kann sich hier immer noch mal mehr motivieren und 105 anstatt 100 Prozent geben." Nur zweimal im Jahr darf auf dem Rotsee gerudert werden, der unter Naturschutz steht: bei einem internationalen Wettkampf und bei der Schweizer Meisterschaft.

"Ein bisschen werden wir Berlin vermissen"

Ein Medaillengarant ist in der Regel auch der deutsche Frauen-Doppelvierer. Ebenso wie die Männer haben sich die Vizeweltmeisterinnen aus der vergangenen Saison wieder formiert. Fast alle trainieren mittlerweile in Berlin, viele sind sogar im Zuge der Leistungssportreform in die Hauptstadt gezogen.

Der Bundesstützpunkt für das Frauen-Skullteam liegt am Hohenzollernkanal, gleich neben dem Flughafen Tegel. Frieda Hämmerling ist aus Kiel nach Berlin gekommen, sie ist die neue alte Schlagfrau im Boot: "Ich bin gespannt darauf, wie wir bei der EM abschneiden und wo wir so international stehen, mit wem wir uns messen können."

Neu im Boot ist Michaela Staelberg, es ist ihre erste Europameisterschaft überhaupt: "Ich bin schon ziemlich aufgeregt, aber die Vorfreude überwiegt und ich liebe diesen See." Auch Staelberg ist nach Berlin gezogen, für das große Ziel Tokio 2020. Sie teilt sich mit einer Teamkameradin eine WG im Wedding.

Die ehemalige Crefelderin hat sich gut eingelebt und fühlt sich mittlerweile ziemlich verbunden mit der neuen Heimat. Vier Tage sind sie nun in der Schweiz: "Ich werde Berlin schon ein bisschen vermissen", sagt sie und lächelt.

"Das Ziel ist ganz klar eine Medaille"

Gespannt schaut man von Verbandsseite auch wieder auf das Flaggschiff. Der Deutschland-Achter geht mit dem Berliner Steuermann Martin Sauer an den Start und möchte nach dem WM-Titel 2018 beim ersten Auftritt auf der internationalen Bühne den nächsten Titel gewinnen.

Die Vorläufe beginnen am Freitag, die Medaillen werden am Sonntag verteilt - und da möchte natürlich auch der Männer-Doppelvierer um Karl Schulze eine Rolle spielen. Bevor dann der See wieder ein Jahr lang Zeit hat, um sich auf den gewaltigen Athletenansturm vorzubereiten.

Bildergalerie: Ruder-EM Luzern

Sendung: rbb UM6 | 31.05.2019 | 18.00 Uhr

Beitrag von Jonas Schützeberg

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Wird die EM denn irgendwo im ARD übertragen ? Die "Sport"schau kennt ja nur noch Fußball - ich hab hefrnfalls nichts im Fernsehen gefunden nicht mal mehr bei Eurosport.

    Ich würde vorschlagen Fußball nur noch als livestream im Internet zu übertragen, womit die ard Mediathek natürlich nichts anfangen kann.

    Dann kann Sport wieder im 1ten 3ten und one Übertragen werden.

  2. 1.

    Schön, dass sie eien Vorschau auf die Rruder-EM am traditionsreichen Standort Luzern (in anderen Jahren meist Gastgeber eines Weltcups Mitte Juli) veröffentlichen.
    Weniger schön, dass sie zur Illustration ein Archivfoto aus dem letzten (oder vorletzten?) Jahr verwenden. Das aktuelle Team ist zwar ähnlich, zwei neue Athleten haben allerdings zwei "alte" verdrängt, einer hat die Position gewechselt.
    Dies finde ich besonderes schade, da der "neue" Achter erst küzlich offiziell vorgestellt wurde und in Duisburg am 11./12. Mai seine Feurprobe bestand (mit Ersatzmann auf der Position 6).
    Mit Sicherheit standen seitdem auch geeignete Pressefotos zur Verfügung.

    Zwar nenenn Sie eine Anzahl teilnehmender (dt.) Athleten, jedoch bleibt für den Leser unklar wer wann (!) in welchem Boot an den Start geht bzw wie zumindest zahlenmäßig stark die Konkurrenz auf dieser EM antritt.
    Die Zusätzlichen personsngebundenen Informationen in der Fotogalerie werden sich die wenigsten ausführlich geben.

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