Nach dem Spiel gegen Braunschweig: Felix Geisler (Energie Cottbus) ist enttäuscht (Quelle: dpa/Fotostand Weiland)
Audio: Inforadio 19.06.2019 | Andreas Friebel | Bild: dpa / Fotostand Weiland

Saisonrückblick Energie Cottbus - Ein Fünkchen Hoffnung bleibt nach dem bitteren Abstieg

Ein Jahr nach der glanzvollen Rückkehr in die dritte Liga müssen die Lausitzer wieder in die Regionalliga zurück. Wie konnte es soweit kommen? Und wie geht es weiter? Aber: Einen ganz kleinen Funken Hoffnung gibt es noch mit Blick auf die dritte Liga. Von Andreas Friebel

Die Saison begann mit einem Elfmetertor von Fabio Viteritto und sie endete auch mit einem verwandelten Elfmeter des Spielmachers. Zwischen dem 3:0 über Rostock vom ersten Spieltag und dem 1:1 in Braunschweig liegt jede Menge Dramatik. Und auch die Erkenntnis, dass selbst 45 Punkte für den Klassenerhalt nicht gereicht haben.

Noch nie in der Geschichte der dritten Liga ist ein Team mit soviel Punkten abgestiegen. Allerdings gibt es vier Absteiger auch erst seit dieser Saison, davor waren es drei. Ein Blick in die Geschichte zeigt aber, dass in der dritten Liga erst zwei Mannschaften mit 45 Punkten auf Rang 17 standen.

"So ist Sport"

Und der Blick in die Statistik offenbart weitere erstaunliche Details. Nach der Hinrunde stand Cottbus mit 20 Punkten über dem Strich. Und auch in der Rückrundentabelle hätten die Lausitzer mit 25 Zählern nichts mit dem Abstieg zutun gehabt. In der Heim-und der Auswärtstabelle ist Energie ebenfalls auf keinem Abstiegsplatz zu finden. Weshalb dann trotzdem der Abstieg? "So ist Sport", lautet die knappe Antwort von Trainer Claus-Dieter Wollitz: "Wir haben in den letzten Spielen alles reingeballert, was wir hatten." Cottbus holte auf der Zielgeraden der Liga aus fünf Spielen zehn Punkte. Damit kämpfte man sich wieder über den Strich, nachdem man zwischenzeitlich fünf Punkte Rückstand auf Rang 16 hatte. "Und trotzdem sind wir abgestiegen. Egal ob ein Tor gefehlt hat oder zehn", sagt Lasse Schlüter.

Das verlorene Ost-Derby war ein wichtiger Grund für den Abstieg

Auf der Suche nach Gründen für den Abstieg gerät besonders die Auswärtspartie in Jena in den Fokus. Die Thüringer waren vor ihrem Heimspiel gegen Cottbus praktisch abgestiegen. Das Team von Claus-Dieter Wollitz zeigte aber bei Carl-Zeiss die wohl schwächste Saisonleistung und verlor mit 1:2. Dass Jena einen Elfmeter vom Schiedsrichter geschenkt bekam, gehört zu einer langen Saison dazu. Auch Energie profitierte von Fehlentscheidungen. Aber diese Niederlage machte Jena wieder stark. Inklusive des Cottbus-Spiels holten die Thüringer aus sieben Partien sechs Siege.

Rückblickend dürfte dieses verlorene Ost-Derby ein nicht unwichtiger Grund für den Abstieg sein. Auch der späte Ausgleich von Kaiserslautern (1:1) Mitte April im Stadion der Freundschaft könnte als Grund für die ungewollte Rückkehr in die Regionalliga Nordost herhalten. Letztendlich ist alles Spekulation.

Die Saison in Bildern

Das Geld muss stimmen

In Cottbus wird man nun aber schnell zu den Fakten zurückkehren müssen. Denn schon Ende Juli beginnt die neue Saison und für die braucht man eine Mannschaft und auch einen Trainer. Denn obwohl Claus-Dieter Wollitz auch einen Vertrag für die vierte Liga hat, will der 53-Jährige mit seiner finalen Zusage noch etwas warten. "Es kommt darauf an, wie unsere Ausrichtung sein wird. Um Ziele zu erreichen brauchst du Qualität. Und Qualität hat ihren Preis."

Bevor Wollitz zusagt muss also erst der Etat für die neue Saison feststehen. Ein bisschen helfen könnte dabei die Tatsache, dass Cottbus am nächsten Wochenende das Finale im Brandenburger Landespokal gewinnen kann. Damit wäre man automatsch in der ersten Runde des DFB-Pokals und hätte etwa 150.000 Euro sicher. Pikanterweise sind die Lausitzer bei Optik Rathenow zu Gast. Das Team ist gerade aus der Regionalliga abgestiegen. Und zwar nur, weil Cottbus abgestiegen ist. Weil Energie nach dem verpassten Klassenerhalt wieder in die Nordost-Staffel eingegliedert wird, gibt es in diesem Jahr zwei Absteiger: Bautzen und Rathenow.

Zahlreiche Verträge laufen aus

Energie wird also am kommenden Samstag ein letztes Mal mit den Aufstiegshelden von 2018 auflaufen. Danach dürfte die Mannschaft auseinanderbrechen: "Es wird sich in der neuen Saison einiges ändern", hatte Wollitz schon vor Wochen angekündigt. Mit dem Abstieg könnte der Umbruch noch größer ausfallen. Nur sieben Spieler haben einen Vertrag für die vierte Liga. Im Fall von Torwart Avdo Spahic und Mittelfeldspieler Felix Geisler kommen noch zwei Akteure hinzu, bei denen Energie eine Option auf Vertragsverlängerung ziehen kann.

Bei weit über der Hälfte aller Spieler läuft Ende Juni der Vertrag aus. Sichere Abgänge sind Tim Kruse (Karriereende), Streli Mamba (wechselt mit hoher Wahrscheinlichkeit nach Paderborn), Kevin Scheidhauer, Marcel Baude, Fabian Graudenz (alle kein Vertragsangebot) und Luke Hemmerich (ausgeliehen von Aue). Mit allen anderen Akteuren will Claus-Dieter Wollitz sprechen, sofern er Trainer bleibt.

Energie könnte noch nachrücken

Einen ganz kleinen Funken Hoffnung haben sie in Cottbus aber mit Blick auf die dritte Liga. Sollte nämlich einem Verein die Lizenz verweigert werden - und da gibt es doch einige Wackelkandidaten -, wäre Energie erster Nachrücker. Bis Ende Mai müssen alle Vereine ihre Lizenzauflagen beim Deutschen Fußball Bund (DFB) eingereicht haben. Der prüft bis Anfang Juni die Unterlagen. Vielleicht hat ja Energie so viel Glück wie der SC Paderborn, der 2017 vom Zwangsabstieg von 1860 München profitierte. Eigentlich abgestiegen, durften die Westfalen doch noch drinbleiben. Und Glück hätten sich die Lausitzer nach diesem knappen Abstieg mal wieder verdient.

Beitrag von Andreas Friebel

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7 Kommentare

  1. 7.

    Das mit den "Unparteiischen" kennt man doch schon seit den 2000er in CB. Legendär (Satire an), das völlig korrekt gepfiffene Spiel damals gegen Mainz 05 (Satire aus). Mit wie vielen roten Karten? Gemäß dem Motto: "Gibt es eine Entscheidung pro Energie, pfeife sie, gegen sie!" Laut Liga 3 Online, war Energie sogar begünstigt von Schiedsrichter Entscheidungen. In der Subjektiven Wahrnehmung, gefühlt genau anders rum. Aber wie erwähnt, kennt man dies seit Jahren. Immer gegen 12 Leute. Es ist auch müßig zu sagen, der Klassenerhalt wäre die ganze Saison drin gewesen. Klar, spätes 1:1 gegen Meppen, nur 0:0 in Haching und Aspach. Ein Tor hat gefehlt, hätte man also an Spieltag 1 gg. Rostock 4:0 gewinnen sollen, oder 0:3 in Kaiserslautern? Oder in Wiesbaden, überhaupt zu gewinnen? Es gab so viele Spiele, wo was liegen gelassen wurde aber auch viele Spiele, wo drei Punkte eine echte Überraschung war, wie 2x gg. Rostock, in Wiesbaden und Lautern. Das 2:3 in Halle. Traurig und einfach bitter!

  2. 6.

    Die Niederlage in Jena ist, nebst einer Nichtleistung der limitierten Kicker, auch einer offensichtlichen Manipulation vom "Unparteiischen" zu verdanken. Da hätte man lautstark und medienwirksam protestieren müssen. So wäre uns die Spielmanipulation am letzten Spieltag vielleicht erspart geblieben. Diese wäre uns vielleicht auch erspart geblieben, wenn man dem Antrag des FCE auf Änderung der Schiedsrichteransetzung stattgegeben hätte. Komisch, dass der Antrag von Jena vor einigen Spieltagen erfolgreich war. Beim DFB erweckte nicht nur Grindel den Anschein korrupt zu sein.

  3. 5.

    Theoretisch krass, dass ein Großteil der Spieler, die selbst vor ca. 36 Monaten für die Regionalliga geholt wurden, nicht mehr Regionalliga kicken sollen/wollen. Wobei ich die Entwicklung von de Freitas (kam von Neugersdorf)echt eine richtig gute war und somit verständlich ist, in Bereich Liga 3 zu bleiben. Wenn Zimmer, Viteritti und die Geislers bleiben und Rangelov überredet werden könnte, mitzuhelfen, dass wäre schon ein Faustpfand. Allerdings müsste man Saison 19/20 sich mit dem RL West Meister messen, zwecks Wiederaufstieg. Im Gegensatz zu vor drei Jahren, wo ein kompletter Umbruch (faktisch alle Drittliga Spieler) abzugeben, wegen Misserfolgbehaftung und so, wäre es gut, mit ein Großteil der Jungs weiter zu machen, die den Aufstieg mitgestaltet hatten gegen Flensburg. Stark und wertschätzend fand ich Braunschweigs Trainer Schubert, in den PK's vor und nach der Partie, dessen Position klar war, dass ein Abstieg von Cottbus ja fast schon "ungerecht" wäre und wurde. Ehrenmann!

  4. 4.

    Es gab so viele Situationen, wo man über die Neutralität der unparteiischen und des DFBs echt ins Grübeln kommt. Glaube selber nicht mehr an irgendwelche Rettung am grünen Tisch, wäre zwar schön aber der Glaube fehlt einfach...

    Danke an die warmen Worte aus Rostock, ist gut, wenn der Osten trotz aller Rivalität zusammenhält.

  5. 3.

    Unmöglich, ihr habt 2x gegen meinen Verein gewonnen
    :-). Aber der 11er gegen Euch gestern war eine Schweinerei. Ohne ihn wäre alles anders. Hat sich der Schiri entschuldigt? Nützt ja auch nichts...
    Bin Hansafan, aber danach für die ostdeutschen Teams. Ihr kommt wieder!!

  6. 2.

    Danke Max, Liebe die bleibt für immer, deshalb wird es gelingen. Nette Worte von der Küste sind da eine tolle Geste!

  7. 1.

    Hinfallen ist keine Schande, bleibt standhaft Ihr Cottbuser.

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