Blick aus dem Hubschrauber auf das Stadion an der Alten Försterei, das Fußballstadion des 1. FC Union Berlin in der Wuhlheide im Stadtbezirk Köpenick. (Quelle: dpa/Uhlemann)
Bild: dpa/Uhlemann

Unions Aufstieg und die Folgen für Köpenick - "Die ganze Verkehrssituation muss neu geordnet werden"

Die Bundesliga kommt nach Köpenick. Mit Bayern und Dortmund. Und wachsenden Anforderungen an Verein und Infrastruktur. Bei der Verkehrsanbindung muss dringend nachgebessert werden. Von Dennis Wiese

Montagabend, kurz vor Mitternacht. Der 1. FC Union feiert den Aufstieg in die Bundesliga – zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte. Mit Union-Schal um den Hals und einem Stück "heiligen Rasen", also einem Stück des Spielfelds, in der Hand kommt eine Frau aus dem Stadion: "Ich freue mich. Aber ich habe auch Angst. Ich bin mein Leben lang Köpenickerin, seit 38 Jahren. Was wird jetzt aus Köpenick? Wenn hier die 1. Liga spielt. Ich komme dann von der Arbeit vielleicht nicht mehr nach Hause."

Verkehrssenatorin Günther soll Konzept für Köpenick erarbeiten

Das Thema Verkehr rund um das Stadion An der Alten Försterei beschäftigt auch Berlins Politik. "Die Zufahrt zum Stadion muss so organisiert werden, dass es keinen Dauerstau gibt. Auch für den Bezirk muss es tragbar sein, wenn noch mehr Menschen zu den Spielen reisen. Die ganze Verkehrssituation muss neu geordnet werden", so Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) im rbb.

Er habe Verkehrssenatorin Günther beauftragt, in einer der nächsten Senatssitzungen ein Konzept für die Stadionzufahrt vorzulegen. "Das wird nicht von heute auf morgen gehen, aber Verein und Land werden das vorantreiben", so Müller.

Wenige Parkplätze, schlechte Bahnanbindung

22.012 Zuschauer passen in das Stadion an der Alten Försterei. Von der Kapazität hat Köpenick damit die zweitkleinste aller 18 Bundesliga-Arenen (vor Paderborn). Das Problem mit der Anbindung stellt sich wie folgt dar: Auf dem Stadiongelände gibt es nur 450 Parkplätze. Zum Vergleich: Die Volkswagen Arena in Wolfsburg bietet 30.000 Zuschauern Platz und hat mehr als 1.000 Parkplätze, rund um das Berliner Olympiastadion gibt es rund 3.000 offizielle Parkplätze.

Mit der S-Bahn erreicht man das Stadion an der Alten Försterei vom S-Bahnhof Köpenick, von dort sind es etwa fünfzehn Minuten zu Fuß, von der Tramhaltestelle "Alte Försterei" laufen die Fans etwa fünf Minuten.

Die Stadionumgebung: Volkspark Wuhlheide im Norden, Spree im Westen

Oliver Igel (SPD), Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick sieht Verbesserungsbedarf:  "Im öffentlichen Nahverkehr muss etwas gemacht werden: Bei der S-Bahn und der Straßenbahn. Mehr Menschen müssen schneller zum Stadion kommen", sagte er dem rbb. Als kurzfristige Lösung appelliert Igel an die Stadionbesucher: "Etwas weniger Autofahrer würden die Situation entspannen."

Auch in der Zweiten Liga lag Köpenick lahm, wenn Union ein Heimspiel hatte. Stau und fehlende Parkplätze bereiteten große Probleme.

Die Frage wird sein, wie und wo langfristig neue Parkplätze gebaut werden sollen und inwieweit die Verkehrsführung verändert werden kann. Im Norden grenzt das Waldgebiet des Volksparks Wuhlheide an das Stadion, östlich liegt das Wohngebiet um die Hämmerlingstraße, auch die S-Bahn fährt dort entlang. Südlich fließt die Wuhle, im Westen die Spree. Die Möglichkeiten scheinen auf den ersten Blick begrenzt.

Geplanter Stadionausbau wird verschoben

Nicht nur die Infrastruktur, auch das Stadion selbst soll für die Bundesliga flott gemacht werden. Ursprünglich wollte Union schon im kommenden Sommer, zum 100-jährigen Stadionjubiläum, mit den Umbauarbeiten fertig sein und dann Platz für rund 37.000 Zuschauer bieten.

"Es gibt keinen Umbau im ersten Bundesligajahr", sagte Präsident Dirk Zingler nun aber am Dienstag und ergänzte: "Ein paar Anpassungen werden wir für die Bundesliga vornehmen müssen. An der Kapazität werden wir aber erstmal nichts verändern." 

Die Bauarbeiten würden frühestens im Sommer 2020 beginnen. In der ersten Bundesligasaison werden also nicht viel mehr Zuschauer ins Stadion kommen als in der vergangenen Zweitligasaison, da spielte Union im Schnitt vor 21.200 Anhängern. Klar ist aber, dass aus Schalke, Frankfurt und Dortmund mehr Gästefans kommen als aus Sandhausen, Fürth oder Darmstadt – zur Not auch ohne Eintrittskarte.

Bund und Land subventionieren neues Nachwuchsleistungszentrum

Den Stadionausbau will Union selbst bezahlen, die rund 38 Millionen Euro seien machbar, so Oliver Igel: "Das kann der Verein stemmen, er hat ein überzeugendes Konzept vorgelegt", sagt der Bezirksbürgermeister.

Finanzielle Unterstützung von Bund und Land Berlin soll es aber für ein geplantes Nachwuchsleistungszentrum geben. Unions künftige Talentschmiede soll am Bruno-Bürgel-Weg entstehen.

Der 1. FC Union wächst, durch die erste Bundesligasaison der Vereinsgeschichte umso schneller. Inwieweit der Bezirk Köpenick mitwachsen muss und kann, wird sich wohl erst noch zeigen.

Beitrag von Dennis Wiese

Kommentar

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20 Kommentare

  1. 20.

    "Die Verkehrssituation muss neu geordnet werden."
    Na Guten Morgen die Herren. Es wurde mal wieder alles komplett verpennt.
    Seit Jahren steigen die Einwohnerzahlen und verkehrstechnisch geschieht nichts.
    Und wie die ganzen neuen Wohngebiete wie Wasserstadt, Marienhain, Regattastrasse besser an den ÖPNV angeschlossen werden sollen wurde ganz genauso verpennt. Von vorausschauender Planung ganz zu schweigen.

  2. 19.

    Habe noch nie Fans in Massen in den ÖFFIS gesehen, wenn Hertha spielt, da kommen die meisten über A10, über die Heerstr, und können am Stadion parken. Der Osten sollte das auch können/schaffen...

  3. 18.

    Für Sportfans sind 5 min von der Straßenbahn doch perfekt oder 15 Minuten entlang der Wuhle noch besser zum Einstimmen. Die Parkplätze direkt vor dem Stadion können weg, dann ist dort mehr Platz für die Fans.
    Nur blöd, dass die Straßenbahn-Haltestelle verkleinert wurde für den 4-spurigen Ausbau des Autoverkehrs. Parkplatz verkleinern nur noch für Spieler & VIPs ist bestimmt eine gute Idee. Dann gibt es weniger Autoverkehrschaos. Die ganz große Mehrheit kommt sowieso mit den Öffentlichen. Ich frag mich nur, warum bei den Spielen fast alle freiwillig aus Autofahren verzichten ;)
    Der Parkplatz ist sowieso eine riesige Platzverschwendung und jetzt schon größer als das Spielfeld.

  4. 17.

    Abroden, Zubringer Autobahn mit 25.000 Parkplätzen, der Steuerzahler will endlich vom Senat Leistung sehen.

  5. 16.

    Erstmal Glückwünsche an Union. Ich komme zwar nicht aus Berlin, aber das sind (lt.Stadtplan) doch gute Vorschläge, die machbar sind. Vor allem ein zusätzlicher S-Bahnhof und ein Regionalbahnhof. Es darf nur nicht 10 Jahre dauern. Und 15 Min. Fußweg sind wohl zumutbar. Das muß man in Hamburg mindestens von nur einer (!) S-Bahnstation auch laufen. Dort gibt es sonst nix, keine U-Bahn, keine Straßenbahn, nur Busse, und allerdings wesentlich mehr Parklätze.

  6. 15.

    Es ist viel schlimmer. Die Einwohnerzahl von Oberschöneweide ist von 15.000 auf 22.000 gestiegen. Union will 37.000 Plätze. Die HTW wird bald 17.000 Studenten in Oberschöneweide angesiedelt haben. Dazu noch die tausenden Besucher der Parkbühne Wuhlheide und des FEZ. Aber: Oberschöneweide hat keinen U-Bahnhof, keinen S-Bahnhof, keinen Regionalbahnhof - nichts. Nur eine völlig unzureichende Straßenbahn. Ist es nicht vielleicht endlich an der Zeit, einen großen Wurf zu machen und in den ÖPNV zu investieren? Berlin wächst seit Jahren, gebaut wird fast nichts. Alle S-Bahnstrecken und U-Bahnstrecken sind Jahrzehnte alt. Die meisten existierten schon vor dem Zweiten Weltkrieg. Seither ist wenig passier, im Südosten Berlins überhaupt nichts. Der ÖPNV war in den 1930er Jahren erheblich besser als heute. Peinlich.

  7. 14.

    "Es gibt keinen Umbau im ersten Bundesligajahr", sagte Präsident Dirk Zingler nun aber am Dienstag und ergänzte: "Ein paar Anpassungen werden wir für die Bundesliga vornehmen müssen. An der Kapazität werden wir aber erstmal nichts verändern." (D. Zingler) Und dazu nebenbei: Es war seit Monaten immer ausverkauft. Mehr als reinpassen kommen auch in der 1. Liga nicht. ;-) Trotzdem ist es gut, dass man nun endlich eine Notwendigkeit sieht!

  8. 13.

    "Es gibt keinen Umbau im ersten Bundesligajahr", sagte Präsident Dirk Zingler nun aber am Dienstag und ergänzte: "Ein paar Anpassungen werden wir für die Bundesliga vornehmen müssen. An der Kapazität werden wir aber erstmal nichts verändern." (D. Zingler) Und dazu nebenbei: Es war seit Monaten immer ausverkauft. Mehr als reinpassen kommen auch in der 1. Liga nicht. ;-) Trotzdem ist es gut, dass man nun endlich eine Notwendigkeit sieht!

  9. 12.

    Wie wär’s denn damit die Tramanbindung auszubauen und die Parkplätze abzuschaffen? Wenn man nicht parken kann kommt auch niemand mit dem Auto. Da braucht es dann auch keinen Appell.

  10. 11.

    Wie bessere Radwege, noch mehr Radwege die baulich getrennt waren von der Strasse unsinnig auf die Strasse legen. Dieses Konzept stimmt doch vorne und hinten nicht, deshalb nehmen ja die Verkehrstoten bei Radfahren zu, und ich traue mich nicht mehr mein Kind mit Fahrrad in Köpenick fahren zu lassen. Und dieser blöde Radfahrerclub unterstützt das noch.
    Gott bewahre uns vor Politikern und Idioten. Okay okay ist doppelt gemoppelt, ist alles eins.

  11. 10.

    Jahrelang hat hier keiner vom Senat hier was für die Bürger getan an der Infrastruktur. Es wurde alles verlottert. Brücken die zu wenig sind , keine UBahn, und eine Brücke am Schloss die nur ein Behelf sein sollte wurde zu Standart erklärt. Eigentlich ist dies Brücke eine NVA Flussquerungsbrücke. Und was sollte ich da jetzt ändern wenn erste Liga spielt? Das Stadion war auch schon vorher ausverkauft.
    Es fehlen Tunnel unter der Dame in Wendenschloß und Tunnel unter den SBahn Lienien durch. ICh kann mich nur noch aufregen über diesen Staat.

  12. 9.

    Die Unioner kommen mit der SBahn!Also für relativ kleines Geld eine Bedarfs Haltestelle Höhe Schubert/Hämmerlingstr. einrichten.
    Das Gleiche ist mit der Regionalbahn zu leisten.
    die parkeisenbahn des Fez könnte von der Wuhlheide her angreifen.
    eine Wendeschleife für zusätzlichen Tram Verkehr ist sowieso nötig.

  13. 8.

    Ich denke eher, es geht hierbei um eine Erweiterung der Kapazitäten bei der Straßenbahn und S-Bahn. Hier werden wohl noch mehr Zusatzfahrzeuge eingesetzt werden.

  14. 7.

    Mit dem Grünen Verkehrssenat wird Berlin noch mehr zur Lachnummer der Nation.
    Bei jeden Projekt wo es Entscheidung aus dem Verkehrssenat gab, ist doch nichts Sinnvolles rausgekommen.
    Die Fans der anderen Bundesligavereine werden sich freuen wenn Sie per Fahrrad oder zu Fuss ins Stadion müssen.

  15. 6.

    Es soll und muss ausgebaut werden, auf 37000. Noch ist es nicht ganz bundesligatauglich, da fehlen Sitzplätze. Die Vorgaben will Union natürlich erfüllen

  16. 5.

    Schön grüße aus Stuttgart bin Berliner und Onion Berlin Fan. Ich freue mich richtig für den Verein habe jedes Spiel angeschaut.

  17. 4.

    Das Stadion war doch aber jetzt auch ständig ausverkauft und damit voll. Nur weil 1.BL kommen doch jetzt nicht mehr Zuschauer, ist doch eh kein Platz. Es kommt, wer eine Karte hat, wie die letzten Jahre. Allerdings war die Verkehrssituation natürlich immer sehr angespannt. Warum Frau Günther jetzt einen Plan erarbeiten soll ist etwas unklar. Wem soll das helfen? Den Fahrradfahrern rings um die Wuhlheide? Die rührt doch für mit Autos anreisende Fans keinen Finger.

  18. 3.

    Zitat: "Von der Kapazität hat Köpenick damit die kleinste aller 18 Bundesliga-Arenen." Das ist schlicht falsch. Es sei denn man zählt das Stadion in Paderborn nicht als Arena ;) Da passen nur 15000 rein...

  19. 2.

    Frau Günther? Was soll bei dem Konzept herauskommen? Bessere Radwege in Köpenick, damit die Auswärtsfans besser zum Stadion kommen?

    Eher tauschen Hertha und Union die Stadien, bevor da etwas brauchbares konzeptioniert geschweige den realisiert wird.

  20. 1.

    Herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg! Ich hoffe, dass Abenteuer Bundesliga hält nicht nur eine Saison.
    Über so viel Unterstützung der Politik würden wir uns Herthaner auch freuen. Macht was draus!

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